Nach Kritik am Kartendienst Apple baut Chefetage um

Radikaler Umbau: Nach dem verpatzten Start des Apple-Kartendienstes feuert Konzernchef Tim Cook zwei seiner engsten Mitarbeiter. Dafür soll Chefdesigner Jony Ive künftig mehr zu sagen haben - er hatte auch schon unter Steve Jobs eine Sonderrolle.

Am Ende soll es eine verweigerte Unterschrift gewesen sein, die Apple-Chef Tim Cook zum radikalsten Umbau des Konzernvorstandes seit Jahren bewegte. Scott Forstall, Chef der iOS-Softwareplattform für iPhone und iPad, habe nach dem verpatzten Start des eigenen Kartendienstes einen Entschuldigungsbrief an die Kunden nicht unterschreiben wollen, berichtet das Wall Street Journal.

Nun muss Forstall, der als enger Vertrauter des im vergangenen Jahr verstorbenen Apple-Chefs Steve Jobs gilt, den Konzern verlassen. Die eigenen Karten für iPhone und iPad, auf die Apple vor wenigen Wochen mit dem Marktstart des iPhone 5 umstieg, hatten heftige Kritik der Nutzer ausgelöst, weil sie sich als fehlerhaft und ungenau erwiesen. Tim Cook entschuldigte sich öffentlich dafür.

Auch der erst vor wenigen Monaten eingekaufte Chef der Apple-Stores, John Browett, muss gehen, teilte das Unternehmen mit. Apples Design-Guru Jony Ive soll dagegen mehr Verantwortung übernehmen.

Ive soll zusätzlich zur Design-Verantwortung konzernweit für das Human Interface zuständig sein, also für die Gestaltung der Software und damit für das Zusammenspiel von Nutzer und Gerät. Seine Rolle wird damit dem Aufgabengebiet von Jobs ähnlicher, während Konzernchef Tim Cook sich weiter ums Geschäftliche kümmert.

Der Brite Ive war seit der Rückkehr von Jobs vor 15 Jahren für das Design der Apple-Geräte zuständig. Er hatte auch bisher schon eine Sonderrolle bei Apple: "Niemand kann ihm reinreden. Das habe ich so eingerichtet", sagte Jobs seinem Biografen Walter Isaacson. Zugleich soll es in den vergangenen Jahren immer wieder Spannungen zwischen Ive und Forstall gegeben haben.

Die Aufgaben von Forstall werden im Vorstand aufgeteilt

Auch mit anderen Managern sei Forstall, dem Ambitionen auf die Apple-Spitze nachgesagt wurden, immer wieder aneinandergeraten sein. Seine Aufgaben werden unter den anderen Mitgliedern der Führungsriege aufgeteilt.

Der bisher für das Mac-Betriebssystem OS-X zuständige Craig Federighi wird künftig auch die Entwicklung der Mobilsoftware iOS verantworten. Der Chef der Online-Plattform iTunes, Eddy Cue, wird Chef der Abteilungen für die Kartendienste und des persönlichen Assistenten Siri.

Neben Forstall muss auch der umstrittene Chef der Apple-Läden, John Browett, gehen. Der britische Manager hatte schon kurz nach seinem Start bei Apple im Januar die Mitarbeiter mit der Ankündigung von Stellenstreichungen gegen sich aufgebracht. Nach einem Nachfolger für ihn werde bereits gesucht, hieß es von Apple. Bis dahin werde Cook selbst die Führung übernehmen.

Mit den Personalwechseln solle die Zusammenarbeit zwischen den Sparten Hardware, Software und Verkauf verbessert werden, erklärte Apple. Der bisher erfolgsverwöhnte Konzern hatte erst kürzlich trotz Umsatz- und Gewinnsteigerung das zweite Quartal in Folge mit seinen Zahlen die Anleger enttäuscht und blieb auch mit seiner Prognose für das wichtige Weihnachtsgeschäft unter den Erwartungen.