Nach Ölkatastrophe im Golf von Mexiko USA verbannen BP

Am 21. April 2010 brannte die Bohrinsel.

(Foto: AFP)

Keine Staatsaufträge mehr: Die US-Regierung wird in der nächsten Zeit keine Verträge mit BP mehr abschließen. Das trifft den Konzern, denn das Pentagon ist ein Großkunde - und BP versucht gerade, Geld für die Folgen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko aufzutreiben.

Die US-Regierung will wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010 vorläufig keine neuen Verträge mit dem britischen Konzern BP abschließen. Das sei eine Konsequenz aus dem Mangel an Integrität, den das Unternehmen im Zuge der Explosion der Plattform "Deepwater Horizon" und der folgenden Ölpest gezeigt habe, hieß es in einer veröffentlichten Mitteilung der US-Umweltbehörde EPA.

Neuaufträge würden erst dann wieder erteilt, wenn der Konzern hinreichend beweise, dass seine Praktiken den Geschäftsstandards der US-Regierung entsprächen. Laufende Verträge seien nicht betroffen.

BP gehört zu den wichtigsten Lieferanten des US-Verteidigungsministeriums. Es liefere dem Pentagon Treibstoff im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar pro Jahr, schreibt die New York Times. Dazu kommen demnach weitere Geschäfte in Höhe von rund 470 Millionen Dollar.

Der Konzern benötigt insgesamt wohl deutlich mehr als 40 Milliarden Dollar, um die Folgen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zu begleichen. BP hat nach eigenen Angaben bisher insgesamt 36 Milliarden Dollar durch Verkäufe von Vermögenswerten eingenommen. BP-Finanzvorstand Brian Gilvary sagte jüngst, dass nach weiteren Möglichkeiten gesucht werde, um die restlichen Finanzmittel aufzutreiben.

An diesem Mittwoch beschafft sich BP weiteres Geld durch den Rückzug aus der Nordsee. Für 1,1 Milliarden US-Dollar gingen Öl- und Gasfelder an Abu Dhabi, teilte Europas zweitgrößter Ölkonzern in London mit. Das staatlich kontrollierte Unternehmen Taqa übernehme Anteile an drei Feldern in der zentralen Nordsee. Taqa ist zu drei Vierteln im Besitz des arabischen Emirates und produziert Öl und Gas im Mittleren Osten, der Nordsee, Indien und Nordamerika.

Bei der Explosion der "Deepwater Horizon" im April 2010 waren elf Menschen ums Leben gekommen. 4,9 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl liefen 87 Tage lang ungebremst ins Meer. Ganze US-Küstenabschnitte wurden verschmutzt.

Am 15. November hatte sich BP zur Zahlung einer Strafe von 4,5 Milliarden Dollar (knapp 3,5 Mrd Euro) an die US-Regierung bereiterklärt. Darüber hinaus müssen sich die beiden damals hochrangigsten BP-Aufseher auf der "Deepwater Horizon" im kommenden Jahr vor Gericht wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

Außerdem soll einem weiteren damals ranghohem BP-Manager der Prozess gemacht werden. Ihm wird angelastet, Informationen über den Unfall vor dem US-Kongress verheimlicht und Ermittler angelogen zu haben. Alle drei ehemaligen BP-Mitarbeiter sollten am Mittwoch zur Anklageverlesung vor einem Gericht in New Orleans (Louisiana) erscheinen.