Nachfolger für Cryan Christian Sewing soll neuer Chef der Deutschen Bank werden

Christian Sewing bei der Bilanz-Pressekonferenz der Deutschen Bank.

(Foto: dpa)
  • Der bisherige Vize-Chef Christian Sewing soll neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank werden und John Cryan nachfolgen.
  • Der Aufsichtsratschef Paul Achleitner hatte bereits seit längerem nach einem Ersatz für den in der Kritik stehenden Briten gesucht.
  • Cryan hatte die Bank nicht wie erwartet aus der Krise führen können.
Von Jan Willmroth

Die Deutsche Bank bekommt einen neuen Chef: Auf den Briten John Cryan an der Spitze des krisengeschüttelten Geldhauses soll nach einen Spiegel-Bericht der Co-Vizechef Christian Sewing folgen.

Die Deutsche Bank kommentiert die Personalie nicht. Dass sie aber nicht widerspricht, deutet an, dass die Informationen korrekt sind. Der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats, der die Vorstandmitglieder beruft, sei sich einig darin, Cryan zu ersetzen, zitiert Bloomberg informierte Kreise. Eine offizielle Entscheidung wird erst nach der für den Nachmittag eilig anberaumten Aufsichtsratssitzung erwartet.

Aus Mangel an externen Alternativen und nach Rücktrittsgerüchten um Co-Vizechef Marcus Schenck läuft nun alles auf Sewing hinaus. In den vergangenen Monaten hatten reihenweise Top-Banker abgesagt, die Aufsichtsratschef Paul Achleitner anfragen ließ oder selbst kontaktierte.

Als das vor bald zwei Wochen bekannt wurde und immer mehr Namen durchsickerten, war Cryan demontiert. Der Brite führt die Bank seit Mitte 2015, sein Vertrag liefe noch bis Mai 2020. Er war als Sanierer angetreten, sollte unter anderem Kosten senken, teure Rechtsfälle abarbeiten und die IT modernisieren.

Dann aber sanken die Erträge der Bank schneller als die Kosten und die Kosten nicht schnell genug, die Aktionäre verloren nach und nach die Geduld und Achleitner gab dem Druck vor allem der Großaktionäre aus China und Katar nach, die auf einen Wechsel gedrängt hatten.

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Sewing hat eine lange Karriere in der Bank hinter sich, die 1989 mit einer Lehre in einer Filiale in Bielefeld begann. Operative Erfahrung im Vorstand sammelte er erst in den vergangenen Jahren. Zuvor arbeitete er im Risikomanagement und leitete später die interne Revision. Als Leiter des Geschäfts mit Privat- und Firmenkunden steht Sewing für den soliden, vornehmlich deutschen, aber weniger ertragreichen Teil des Geschäfts.

Das Investmentbanking stünde mit seiner Berufung stärker infrage - und während Sewing in Deutschland hohes Vertrauen genießt, dürften die Abteilungen in London und New York skeptisch reagieren. Co-Chef Marcus Schenck dürfte die Bank in Kürze nun verlassen und Garth Ritchie das Investmentbanking künftig alleine führen.

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Die Deutsche Bank hatte am Samstagabend bestätigt, dass noch am Sonntag über die Zukunft des angeschlagenen Vorstandschefs Cryan beraten werde. Der Aufsichtsrat werde sich am Abend mit der Personalie beschäftigen, teilte sie in einer knappen Pflichtveröffentlichung mit. Wegen seiner zahlreichen Personalwechsel und seiner Haltung in Strategiefragen ist zuletzt unter Investoren auch die Kritik an Achleitner lauter geworden.