Kosmetik Jessica Alba hat Ärger mit ihrem Öko-Unternehmen

Jessica Alba: "Wir haben diese Firma gegründet, weil wir auf der Suche nach einer Marke waren, der man wirklich vertrauen kann."

(Foto: REUTERS)

Dabei wollte der US-Filmstar den Konzernen zeigen, dass Umsatz auch umweltfreundlich geht.

Von Claus Hulverscheidt

Ein wenig hatte man die Fans auf die Folter gespannt, nun aber ist sie da, die neue Kollektion. Sie trägt den hübschen Namen "Frühling in Paris". Auf den weißen Höschen prangen Eiffeltürmchen, die lustig durcheinanderpurzeln, Baiser-Kekse oder bunte Koffer, auf denen "Cannes" oder "Bordeaux" steht. Qualitativ hochwertig müssen die Artikel sein. Und umweltfreundlich. Und so schön, dass "niemand sie in der Schublade oder unter dem Waschbecken verstecken muss". So hatte es die Firmengründerin vor fünf Jahren verfügt.

Jessica Alba, 34, skandalfrei verheiratet, zweifache Mutter, Hollywoodstar, Model, Unternehmerin und für Männermagazine eine der schönsten Frauen der Welt, hat allen Grund, stolz zu sein: Was sie anpackt, so scheint es, wird zu Gold - egal, ob sie einen Kinofilm dreht oder eine neue Windelkollektion auf den Markt bringt.

Als sie 2008 ihre erste Tochter zur Welt bringt und auf den etwas eigenwilligen Namen Honor ("Ehre") tauft, tun Alba und ihr Mann Christopher Warren das, was alle jungen Eltern tun: Sie machen sich auf die Suche nach tauglichen Baby-Utensilien, von der Windel über den Brei bis zum Strampelanzug. Doch Alba, die als Kind unter Allergien litt, findet nicht, wonach sie sucht - also gründet sie ihr eigenes Unternehmen. 2011 ist das, jenes Jahr, in dem auch Töchterchen Haven zur Welt kommt, was so viel heißt wie "Zufluchtsort". Ihre Firma nennt Alba, ganz unbescheiden, The Honest Company, "das ehrliche Unternehmen".

Heute hat das ehrliche Unternehmen fast 500 Mitarbeiter, wird von Investoren mit 1,7 Milliarden Dollar bewertet und erwägt einen Börsengang. Das Leben könnte so schön sein für Jessica Alba - gäbe es da nicht jenen Artikel im Wall Street Journal, der die Honest-Führung seit Kurzem auf Trab hält: Demnach enthält das hauseigene Öko-Waschmittel Natriumlaurylsulfat (SLS), eine Substanz, die Alba vor Jahren selbst auf Platz eins jener Chemikalien gestellt hatte, die aus ihrer Sicht für Kinder besonders schädlich sind. Nach den Schlagzeilen um eine angeblich nicht wirkende Sonnencreme ist es schon das zweite Ärgernis binnen weniger Monate.

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Ist das ehrliche Unternehmen am Ende doch nur eines der vielen, die ihre Ethikregeln im Spagat zwischen Kundenzufriedenheit und Gewinnmaximierung eher flexibel auslegen? Und gehört Jessica Alba vielleicht doch zu jenen Filmschaffenden, deren Gutmenschen-Gewand vor allem ein Mittel zur Karriereförderung ist?

Sollte es so sein, der Schaden wäre gewaltig - für die Mimin, für ihre bisher beinahe erschreckend makellose Vita und für ihre Firma. Alba ist nicht nur das Gesicht des Unternehmens. Mit ihren zahllosen Bekenntnissen zu ökologisch einwandfreien Produkten und den vielen Fotos, die sie über die sozialen Netzwerke von sich, ihrem Mann und den Kindern verbreitet, verkörpert sie so etwas wie den Markenkern, ohne den Honest nichts wäre. Gar nichts.

Entsprechend erbittert wird nun gestritten: Honest und Alba haben schriftliche Zusagen der Zulieferbetriebe vorgelegt, wonach bei der Herstellung des Flüssigwaschmittels keine schädlichen Substanzen verwendet werden. Die Zeitung dagegen, die die chemische Analyse in Auftrag gegeben hatte, verweist auf die in der Tat dürftigen Erklärungsversuche, die eben jene Zulieferer ihr gegenüber unternommen haben.

Lachender Dritter könnte am Ende Procter & Gamble sein, ausgerechnet jener Riese also, dessen Produkte Alba ihren Kindern einst nicht zumuten mochte und mit dem sie heute konkurriert. P & G macht - wie zum Beispiel auch der Zahnpasta-Produzent Colgate - gar kein Geheimnis daraus, SLS zu verwenden, etwa in seinen Pantene-Shampoos. In kleineren Mengen, so der Konzern, sei das "überhaupt kein Problem".

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