Nachrichtendienste Whatsapp bittet zur Kasse

Nicht mehr für lau: Wenn Firmen Whatsapp-Nachrichten senden, soll dies bald Geld kosten.

(Foto: Sebastian Gol/dpa)

Die Facebook-Tochter will den Messenger für Unternehmen nun kostenpflichtig machen und rechnet dennoch mit höherer Nutzung.

Von Nikola Noske

Die Facebook-Tochter Whatsapp möchte von Unternehmen für den Messenger-Dienst künftig Geld verlangen. Das sagte Whatsapp-Manager Matt Idema dem Wall Street Journal. Mit einer Preisschranke für die Kurznachrichtenplattform wendet sich Whatsapp von Facebooks typischem Geschäftsmodell ab, seine Dienste über Werbung zu finanzieren. "Wir wollen eine Grundlage dafür schaffen, dass Menschen einem Unternehmen Kurzmitteilungen schicken können und konkrete Antworten darauf bekommen", sagte Idema der Zeitung. "Wir haben vor, dafür von Unternehmen in Zukunft Geld zu verlangen." Hauptsächlich nutzen Konzerne den Instant-Messenger bisher für ihren Kundenservice oder zum Verbreiten von Newslettern. Bisher hat Whatsapp diesen Dienst für Unternehmen probeweise kostenlos angeboten.

Mehr als eine Milliarde Menschen nutzen den Whatsapp-Messenger weltweit. Der Anteil an Unternehmen, die per Whatsapp mit ihren Kunden kommunizieren, ist jedoch noch verschwindend gering, sagt Franz Buchenberger, Geschäftsführer des Unternehmens Whats Broadcast in München. Die Firma unterstützt Konzerne dabei, Kurz-Newsletter über Messenger-Dienste an ihre Kunden zu schicken. "Bisher sind es deutschlandweit nur etwa tausend Unternehmen, die einen Newsletter über Whatsapp verbreiten", schätzt Buchenberg. Instant-Messaging als Kanal für den Kundenservice sei allerdings nichts komplett Neues. In China gebe es seit 2011 den Messenger We Chat, über den Konzerne mit ihren Kunden in Kontakt treten. Obwohl Whatsapp die Firmen nun bald etwas kosten soll, würden künftig wahrscheinlich viele Unternehmen den Dienst nutzen, glaubt Buchenberg. Die Kommunikation per Whatsapp sei schnell und effizient. "Zudem kann das andere kostenpflichtige Kommunikationswege wie SMS und Telefonservice ersetzen", meint Buchenberger. Für den Kundenservice per Whatsapp könnten die Firmen automatisierte Programme, sogenannte Bots, einsetzen, was darüber hinaus Personalkosten spare.

Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Yougov nutzen bisher hauptsächlich kleine bis mittelgroße Firmen den Whatsapp Messenger für die Kommunikation mit Kunden. Doch auch Konzerne mit globaler Kundschaft, wie Fluggesellschaften, Onlinehändler und Banken sollen den Messenger nutzen können, erklärte Whatsapp per Blogeintrag. Die Unternehmen könnten ihre Kunden so zum Beispiel über Flugzeiten, Bestellungen und Lieferungen benachrichtigen. Die Chats mit den Firmen seien wie die restliche Whatsapp-Kommunikation verschlüsselt.

Auch über den Facebook-Messenger können Unternehmen mit Kunden kommunizieren. Dies soll aber weiterhin über Werbung finanziert werden. Zudem hat Messenger-Chef David Marcus angekündigt, dass es bald Chatbots für den Kundenservice per Messenger geben soll.

Facebook hatte Whatsapp 2014 für knapp 20 Milliarden Dollar übernommen. Zuletzt gab es Kontroversen mit Datenschützern über den Austausch von Nutzerdaten zwischen Whatsapp und Facebook. Verbraucherschützer intervenierten, sodass der Datenabgleich der Firmen über ihre Kunden in Europa momentan ausgesetzt ist.