Nach Zwangsversteigerungen 8,5 Milliarden für Bankopfer

Schuldner und Pfändungsopfer können in den USA mit Entschädigungen rechnen, zehn Banken haben sich mit den Regulierungsbehörden in Washington auf einen gewaltigen Vergleich verständigt. Sein Volumen: 8,5 Milliarden Dollar.

Von Moritz Koch, New York

Die Banken gaben, und die Banken nahmen, was zählte war allein das Tempo. In den Jahren des Booms konnten Hypotheken gar nicht schnell genug gewährt, in den Jahren der Krise Häuser gar nicht schnell genug gepfändet werden. Möglichst viel Geld in möglichst wenig Zeit zu bewegen, war Sinn und Zweck des amerikanischen Hypotheken-Karussells. Die Schlampigkeit, mit der Banken über das Schicksal ihrer Kunden entschieden, war kein Versehen, sie hatte Methode. Genauso wie die Praxis, dem Staat die Ausfallrisiken der Ramschkredite unterzujubeln. So jedenfalls lauten die Vorwürfe, mit denen die Branche seit Jahren konfrontiert wird. Und diese Vorwürfe sollen nun ausgeräumt werden. Mit sehr viel Geld.

Am Montag haben sich zehn Banken mit den Washingtoner Regulierungsbehörden auf einen gewaltigen Vergleich verständigt. Sein Volumen: 8,5 Milliarden Dollar. Mit dabei sind die größten Geldkonzerne des Landes: JP Morgan Chase, Bank of America, Wells Fargo und Citigroup, die nahezu 90 Prozent des Hypothekengeschäfts kontrollieren. Für die Bank of America wird es sogar noch teurer. Mit zusätzlichen zehn Milliarden Dollar legt sie einen Streit mit dem staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae bei.

Vor dem Crash drückten die Kontrolleure oft beide Augen zu. Nun aber, da nicht nur der Ruf der Wall Street, sondern auch das Ansehen der Aufseher ruiniert ist, ermitteln die Behörden umso hartnäckiger. Erst vor einem Jahr rangen die Generalstaatsanwälte der US-Bundesstaaten den Banken einen Vergleich in Höhe von 26 Milliarden Dollar ab. Jetzt folgt die Einigung mit den Bundesbehörden. Damals wie heute standen die Fließbandverfahren der Finanzkonzerne im Mittelpunkt: Vor allem die Tricksereien mit eidesstattlichen Erklärungen haben die Banken angreifbar gemacht. Mit ihnen haben Bankmitarbeiter im Akkord versichert, sie hätten die Pfändungsverfahren gründlich vorbereitet und alle Dokumente ausgiebig studiert. Dabei konnten viele der sogenannten Robosigner nicht einmal erklären, was das Wort Hypothekennehmer überhaupt bedeutet.

Viel Geld, doch auch das Leid ist groß

Für ihre Hast und ihre Gier müssen die Banken nun also ein zweites Mal büßen. Dem Vergleich vorausgegangen waren Auflagen der Notenbank Federal Reserve und des Office of the Comptroller of the Currency, das dem Finanzministerium unterstellt ist. Beide Behörden wiesen die Banken an, ihre Akten über Zwangsversteigerungen von unabhängigen Rechnungsprüfern untersuchen zu lassen. Doch das erwies sich als teuer und langsam.

Der Vergleich beendet nun diese Aktenwälzerei. Die 8,5 Milliarden Dollar sollen aufgeteilt werden. Ein Teil soll Pfändungsopfern zufließen, bei deren Versteigerungen gepfuscht wurde, der andere Teil soll finanzieren, dass Schuldner, die ihre Häuser bisher behalten konnten, weniger Zinsen zahlen. Einzelne Haushalte sollen bis zu 125.000 Dollar erhalten. Viel Geld, doch auch das Leid ist groß: Insgesamt haben in den vergangenen fünf Jahren vier Millionen Amerikaner ihr Haus verloren. Viele weitere schulden ihrer Bank mehr, als ihr Haus noch wert ist.

Trotz der Kosten für die Konzerne verzeichneten die meisten Bankaktien am Montag nur leichte Verluste. Denn die Rechtsunsicherheit, zuletzt ein großes Hemmnis für Bankaktien, schwindet. Erleichtert nahmen die Banken auch eine weitere Meldung auf. Um einem Gerichtsverfahren zu entgehen, zahlt die Bank of America ein Bußgeld von 3,6 Milliarden Dollar und kauft für weitere 6,75 Milliarden Dollar Hypotheken zurück, die eine Konzerntochter der Staatsfirma Fannie Mae untergeschoben hatte.