Die Lkw-Maut auf deutschen Autobahnen ist mit mehr als einjähriger Verspätung ohne technische Probleme gestartet. Das satellitengestützte System ging pünktlich zum Jahreswechsel in Betrieb. Einige Brummifahrer mussten jedoch schon in der ersten Nacht Bußgeld zahlen.

Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums und des Betreiberkonsortiums Toll Collect gab es am ersten Tag keine Schwierigkeiten. Allerdings waren wegen des Fahrverbots an Sonn- und Feiertagen zunächst nur wenige Lastwagen unterwegs. Die erste Bewährungsprobe kommt in der Nacht zum Montag.

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Seit Mitternacht ist auf den deutschen Autobahnen nun für alle Lastwagen mit einem Gewicht von mehr als zwölf Tonnen das Gratis-Zeitalter zu Ende. Pro Kilometer werden durchschnittlich 12,4 Cent fällig - für die rund 800 Kilometer zwischen Hamburg und München bedeutet dies beispielsweise knapp 100 Euro. Die Kontrolle erfolgt über 300 Brücken mit Infrarot-Sensoren sowie über mobile Kontroll-Teams. Nach Angaben des Ministeriums wurden in den ersten Stunden bereits 120 Mautpreller erfasst, die in der Regel nun 75 Euro Bußgeld bezahlen müssen.

Das Ministerium und Toll Collect zeigten sich zufrieden mit dem Auftakt. "Der Start ist ohne jede Schwierigkeit gelungen", sagte Toll-Collect-Sprecher Harald Lindlar. Allerdings hatte kurz zuvor nochmals eine Panne für Aufregung gesorgt: Wegen eines technischen Fehlers konnten am Freitag mehrere Stunden lang keine Strecken übers Internet gebucht werden. Das Problem wurde aber noch rechtzeitig behoben.

Der erste Belastungstest steht am Sonntagabend um 22.00 Uhr an, wenn das Fahrverbot aufgehoben wird. Vor allem an den Grenzen zu Frankreich, Polen und Österreich werden lange Staus befürchtet. Bislang ist nur eine Minderheit der ausländischen Lastwagen, die regelmäßig in Deutschland unterwegs sind, mit automatischen Erfassungsgeräten ausgestattet. Um ein Chaos zu verhindern, hat Toll Collect mehr als 5000 zusätzliche Helfer eingestellt. Auch Polizei und Bundesgrenzschutz sind im Einsatz. Insgesamt wurden nach Angaben des Betreiberkonsortiums bislang rund 315 000 so genannte On-Board Units (OBUs) eingebaut. Alle anderen Lkw müssen übers Internet oder an einem der bundesweit 3700 Kassenautomaten eingebucht werden. Ursprüngliches Ziel war, mit mindestens 500 000 OBUs starten zu können.

Die Bundesregierung erhofft sich durch die Straßennutzungsgebühr im ersten Jahr Einnahmen von rund drei Milliarden Euro. Das Verkehrsministerium sprach vom "weltweit modernsten und innovativsten Mautsystem". Allerdings war der Einführung eine Reihe von Pannen vorausgegangen, die den Start um 16 Monate verzögerte. Der Bund verlangt vom Betreiberkonsortium deshalb mehr als 4,5 Milliarden Euro Vertragsstrafe und Schadenersatz. Entscheiden soll nun ein Schiedsgericht.

Wegen der schwierigen Vorgeschichte ist zunächst nur eine einfache Version des Systems in Betrieb. Die zweite Stufe soll Anfang 2006 folgen. Dann soll es auch möglich sein, neue Autobahnabschnitte automatisch einzubuchen und damit mautpflichtig zu machen. Die beiden Konzerne DaimlerChrysler und Deutsche Telekom, die mit jeweils 45 Prozent an Toll Collect beteiligt sind, wollen das System nach einem erfolgreichen Start in Deutschland ins Ausland verkaufen. Interesse gibt es beispielsweise aus Großbritannien, Tschechien und den Niederlanden.

Der neue Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, bezeichnete das Mautsystem bereits als möglichen "neuen Exportschlager". Das System sei weltweit einmalig und allen Konkurrenzprodukten technisch überlegen.

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