Volkswagen Der Mann, der VW aus dem Schlamassel ziehen soll

"Während des Monitorship hat sich Daimler in ein neues Unternehmen gewandelt - in ein integres Unternehmen": Louis Freeh (Archivbild)

(Foto: REUTERS)

Ex-FBI-Chef Louis Freeh hat in den USA schon die Mafia besiegt. Im Auftrag von Volkswagen soll er jetzt die wütenden US-Umweltbehörden besänftigen.

Von Thomas Fromm und Klaus Ott

Sein vielleicht härtester Kampf liegt schon drei Jahrzehnte zurück, und er gibt genug Stoff für einen dieser Scorsese- oder Coppola-Filme her. Vor gut drei Jahrzehnten, als junger Staatsanwalt in New York, hatte es Louis Freeh mit der Mafia zu tun. Er war der führende Ermittler beim Kampf gegen die "Pizza-Connection". So wurde damals in den USA ein Drogenring genannt, den die sizilianische Cosa Nostra aufgebaut hatte. Über Pizzerien wurde Heroin verkauft und Geld gewaschen. Bis die US-Behörden Mitte der achtziger Jahr in einem riesigen, aufwendigen Ermittlungsverfahren die "Pizza Connection" zerschlugen. Freeh und seine Kollegen brachten Mafiosi vor Gericht und hinter Gitter. Es war einer der größten Erfolge in den Vereinigten Staaten im Kampf gegen das organisierte Verbrechen - und der Beginn von Freehs Karriere. Denn wer es mit der Cosa Nostra aufgenommen hat, der hat wahrscheinlich schon den dicksten Brocken hinter sich.

Der Mafia-Jäger stieg unter den US-Präsidenten George Bush und Bill Clinton bis an die Spitze der Bundespolizei FBI auf. Am 1. September 1993 legte Freeh, nachdem ihn Clinton vorgeschlagen und der Senat ihn bestätigt hatte, seinen Amtseid als FBI-Chef ab. Ein Job, den er bis Mitte 2001 machte. Freeh wurde im Laufe der Jahre das, was man einen "Allrounder" nennt: Missbrauchsskandal auf dem Campus einer staatlichen Universität, die Sex-Affäre des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton mit der Praktikantin Monica Lewinsky, eine Abhöraffäre, der "Unabomber" Theodore Kaczynski. Irgendwann führte ihn seine Arbeit bis nach Deutschland: zum Autokonzern Daimler. Da hatte der Ex-FBI-Mann schon seit langem eine eigene Firma aufgebaut, die ihre Dienste Unternehmen anbietet, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. "Risk Management" lautet das Schlagwort, unter dem die Freeh Group international agiert.

"Risiko Management", darum ging es auch, als die Stuttgarter den US-Juristen 2006 als externen Berater verpflichteten, um bei der Schmiergeldaffäre zu helfen. Daimler und US-Behörden handelten einen Deal aus: Der Konzern sollte 185 Millionen Dollar zahlen, im Gegenzug blieb Louis Freeh länger als geplant, um darüber zu wachen, ob die Geschäfte von Daimler wirklich sauberer geworden waren. Später sagte der Jurist im SZ-Interview: " Daimler ist sehr klug geworden, hat sich komplett geändert. Während des Monitorship hat sich Daimler in ein neues Unternehmen gewandelt - in ein integres Unternehmen."

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Wenn Freeh irgendwo auftaucht, dann geht es um große Skandale, um viel Geld - und hohe Risiken. So wie bei Volkswagen. Der Konzern steht wegen der Abgas-Affäre vor allem in den USA mit dem Rücken zur Wand, Milliardenstrafen drohen. Zu viel Stickoxide, Dieselmotoren, die mit einer Spezialsoftware gespickt waren - ein klassischer Fall für den Pizza-Connection-Mann. Freeh soll als Sonderbeauftragter des deutschen Autokonzerns helfen, Türen zu öffnen; mit Regierung, Parlament und Umweltbehörden wieder ernsthaft ins Gespräch kommen, nachdem Vorstandschef Matthias Müller bei seinem US-Trip vergangene Woche viel Porzellan zerschlagen hat und es auch sonst um die Kommunikation zwischen Deutschen und Amerikanern nicht unbedingt zum Besten steht.

"Freeh ist in den USA extrem gut verdrahtet in Behörden und Ministerien", sagt einer, der ihn gut kennt. Von der Pizza über Clinton und Daimler zu Stickoxiden: Freeh ist ein Mann für alle Fälle. 2009 begab sich der Ermittler in die italienische Botschaft in Washington - um bei einer feierlichen Zeremonie die italienische Staatsbürgerschaft im Empfang zu nehmen. Der Botschafter lobte damals Freehs Kampf gegen das organisierte Verbrechen.

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