Nahaufnahme Der verlorene Sohn

"Es war eine sehr intensive Zeit, aber was einen nicht tötet, macht einen stärker." - James Murdoch

(Foto: Reuters)

Nach vier Jahren ist er zurück auf dem alten Posten: James Murdoch ist wieder der starke Mann beim Bezahlsender Sky. Und mächtiger denn je.

Von Björn Finke

Nach vier Jahren ist er zurück auf dem alten Posten: Die Haare nicht mehr ganz so kurz, ein schickes neues Brillengestell. Und mächtiger denn je. James Murdoch wird im Mai Verwaltungsrats-Chef von Sky, dem Bezahl-Fernsehsender aus London, zu dem auch Sky Deutschland gehört. Der jüngere Sohn von Medien-Unternehmer Rupert Murdoch besetzte bereits früher dieses Amt, musste jedoch im April 2012 abtreten - wegen des Abhör-Skandals beim britischen Boulevardblatt News of the World. Journalisten der Zeitung, die ebenfalls zu Murdochs weitverzweigter Mediengruppe gehörte, hatten die Handy-Mobilboxen von Prominenten und Verbrechensopfern belauscht.

Rupert Murdoch stellte das Blatt daraufhin kurzerhand ein. Sohn James war Verwaltungsrats-Chef von News International, der Tochtergesellschaft für Murdochs britische Zeitungen. Er musste erst hier zurücktreten und später auch bei Sky. "Es war eine sehr intensive Zeit, aber was einen nicht tötet, macht einen stärker", sagte er hinterher zu dieser Erfahrung. Der heute 43-Jährige blieb Mitglied im Sky-Verwaltungsrat in London, zog allerdings nach New York, wo er seinem Vater dabei half, das Familienunternehmen aufzuspalten.

Die Zeitungsverlage - der Ursprung von Murdochs Reich - sind in der Gesellschaft News Corp gebündelt. Um das Kino-, Kabel- und Fernsehgeschäft kümmert sich jetzt die Holding 21st Century Fox. Dieser Teil der Gruppe ist viel größer als die Verlagssparte; er soll nun das Wachstum bringen. Seit Juli vergangenen Jahres führt James Murdoch als Vorstandschef diesen wichtigsten Bereich des Imperiums.

Das macht ihn - und nicht den älteren Bruder Lachlan - zum Kronprinzen des 84-jährigen Vaters, der kürzlich seine Verlobung mit Mick Jaggers Exfrau Jerry Hall bekannt gab. Rupert und Lachlan leiten dafür gemeinsam die Verwaltungsräte von 21st Century Fox und News Corp. In jungen Jahren drängte sich James allerdings nicht gerade als Nachfolger seines konservativen Vaters auf. Der Sohn schmeißt sein Studium in Harvard, trägt Piercings, gründet mit Freunden ein Musik-Label für Hip-Hop. Später kauft der Vater die Firma, und James beginnt seine Karriere im Familien-Konglomerat.

An Sky, Europas größtem Fernsehkonzern, hält 21st Century Fox bislang 39 Prozent der Anteile, ist damit wichtigster Aktionär. Die Rückkehr von James Murdoch an die Spitze des Verwaltungsrats schürt Spekulationen, dass 21st Century Fox die restlichen Anteile übernehmen will. Rupert Murdoch machte den anderen Aktionären bereits 2010 ein solches Angebot, zog es aber nach der Abhöraffäre zurück.

Käme es zu einer Neuauflage, würde James Murdoch in seiner Rolle als Chef von 21st Century Fox für eine Gesellschaft bieten, bei der er den Verwaltungsrat leitet, dessen Management er also als oberster Kontrolleur auf die Finger schaut. Wegen dieses möglichen Interessenkonflikts kritisiert der Investor Royal London Asset Management die Berufung Murdochs als "unangemessen". Gebe es eine Kaufofferte, brauche Sky einen unabhängigen Chefaufseher, der das Wohl aller Anteilseigner im Blick habe, forderte eine Vertreterin dieser Vermögensverwaltung.

Solche Kontroversen ist James, der mit einem früheren Model verheiratet ist, gewohnt: Als ihn sein Vater 2003 zum Vorstandschef von BSkyB kürte (so hieß Sky damals), griffen Aktionäre das ebenfalls scharf an. Schließlich war der Junior da gerade mal 30 Jahre alt. Unter seiner Führung gewann das Pay-TV-Unternehmen jedoch viele neue Abonnenten. 2007 wechselte er an die Spitze des Verwaltungsrats. Dann kam der Abhör-Skandal. Er hat seinen Karrierechancen offenbar nur kurzzeitig geschadet.