Nach dem bisher stärksten Grubenbeben im Saarland hat die Deutsche Steinkohle AG 3600 Kumpel freigestellt. Sie will in den nächsten Tagen entscheiden, ob sie Kurzarbeit anmeldet - das käme die Bergleute teuer zu stehen.

Nach einem der bislang schwersten Erdbeben in einem deutschen Kohlerevier ist der Steinkohleabbau im Saarland ausgesetzt worden. Fast 3600 Mitarbeiter wurden freigestellt, teilte eine Sprecherin der RAG Deutsche Steinkohle AG am Sonntag mit. Nur noch eine Notbesetzung arbeite unter Tage.

Bild vergrößern

Nach dem Erdbeben im Saarland müssen tausende Kumpel mit Kurzarbeit rechnen (© Foto: dpa (Archiv))

Anzeige

Das Beben der Stärke 4,0 hatte am Samstag an zahlreichen Gebäuden Sachschäden verursacht. In den nächsten Tagen müsse entschieden werden, ob Kurzarbeit angemeldet werde. Dann hätten die Bergleute mit massiven Einkommenseinbußen zu rechnen. Andernfalls könne die Freistellung auch mit Urlaub oder Überstunden verrechnet werden.

Wann und unter welchen Umständen die Arbeit wieder aufgenommen werden könne, sei noch völlig offen. Gutachter sollen zunächst klären, wie es zu der starken Erschütterung kommen konnte.

Die saarländische Landesregierung verfügte einen unbefristeten Abbaustopp für das letzte verbliebene saarländische Bergwerk in Ensdorf. Ministerpräsident Peter Müller (CDU) sagte am Samstagabend bei einem Besuch in der Region, es müsse alles getan werden, um eine weitere "Gefahr für Leben und Gesundheit der Bevölkerung abzuwenden".

Das im Vergleich zu Erbeben in anderen Ländern leichte Beben löste auch mehrere Notarzteinsätze aus. So stürzte ein Junge von einer Leiter, zwei Menschen mussten nach Angaben der Polizei wegen psychischer Probleme behandelt werden.

Angst um die Sicherheit der Häuser

Die Höhe der Sachschäden war zunächst nicht abzusehen, bis zum Sonntagmittag seien aber mehr als 250 Schadensmeldungen eingegangen, sagte die Sprecherin. Die für die Beurteilung der Folgen wichtige Schwinggeschwindigkeit erreichte mit bis zu 93,5 Millimetern pro Sekunde einen im Saarland nie zuvor gemessenen Spitzenwert. Das Beben war das 35. in der Region alleine in diesem Jahr.

Das bislang stärkste Beben war am 3. Januar gemessen worden und hatte eine Stärke von 3,4. Die Schwinggeschwindigkeit erreichte damals 42,3 Millimeter pro Sekunde.

Nach Angaben des Landesverbandes der Bergbaugegner verbrachten 30 Menschen die Nacht zum Sonntag in Hotels, weil sie um die Sicherheit ihrer Häuser fürchteten.

Erst Anfang der vergangenen Woche hatte der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) seine Forderung nach einem raschen Ausstieg aus dem Steinkohlebergbau an der Saar bekräftigt. Angesichts der häufigen Beben sei die Deutsche Steinkohle AG gefordert, ein schnelles Ende herbeizuführen. "Die Ereignisse sind aufgrund ihrer Zahl und Intensität den Betroffenen auf Dauer nicht zuzumuten", hieß es in der Mitteilung vom Montag.

Die Deutsche Steinkohle AG lehnt einen schnellen Ausstieg ab. Ein sozialverträgliches Ende sei vor 2014 nicht umsetzbar.

Leser empfehlen 

(dpa/schä)