Nach Pannenserie US-Luftfahrtbehörde überprüft Boeings Dreamliner

Der amerikanische Flugzeughersteller verteidigt sein Prestigeobjekt - doch zwei neue Zwischenfälle bei Boeings Dreamliner in Japan bringen das Unternehmen zusätzlich in Erklärungsnot. Auch die US-Luftfahrtbehörde hat sich eingeschaltet und kündigt eine umfassende Überprüfung des Flugzeugmodells an.

Die Pannenserie bei Boeings Dreamliner reißt nicht ab. Bei einer Maschine der japanischen Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) trat am Freitag während eines Fluges über Japan im Cockpit-Fenster ein spinnenförmiger Riss auf, wie die Gesellschaft bestätigte. Die Maschine aus Tokio landete sicher auf ihrem Zielflughafen im Westen des Landes, der Rückflug wurde annulliert. Bei einem anderen Flugzeug der Airline wurde nach der Landung im südlichen Miyazaki zudem ein Ölleck entdeckt.

Bereits in den vergangenen Tagen hatten mehrere Zwischenfälle beim Langstreckenjet 787 das Unternehmen in Erklärungsnot gebracht: Von Montag bis Mittwoch wurden täglich Probleme beim Dreamliner bekannt, die von Schwierigkeiten mit den Bremsen bis hin zu einem Brand an Bord eines leeren Flugzeugs reichten. Am Donnerstag verteidigte der Boeing-Chefingenieur öffentlich das Prestigeobjekt des Konzerns gegen Kritik und betonte, das Flugzeug sei absolut sicher.

Die Pannenserie beschäftigt nun offenbar auch die US-Luftfahrtbehörde: Der Schwerpunkt der Untersuchung werde auf der Elektronik liegen, kündigte der neue Chef der Federal Aviation Administration (FAA), Michael Huerta, am Freitag an. "Das Flugzeug ist nach unserer Einschätzung sicher", beschwichtigte er aber im Beisein von US-Verkehrsminister Ray LaHood in Washington. Boeing erklärte, man begrüße, dass es zu der Überprüfung komme. Der Airbus-Rivale fügte hinzu, er sei vom Design wie auch Herstellung seines Prestigeobjektes weiter überzeugt.

Boeing hat bislang etwa 50 der Flugzeuge mit einem Listenpreis von 225 Millionen Dollar ausgeliefert. Die Probleme mit dem Dreamliner sind nicht neu: Schon Ende 2010, noch in der Testphase, kam es zu einem Feuer bei einem Testflug - der Zwischenfall kostete Boeing weitere sechs Monate. Die Erstauslieferung des Modells erfolgte mit mehr als drei Jahren Verspätung.