Nach Prokon-Insolvenz Mancher Insider vermutet, dass absichtlich "geschönt" wurde

Natürlich sind da die Kinderkrankheiten einer neuen Branche, etwa kostspielige Reparaturen oder unvorhersehbare Ausfälle, die zu Buche schlagen. Aber Verbraucherschützer beklagen auch, dass viele Projekte undurchsichtig gemanagt werden. Über Jahre sei das Windangebot der Parks in Deutschland überschätzt worden, sagt Werner Daldorf, der Vorsitzende des BWE-Anlegerbeirats, der rund 15 000 Anleger vertritt. Anlegerschützer berichten von Windprojekten, die von Anfang an nur den Initiatoren und ihren Lieferanten satte Gewinne beschert hätten.

Mancher Insider mag angesichts der vielfach ausbleibenden Rückzahlung von Anlegergeldern nicht mehr an Zufälle glauben. "Wir haben den Eindruck, dass es sich hier nicht um versehentliche Fehler in den Prospekten handelt, sondern dass hier systematisch und gezielt die Gegebenheiten der Gesellschaft ,geschönt' wurden", sagt Andreas Salomon-Prym vom Beirat eines UMaAG-Windparks.

Der Verdacht lässt aufhorchen, denn die Firma UMaAG gehört nicht zu den kleinen Krautern, sondern den großen Spielern dieses Marktes. Das Unternehmen hat 850 Millionen Euro Kapital von fast 8300 Anlegern eingesammelt und damit 50 Windparks initiiert. Aus Unterlagen, die der SZ vorliegen, geht hervor, dass nicht nur der Windpark Tewel für Anleger schlecht läuft. Bei mindestens vier weiteren UMaAG-Windparks klagen Anleger über Kapitalverluste.

Schuld sei auch ganz einfach die Natur

Nach langem Kampf bis hin zum Bundesgerichtshof bekamen die Anleger im Fall Tewel/Ilhorn/Söhlingen weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit Recht: UMaAG-Co-Chef Leonhardt wurde als Gründungskommanditist des Parks in einem Verfahren zu 250 000 Euro Schadenersatz plus Zinsen verurteilt. Im Prospekt sollen falsche Angaben gemacht worden sein, wodurch die Gewinnmöglichkeiten zu rosig dargestellt wurden. Der Streit um einen weiteren Windpark endete mit einem Vergleich. Zwei weitere Fälle werden vor dem Landgericht in Stade verhandelt.

Das Unternehmen will sich zu den Fällen nicht näher äußern, räumt aber ein: Beteiligungen an Windparkfonds "bergen unter anderem in Abhängigkeit vom Windangebot das Risiko eines nur geringen, wirtschaftlichen Erfolges". Darüber habe man die Anleger umfassend informiert. Schuld sei aber auch ganz einfach die Natur. Es habe in den letzten zehn Jahren eben "deutlich unterdurchschnittliche Windjahre mit zum Teil über 20 Prozent geminderten Erträgen gegeben". Das bleibe "leider nicht ohne Auswirkungen auf die Ausschüttung".

Windkraft gewinnt dennoch an Bedeutung

Verbraucherschützer wollen sich damit nicht zufrieden geben. Sie nehmen derzeit vor allem jene Projekte, die als so genannte geschlossene Fonds organisiert sind, unter die Lupe. Die häufig komplizierten Fondskonstruktionen erschweren, dass sich Investoren gegen die Betreiber zur Wehr setzen. Die Leitung des Fonds bleibt meist dem Initiator überlassen, der den Fonds aufgelegt hat - und der dann auch den Geschäftsführer stellt, wenn es schlecht läuft. Eine Entwicklung, der die Anleger nahezu machtlos zusehen müssen.

Für die Energiewende kommen die Probleme vieler deutscher Windparks und die Verluste der Anleger zur Unzeit: Zum einen steckt der Umbau des Energiesystems in der entscheidenden Phase und ist auf das Vertrauen der Investoren angewiesen. Zum anderen gewinnt die Windkraft nach den jüngsten Reformen der Bundesregierung noch mehr an Bedeutung. In der Ökostrom-Branche wächst die Sorge, dass angesichts des Debakels immer weniger Anleger bereit sein könnten, in Erneuerbare Energien zu investieren.

Anlegerbeirat Herz vom Bundesverband Windenergie sieht viele Projekte inzwischen kritisch: "Vielerorts ging es den Betreibern vor allem darum, die eigenen Profite zu maximieren."