Von Thorsten Riedl

Der Softwarehersteller Microsoft ist weiter auf Brautschau. Nach der geplatzten Übernahme von Yahoo sucht der Konzern nach Alternativen - und klopft nun bei Facebook an.

Beim Internetportal Yahoo ist Microsoft nicht zum Zug gekommen. Für 47,5 Milliarden Dollar schlug das Unternehmen ein Übernahmeangebot des Softwareherstellers aus. Jetzt wurde bekannt, dass die Banker von Microsoft auch beim Jugendtreff Facebook.com vorgefühlt haben. Auch dort hielt sich die Begeisterung in Grenzen: Der 23-jährige Firmengründer zieht die Unabhängigkeit vor - und entwickelt sich zu einem der beliebtesten Arbeitgeber im Silicon Valley. Ein Teil des Topmanagements bei Facebook kommt bereits vom Suchmaschinenbetreiber Google.

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Microsoft ist auf Brautschau: Die nächste Auserwählte heißt Facebook. (© Foto: AP)

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Im März zählten die Webseiten von Google der Statistik von Comscore zufolge weltweit mehr als 626 Millionen Besucher. Microsoft kommt mit 563 Millionen Surfern auf Platz zwei, Yahoo folgt mit 505 Millionen. Obwohl Facebook mit 109 Millionen Nutzern nur einen Bruchteil erreicht, stecken große Hoffnungen in dem vier Jahre alten Internetangebot. Vornehmlich Jugendliche gestalten dort ihre Webpräsenz, zeigen ihre Vorlieben und kommunizieren mit Freunden. Für viele ist es die erste Anlaufstelle.

Gespräche mit Facebook

Microsoft will das eigene Geschäft im Netz stärken. Im Herbst hatte sich der Softwarehersteller, dessen Ergebnis durch Quasi-Monopolstellungen beim Betriebssystem Windows und der Bürosoftware Office getragen wird, für 240 Millionen Dollar einen 1,6-prozentigen Anteil an Facebook gesichert. "Wir sehen den Onlinebereich als strategisches Geschäft auf lange Sicht", sagte Craig Mundie, verantwortlich für die Strategie von Microsoft. "Wir werden weiter stark investieren." Sollte Yahoo auf Microsoft zukommen und dem Übernahmepreis doch noch zustimmen, könne man darüber reden. "Wir nehmen nicht an, dass das passiert."

Durch die Beteiligung haben die Finanzberater von Microsoft das Portal Facebook auf einen Firmenwert von 15 Milliarden Dollar taxiert. Das Wall Street Journal berichtet nun, die Banker seien im Auftrag von Microsoft erneut an Facebook herangetreten und hätten einen Kauf ausgelotet. Sie hätten die Gespräche begonnen, als abzusehen war, das die Übernahme von Yahoo platzen würde. Verhandlungen würden nun keine mehr geführt, heißt es weiter. Es sei unklar, ob Facebook zum Verkauf stehe.

Neues Enfant terrible

Facebook-Gründer Zuckerberg, jüngster Selfmade-Milliardär aller Zeiten, widersteht allen Avancen. Durch die Attraktivität von Facebook gewinnt er die klügsten Kopfe. So unterschrieb diese Woche Elliot Schrage bei ihm. Schrage verantwortete zuvor drei Jahre lang die Öffentlichkeitsarbeit bei Google. "Er soll helfen, dass die Leute verstehen, wie das Netz helfen kann, die Beziehungen untereinander zu stärken", schrieb Zuckerberg in einer E-Mail an alle Mitarbeiter.

Schrage ist der jüngste Abgang bei Google. Erst im März hatte Sheryl Sandberg bei Facebook angeheuert. Sie war sechs Jahre bei Google und leitet jetzt das Tagesgeschäft bei Facebook. Kurz vor dem zehnjährigen Firmenjubiläum im Herbst fällt es Google zunehmend schwer, das Bild des jungen, agilen Branchenschrecks aufrecht zu erhalten. Das Enfant terrible heißt künftig Facebook.

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(SZ vom 09.05.2008/tob)