Deutschland steht vor dem größten Bahn-Streik seit 15 Jahren. Auch im Falle des Ausstands will die Bahn ihre Fahrpläne zumindest teilweise erfüllen.
Der Arbeitskampf von Lokführern könnte bereits am Mittwoch beginnen. Die Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sprachen sich mit überwältigender Mehrheit für einen Arbeitskampf aus, um ihre Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag und deutlich mehr Geld durchzusetzen.
Bild vergrößern
Die Lokführer steuern auf Streiks zu. (© Foto: AP)
Anzeige
Im Personenverkehr will die GDL die Fahrgäste 24 Stunden vorher über ihre Pläne informieren.
Die Bahn will trotz des erwarteten Streiks von etwa 8000 Mitarbeitern einen "eingeschränkten Verkehr" sichern. So sollen alle ICE-Linien bundesweit fahren sowie einzelne IC-Linien und mindestens die Hälfte des Nahverkehrsangebots.
Die GDL stimmte mit 95,8 Prozent für einen Streik. Dies hatte die Gewerkschaft zuvor am Montag in Frankfurt mitgeteilt. Die Hürde von 75 Prozent wurde damit klar übertroffen.
Die Streiks sollen zunächst im Güterverkehr beginnen, falls die Deutsche Bahn bis Dienstagabend kein besseres Angebot vorlegt. Denkbar seien Arbeitsniederlegungen im Güterverkehr von zwei bis drei Stunden, sagte GDL-Chef Manfred Schell nach Bekanntgabe des Ergebnisses der Urabstimmung am Montag in Frankfurt.
Danach könnten die Streiks auf den Personenverkehr übergehen. Wann die Streiks konkret beginnen sollten, werde noch entschieden. Die Bahnkunden würden aber wie bisher 24 Stunden vorher gewarnt.
Millionen Fahrgäste dürften festsitzen, falls die Lokführer ihre Drohung wahrmachen und den Zugverkehr bundesweit weitgehend zum Erliegen bringen. Schell betonte, die Streikkassen der Gewerkschaft seien gut gefüllt.
Die Lokführer hatten zuvor angekündigt, bei einem Streik gezielt bestimmte Strecken und Knotenpunkte lahmzulegen. "Es ist nicht unsere Zielstellung, hier die Bundesrepublik flächendeckend mit Streik zu überziehen", sagte der stellvertretende Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, am Montag im WDR Rundfunk.
Die Lokführer wollten aber "mit einer Art Nadelstichpolitik, die sich aber immer mehr verstärkt", dafür sorgen, "dass dieser Bahnvorstand sich bewegt".
Dass die Bahn die Auswirkungen eines Streiks mit dem Einsatz vom Beamten und Pensionären abfedern kann, halten Gewerkschafter für unrealistisch. Nach Bahnangaben sind 40 Prozent der Lokführer Beamte.
Die GDL hofft immer noch auf ein Angebot der Bahn. Sobald ein "ordentliches Angebot" komme, werde man den Streik aussetzen und verhandeln, sagte Weselsky.
Fahrgastverband der Bahn äußert Verständnis für Lokführer
Verständnis für die Forderungen der Lokführergewerkschaft zeigte der Fahrgastverband Pro Bahn. Dietmar Dalbogk, Berlin-Brandenburger Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes, sagte dem TV-Sender N24. "Für das Geld würde in der Industrie der Arbeiter nicht aufstehen."
Von Mittwoch an und damit mitten in der Urlaubssaison droht der größte Streik im deutschen Bahnverkehr seit mehr als 15 Jahren.
Zuletzt hatten sich die Fronten in dem Tarifkonflikt weiter verhärtet. Bahn und GDL zeigten nach der Ablehnung eines neuerlichen Tarifangebots durch die Gewerkschaft am Wochenende keine Bereitschaft zum Einlenken in letzter Minute.
Bahnchef Hartmut Mehdorn bezeichnete die Forderungen der GDL als "irrwitzig" und kündigte eine harte Linie für den Arbeitskampf an. Die Bahn will durch Notfallpläne und den Einsatz beamteter Mitarbeiter die Auswirkungen der Streiks begrenzen.
Kritik an der Haltung der GDL kam von Verbraucherschützern. Der Präsident des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), Gerd Billen, sagte der Bild-Zeitung, es sei ein Unding, dass Millionen Bahnkunden in der Ferienzeit leiden müssten. Er forderte beide Seiten auf, ernsthaft über einen Tarifvertrag zu verhandeln.
Die Lokführer fordern neben einem eigenen Tarifvertrag ein Einkommensplus von mindestens 31 Prozent. Industrieverbände, Wirtschaftsexperten und der Städtebund hatten die Gewerkschaft zum Einlenken aufgefordert und vor negativen Auswirkungen auf Unternehmen und Konjunktur gewarnt.
(sueddeutsche.de/dpa/AFP/Reuters)
Großprojekte in Berlin
Sie deuten etwas in meine Aussagen hinein, was nicht enthalten ist.
Ich vermisse nicht nur die Solidarität der "Lockführer" mit den anderen Beschäftigten der DB, die ihnen, und das sollte auch Ihnen klar sein, das Lok führen erst ermöglichen.
Es geht nicht darum, "Ungerechtigkeit für alle" zu fordern, sondern darum, gemeinsam, die Starken mit den Schwachen, bestehende Ungerechtigkeiten zu beseitigen.
Und genau das läßt die GdL äußerst schmerzlich vermissen.
Das ist in meinen Augen der springende Punkt, warum ich denke, dass es nicht um das Beseitigen von "Ungerechtigkeiten" sondern um die Durchsetzung von egoistischen Interessen, ohne Rücksicht auf "Leidens-" und potentielle "Kampfgenossen.
Es ist kein gerechter "Klassenkampf". Es ist wie bei den Piloten, ärzten, Redakteuren und Managern á la Kleinfeldt die Mentalität:
"ICH, ICH GIB MIR, MIR, DIE ANDERN SIND WURSCHT!"
Verärgerte Grüße
Danke ;-) War irgendwie so drin ;-)
Einen halben Sinnspruch auf Latein zu nutzen, um Ihrem Wutausbruch einen zivileren Anstrich zu geben, das ist irgendwie albern. Vor allem vermisse ich die angesprochene "veritas".
Die "vollautomatisch-computergesteuerten" Züge, die Sie ansprechen, sind oft auch ein Grund für die "chronisch-zu-spät- kommenden" Züge. Ebenso wie die mangelnde Pflege des Netzes und Fahrpläne, die sich nur bei schönem Wetter fahren lassen.
Die Lokführer können dafür nun wirklich nichts. Und Spaß macht es keinen, einem unzuverlässigen Computersystem wie einem Netz voller Langsamfahrstellen ausgeliefert zu sein.
Und wenn nun wirklich, wie Sie behaupten, die Gewerkschaften in Frage gestellt werden, dann trifft es mit dem Geschäftsführungskuschelforum Transnet sicher nicht die falsche Gewerkschaft.
"Alle zu unrecht wütenden Lokführer"... Ihre Wut halten Sie doch auch für berechtigt. Und das mit den von Ihnen angeführten "Argumenten". Warum sprechen Sie den Menschen, die Tag für Tag mit einem verfallenden Netz konfrontiert sind, die Wutberechtigung ab? Da hat sich wohl viel angestaut und anstauen müssen in den letzten Jahren.
Wenn ich, um ein Beispiel zu nennen, mitbekommen muss, dass Züge REGELMäSSIG so verspätet sind, dass die Lokführer selbst ihre Pinkelpause nicht wahrnehmen können und der Arbeitgeber wie auch die große Transnet nicht imstande und willig sind, solchen Bedingungen abzuhelfen, dann brauchen die Arbeitnehmer eben eine lautere Stimme. Und die wird gerade erkämpft.
Das Fahrpersonal hat mit anderen Alltagsproblemen zu kämpfen, als die Mitarbeiter, die stationär arbeiten. Die großen Gewerkschaften mit ihrer Gleichmacherei im negativsten Sinn kehren so etwas einfach unter den dicken Flächentarifteppich.
P.S. @MaHype: Es heißt wirklich Lokführer, ohne das c. Wirklich.
Man merkt schon sehr, dass Sie absolut keine Vorstellungskraft darüber haben, was es heisst, eine Familie mit einem Maximalgehalt von 2145 Brutto zu ernähren.
Man kann sich immer schlechtere Beispiele heranholen, wie wenig doch andere Berufsstände verdienen. Allerdings bin ich auch nicht dafür, dass ein ausgelernter Friseur weniger verdient als ein ungelernter Lagerarbeiter, aber man muss nicht für alle Ungerechtigkeit fordern, nur weil es ein paar andere so machen.
Ihre herablassende Art zeugt schon sehr davon, wie sehr Sie davon entfernt sind, so einen Lohn jemals in Ihrem Leben zu erhalten. Ihnen geht es doch bestimmt besser! Lockführer mit Lateinkenntnissen sind mir bis jetzt nämlich noch nicht untergekommen. Das trifft wohl eher auf Bahnreisende zu.
Sehr interessant ist ja, dass dieser Streik parallel zu den intensiven Privatisierungsbemühungen anläuft. Sicher gibt es schon zahlreiche investitionsfreudige Kaufinteressenten aus dem In- und Ausland. Vielleicht haben die ja Interesse an einem schlechten Image und schlechten Bilanzen der Bahn und einem somit deutlich niedrigerem Kaufpreis...? Ist nur so eine überlegung. Der Kuchen ist fett. Soll er billig angeschnitten werden?
Paging