Nach dem Rücktritt Michail Chodorkowskijs vom Posten des Yukos-Chefs ist der in Russland geborene US-Staatsbürger Semjon Kukes zum neuen Vorstandsvorsitzenden des Ölkonzerns nominiert worden.
(SZ vom 05.11.03) - Weitere Posten der Yukos-Führung werden ebenfalls von Amerikanern gehalten. Der wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung und Betrugs inhaftierte Yukos-Hauptaktionär Chodorkowskij hatte seinen Rückzug damit begründet, dass er "Druck von Unternehmen und Belegschaft" nehmen wolle.
Yukos-Finanzvorstand Bruce Misamore (links) im Gespräch mit seinem Chef Semjon Kukes. (© Foto: AP)
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Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, die Privatisierung in Russland werde nicht rückgängig gemacht, obwohl die Ergebnisse "bei weitem nicht optimal sind".
Offensichtlich verspricht sich Yukos von der amerikanischen Staatsbürgerschaft seiner neuen Spitzenmanager mehr Sicherheit vor den russischen Staatsanwälten.
Weg von der Politik
Die neue Führung bemühte sich zudem, den politisierten Fall Chodorkowskij von der Unternehmenspolitik zu trennen. "Die Führung des Unternehmens und die Aktieneigner haben nichts miteinander zu tun", sagte Kukes. "Wir als Management planen keine Veränderungen im Unternehmen, weil das Unternehmen normal arbeitet."
Der Aktienkurs von Yukos leidet unter der Affäre: Der Konzern hat seit Chodorkowskijs Inhaftierung bereits 15 Prozent an Wert verloren. Nach Chodorkowskijs Rücktritt legte die Aktie deutlich zu.
Unklar blieb, weshalb der Yukos-Chef seinen Posten aufgegeben hat. Die russische Tageszeitung Kommerssant berichtete ohne Nennung einer Quelle, Chodorkowskij sei zurückgetreten, weil er von der drohenden Zwangsverwaltung seines Unternehmens erfahren habe. Ein entsprechender Erlass werde im Kreml vorbereitet.
"Abends beim Wodka"
Die Staatsführung wolle den Schritt "wegen der Krise beim größten Energieunternehmen" und der daraus resultierenden "Gefahr für die nationale Sicherheit" begründen und das Unternehmen praktisch wieder verstaatlichen, berichtete das Blatt. Der neue Yukos-Chef wies den Bericht zurück: "Über solche Sachen können Leute abends beim Wodka reden."
Andere Zeitungen berichteten unter Berufungen auf Chodorkowskij nahe stehende Personen, der Ölbaron plane nach seinem Rückzug aus dem Unternehmen vom Gefängnis aus eine politische Karriere. Er wolle bei der Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2004 gegen Amtsinhaber Putin antreten. Beobachter halten dies aber für unrealistisch.
In Chodorkowskijs Rücktrittserklärung hatte er angekündigt, sich nun voll auf seine Tätigkeit als Chef des regionalen zivilgesellschaftlichen Fonds "Offenes Russland" zu konzentrieren. Der Fonds fördert Sozial- und Bildungsprojekte.
Machtkampf in der Linken