Nahaufnahme Mathe für Trump

David Beasley ist Chef des World Food Programme der UN. Er hält Entwicklungshilfe für die bessere Flüchtlingspolitik und hat offenbar von der These auch den US-Präsidenten überzeugt.

Von Kristiana Ludwig

Mag sein, dass der Republikaner David Beasley, Ex-Gouverneur vom US-Bundesstaat South Carolina, Anhänger von Donald Trump sowie - laut seinem Twitter-Profil - von Jesus, sich eine leichtere Aufgabe vorgestellt hätte als Chef des World Food Programme der Vereinten Nationen zu sein. Als er im April vergangenen Jahres berufen wurde, sich um den Welthunger zu kümmern, da hatte der US-Präsident gerade den halben Globus zu "Dreckslochländern" erklärt. Und bereits im Wahlkampf war es Trumps Versprechen, kein Geld mehr an bedürftige Staaten zu verschenken. Doch ein Jahr später hat der 61-jährige Beasley nun eine Strategie entwickelt, wie er Donald Trump doch für humanitäre Hilfe begeistern kann. "Ich glaube, wenn wir dem Präsidenten die nötigen Fakten vorlegen, wird er die richtige Entscheidung treffen", sagt Beasley: "Er versteht: Es ist auch eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit."

David Beasley appelliert nicht mehr an das gute Gewissen von reichen Geberländern wie den USA oder auch Deutschland. Mit Moral fängt er gar nicht erst an. Seine Argumente bestehen dagegen aus einfachen Zahlen, sie passen auf einen Bierdeckel: "Einen Menschen in Syrien zu ernähren, kostet 50 Cent. Denselben Menschen in Berlin, Frankfurt oder London zu ernähren, kostet 50 Euro", sagt er: "Die Kosten sind das Hundertfache." Besser also, Berlin und Washington stecken ihr Geld in Lebensmittelspenden. Am Ende kommt das billiger.

Entwicklungshilfe ist in David Beasleys Systematik also ein Mittel zum Zweck, gerade dann, wenn Staatschefs nicht die größten Freunde von Menschen anderer Herkunft sind. Wer jenen in deren Heimat hilft, der verhindert, dass sich Fremde überhaupt auf den Weg nach Europa oder in die USA machen. So lautet seine zweite Weisheit. Die Rechnung geht wie folgt: "Mit jedem Prozent mehr Hunger in der Bevölkerung wächst auch die Migration um zwei Prozent." Jeder Syrer würde schließlich lieber zu Hause bleiben, sagt Beasley. Doch wenn die Nahrung fehle, gehe er fort, um zu überleben. Das World Food Programme, so die Botschaft des Chefs, kann die Zahl der Flüchtlinge senken.

Und damit nicht genug. Als wären Geldeinsparen und die Lösung des Flüchtlingsproblems nicht schon verlockend genug für den US-Präsidenten und die EU-Regierungschefs, hat David Beasley noch ein drittes, schlagendes Argument für die Förderung seiner Hungerhilfe. Es ist ein Bedrohungsszenario. "Die Kämpfer des 'Islamischen Staats' haben Syrien beinahe verlassen. Aber wo sind sie hingegangen?", fragt Beasley und antwortet gleich selbst: "Die meisten von ihnen sind am Horn von Afrika, in Somalia, Sudan, Dschibuti. Sie tun sich dort mit Boko Haram zusammen, mit al-Shabaab oder al-Qaida."

Seine Mitarbeiter hätten sich in den Regionen, die unter der Herrschaft der Terrormiliz IS gestanden haben, mit den Menschen unterhalten. "Viele Frauen haben uns erzählt: Mein Mann wollte sich nicht dem IS oder Boko Haram anschließen, doch wir hatten kein Essen, kein Wasser. Unsere Kinder wären gestorben." Beasley sagt: "Wir wissen, dass sich die Menschen extremistischen Gruppen nicht anschließen, wenn sie sich ernähren können."

Eine Politik gegen Hunger sei also auch Friedenspolitik. Oder, um es mit seinen Worten zu sagen: "Krieg kostet die Welt rund zwei Trillionen US-Dollar pro Jahr. Den Hunger zu lindern, verhindert Konflikte und ist unterm Strich billiger." David Beasley ist mit seinem Verhandlungsergebnis zufrieden, sagt er. "Ich habe Präsident Trump davon überzeugen können, dass humanitäre Hilfe kein weggeworfenes Geld ist, sondern dass sich die Investition lohnt."