Aldi: Nachtsichtgeräte beim Discounter Es werde Licht

Einst galten Nachtsichtgeräte als geheimnisvoll, später wurden damit Bundespolizisten ausgerüstet, mittlerweile nutzen sie auch schon Mountainbiker. Die Sehhilfen liegen voll im Trend - jetzt gibt es sie sogar beim Discounter.

Von Annette Ramelsberger

Vielleicht schafft es Günther Jauch ja dieses Mal. Im Frühjahr war er noch zu spät gekommen, obwohl er eigens früh aufgestanden war und sich morgens bei Aldi angestellt hatte. Für ein ganz besonderes Objekt der Begierde: ein Nachtsichtgerät. Besonders handlich, mit prima Restlichtverstärker. Im Frühjahr war es ganz schnell vergriffen. Doch nun bringt Aldi Nord wieder ein solches Gerät auf den Markt: 119 Euro, "erstklassige Lichtverstärkung", die Infrarot-Beleuchtung "leistungsstark und sparsam", dazu drei Jahre Garantie vom Hersteller.

Beim Militär wird Licht bis zum 100.000fachen verstärkt. Damit ist allerdings bei Geräten von Aldi oder Lidl nicht zu rechnen.

(Foto: REUTERS)

Früher galten Nachtsichtgeräte als Werkzeug dubioser Gesellen. Wenn an der Grenze zu Pakistan bärtige Jünglinge aus Deutschland gefasst wurden, hatten sie im Rucksack gern mal ein Nachtsichtgerät - untrügliches Zeichen für die Geheimdienste, dass die Männer nicht auf Kulturreise an den Indus waren, sondern eher zu ihren Brüdern im Heiligen Krieg. Und jedem, der den Film Das Schweigen der Lämmer gesehen hat, ist die Szene unvergesslich, als sich der irre Serienmörder mit einem Nachtsichtgerät vor den Augen der FBI-Agentin Clarice Starling nähert, die im dunklen Mordhaus nur auf ihr Gehör und den Tastsinn angewiesen ist. Und der Mörder kommt immer näher.

Damals galten Nachtsichtgeräte noch als geheimnisvoll. Später dann wurden damit reihenweise Bundespolizisten ausgerüstet, damit sie im Dunklen an der Grenze schneller Schleuserbanden aufstöbern konnten, die durch den Wald hasteten. Noch in 300 Metern Entfernung konnten sie dabei die Gestalten erkennen. Und Jäger besorgten sich die Technik, damit sie erfolgreicher auf der Pirsch waren und das Wild im dunklen Wald erkennen konnten.

Es gibt zweierlei Geräte. Die Infrarotgeräte funktionieren, indem sie Licht ausstrahlen, das für das menschliche Auge unsichtbar ist. Die Infrarotstrahlung wird reflektiert und in sichtbares Licht umgewandelt. Andere Geräte nutzen das Restlicht von Mond und Sternen und verstärken es. Das Bild erscheint grün, es erlaubt Einblicke, die dem menschlichen Auge ohne Technik verborgen bleiben. Bei guten Geräten wird das Licht elektronisch um das 80.000fache, beim Militär sogar bis zum 100.000fachen verstärkt. Damit allerdings ist bei Geräten von Aldi oder Lidl nicht zu rechnen.

Was früher Polizei oder Jägern vorbehalten war, scheint nun Gemeingut zu werden. Halb Deutschland deckt sich offenbar mit Nachtsichtgeräten ein und macht die Nacht zum Tage. Kölner Tierfreunde besuchen jeden Monat mitten in der Nacht den Zoo - ausgerüstet mit Nachtsichtbrillen, damit sie die nachtaktiven Tiere besser beobachten können: Eulen zum Beispiel, die aber fast schon wieder zu schnell fliegen für das menschliche Auge - mit oder ohne Nachtsichtgerät. Die Autoindustrie bietet als Sonderausrüstung Nachtsichtgeräte an, mit denen man noch in 400 Metern Entfernung Hindernisse auf der Fahrbahn erkennen kann - Rehe, Menschen oder auch andere Autos. Und selbst in den Kinosälen sind Nachtsichtgeräte im Einsatz: auf der Suche nach Raubkopierern, die die neuesten Filme aufnehmen und verhökern.

Günther Jauch braucht sein Nachtsichtgerät sicher nur dafür, um zu sehen, ob brandenburgische Wildschweine durch seinen Garten robben. Vielleicht aber schaut der ein oder andere auch ganz gern mal in Nachbars Garten - oder durch dessen Fenster. Natürlich nur, um sich zu vergewissern, dass dort alles in Ordnung ist.