Legendäre Bankiersfamilie Der siebte Rothschild

Alexandre de Rothschild: "In unserem Metier ist es unmöglich, sich allein im Namen der familiären Kontinuität durchzusetzen."

(Foto: Bloomberg)

Mit Alexandre de Rothschild übernimmt die nächste Generation das legendäre Bankhaus Rothschild. Dort sind sich Wirtschaft und politische Macht besonders nah.

Von Leo Klimm, Paris

Sein Nachname ist ein Synonym für Finanzaristokratie - in ganz Europa bekannt für ein ebenso traditionsreiches wie mächtiges Bankhaus. Aber ihn persönlich kennt man bisher kaum. Das ändert sich diese Woche, wenn Alexandre de Rothschild, 37, die Führung des Pariser Geldhauses Rothschild & Co. übernimmt.

Für ihn wird es von da an vor allem um eines gehen: Er muss sich seines Nachnamens würdig erweisen, indem er die sagenhafte Bankiersgeschichte der Familie in siebter Generation erfolgreich fortschreibt. Und das heißt, er muss Einfluss und Geld mehren, wie es Vater David vorgemacht hat, der an die Spitze des Aufsichtsrats wechselt.

"Ich fühle mich unglaublich privilegiert", sagt Alexandre de Rothschild. Er meint damit nicht seinen sozialen Status, sondern die Ehre, das Unternehmen führen zu dürfen - die zugleich eine Bürde ist. Denn einerseits versteht es sich bei den Rothschilds von selbst, dass die Macht über die Bank in der Familie bleibt. Schon Urahn Mayer Amschel Rothschild, der die Gelddynastie im 18. Jahrhundert im Frankfurter Juden-Ghetto begründete, mahnte dazu, den familiären Zusammenhalt über alles zu stellen.

Symbol des modernen Finanzkapitalismus

Andererseits kommt es gerade in der Kerndisziplin der Bank, der Beratung von Firmen bei Fusionen und Übernahmen, so sehr auf Persönlichkeit und Kommunikationsstärke an wie in keinem anderen Finanzberuf. Diese Qualitäten lassen sich nicht vererben. Alexandre de Rothschild weiß um den Druck, der daraus auf ihn entsteht: "In unserem Metier ist es unmöglich, sich allein im Namen der familiären Kontinuität durchzusetzen", sagt er.

Der Jungdynast übernimmt nicht nur ein geschichtsträchtiges Haus, das einst Europas Kaiser und Könige finanzierte und später die erste multinationale Bank des Industriezeitalters war. Rothschild ist als führender Übernahmeberater heute auch ein Symbol des modernen Finanzkapitalismus und seiner politischen Verstrickungen - gerade in Frankreich, wo das Institut seinen Sitz hat.

Die Bank ist ein Pfeiler der französischen Wirtschaft und Vorzimmer zur politischen Macht. Seit dem Zweiten Weltkrieg waren zwei Staatschefs zuvor Banker bei Rothschild: Georges Pompidou und der gegenwärtige Präsident Emmanuel Macron. Mit Alexandre de Rothschild übernimmt die Generation Macron jetzt auch im Geldhaus selbst das Sagen.

Der junge Rothschild, ein Herr mit vornehmer Anmutung und einer Vorliebe für elitäre Hobbys wie Springreiten, wurde lange von Vater David auf die Aufgabe vorbereitet. Nach Lehrjahren als Investmentbanker bei den größeren Wettbewerbern Bear Stearns und Bank of America in New York und London wechselte er 2008 ins Familienunternehmen.

Dass er auserkoren war, die Bank zu führen, war schnell klar: Von den vier Kindern David de Rothschilds ist Alexandre der einzige Sohn. Bösen Zungen zufolge hallt hier eine weitere Mahnung des Bankgründers Mayer Amschel nach. Der hatte einst verfügt, es dürften nur Söhne am Geschäft beteiligt werden.

Wie dieses Geschäft weiter gedeihen soll, dafür hat Alexandre de Rothschild schon einen Plan. Sein Vater hatte es nach der Verstaatlichung durch Frankreichs Sozialisten in den 1980er-Jahren wieder aufgebaut und später den französischen mit dem britischen Rothschild-Zweig wiedervereint, um eine feine Privatbank mit weltweit 3500 Mitarbeitern und einem Nettogewinn von zuletzt 236 Millionen Euro zu formen.

Alexandre hat sich jetzt vorgenommen, das Investmentbanking und die Vermögensverwaltung zu stärken, um so die Abhängigkeit vom stark schwankenden Geschäft mit Unternehmensfusionen zu mindern. Und vor allem möchte er eine alte Schwäche auswetzen: Unter seiner Ägide soll Rothschild endlich auch in den USA ein Nachname werden, der zählt.

"Die Grenzen sind gefallen"

Baron David de Rothschild über die Konsequenzen der Krise, falsche Anreizsysteme - und Firmenbeteiligungen in Deutschland. Martin Hesse mehr...