Nach Festnahme in Warschau Hoeneß-Berater flüchtet in die Schweiz

Er war ein enger Berater von Uli Hoeneß. Wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung war der frühere Devisenchef der Privatbank Vontobel kürzlich in Warschau festgenommen worden. Jetzt hat sich der Banker Jürg Hügli in die Schweiz abgesetzt.

Von Charlotte Theile, Zürich

Jürg Hügli, 61, war früher einmal Devisenchef der Zürcher Privatbank Vontobel, ein sogenannter Händler, den Vertraute als topseriös, zuverlässig und immer gut gekleidet beschrieben. Doch Hügli war noch etwas anderes: Berater von Uli Hoeneß, von den deutschen Ermittlern wegen Beihilfe in ganz Europa mit Steckbriefen gesucht.

Ende Oktober war Hügli in Warschau verhaftet worden. Nach seiner Festnahme wurde er auf Kaution von 300.000 Franken (etwa 250.000 Euro) entlassen, musste sich aber regelmäßig auf seinem Posten melden. Doch die deutschen Behörden hatten den Privatbanker offenbar unterschätzt. Wie das Schweizer Bankenportal Inside Paradeplatz berichtet, nahm Hügli am Montagabend seelenruhig in seinem Haus an der Zürcher Goldküste das Telefon ab. Was war passiert? Der Vontobel-Banker hatte wohl im Alleingang beschlossen, Warschau auf dem Landweg zu verlassen und so den deutschen Fahndern ein Schnippchen zu schlagen.

Die Schweiz liefert eigene Staatsbürger nie aus

In Zürich ist er sicher: Die Schweiz liefert eigene Staatsbürger nie aus. Ist Hüglis Flucht eine Reaktion auf die rüden Methoden der deutschen Fahnder, wie es etwa die Neue Zürcher Zeitung am Sonntag vermutet? Das Blatt berichtete bereits am Freitag von Gerüchten, wonach sich Hügli nicht mehr in Warschau gemeldet habe. Für die Sonntags-NZZ ein verständliches Verhalten: Hügli, der vor einem Jahr einen Herzinfarkt erlitten hatte, sei in Deutschland vorverurteilt worden. Man habe an dem Mann ein Exempel statuieren wollen, "Wildwest-Vorgehen gegen einen bisher unbescholtenen Händler" angewendet.

Dabei berief man sich auch auf den Präsidenten der Schweizerischen Bankiervereinigung, Patrick Odier, der von den Schweizer Behörden mehr Rückhalt forderte und fand: "Irgendwann reicht es." Auch das Portal Inside Paradeplatz klagt: Jürg Hügli habe von offizieller Seite keinerlei Unterstützung bekommen, der Schweizer Vize-Konsul in Warschau sei sogar davon abgehalten worden, sich für Hügli zu engagieren. Nun aber, wo Hügli wieder sicher in seinem Haus am Ufer des Zürichsee ist, jubelt Inside Paradeplatz: Der flüchtige Banker zeige den Politikern in Bern, "wie man sich wehrt."