Seit Mittwoch hat Wellworths in der Haupteinkaufsmeile von Dorchester geöffnet. Es herrscht reger Betrieb. Die Kunden stehen Schlange vor den fünf Kassen. An der Süßigkeiten-Theke "Pick'n mix" (nimm und mische selbst) quengeln Kinder.
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Mütter füllen schwarze Lakritz-Rollen und "Jelly Beans" in Pappbecher. 100 Gramm der zuckrigen Dickmacher kosten 79 Pence. Das alles gab es schon bei Woolworths. Doch Robertson hat sich entschieden, neben dem bekannten Sortiment auch neue Waren in die Regale zu stellen: So gibt es eine kleine Gartenabteilung ebenso wie Tierfutter. Auch Puzzlespiele hat sie verstärkt ins Sortiment aufgenommen. Doch auch in Dorchester interessieren sich die Kinder mehr für Plastik-Wasserpistolen und Star-Wars-Spielfiguren.
Robertson hofft nun, einen Umsatz von umgerechnet mehr als zwei Millionen Euro pro Jahr zu erreichen. Im Gegensatz zu vielen anderen Filialen sei der Laden mitten in Dorchester immer profitabel gewesen, behauptet sie.
"Das hat die Kunden verwirrt"
Sie sieht es als Vorteil, dass Wellworths nicht mehr von schwerfälligen Entscheidungen einer Konzernzentrale abhängig ist. "Früher habe ich häufig Anrufe bekommen, beispielsweise eine Ware in ein anderes Regal umzustellen. Doch das hat die Kunden verwirrt", sagt Robertson.
Eigentlich wollte Woolworths in diesem Jahr das hundertjährige Firmenbestehen feiern. Für die Briten hat "Woolies" einen hohen Nostalgiewert. Viele verbinden damit die Erinnerung an die Nachkriegszeit, als in diesen Kaufhallen endlich wieder bescheidener Wohlstand präsentiert wurde.
Das Geschäftskonzept des Amerikaners Frank Woolworth, der nach dem Start in den USA seine erste britische Filiale 1909 in Liverpool eröffnet hatte, ging voll auf. Alle Artikel kosteten damals entweder drei oder sechs Pence.
Harter Konkurrenzkampf auf der Insel
Der tiefe Fall des Filialisten, der unabhängig von Woolworth Deutschland ist, begann in den 90er Jahren. Die Konkurrenz von Tesco, Asda und Sainsbury setzte dem Haus ebenso zu wie die Neueröffnungen von Lidl und Aldi auf der Insel.
Woolworths geriet in die Hände von Finanzinvestoren. Zuletzt häuften sich die Schulden des börsennotierten Unternehmens auf umgerechnet mehr als 400 Millionen Euro. Nach der Insolvenz im November hat sich der Internet-Händler Shop Direct Firmenlogo und Namensrechte gesichert.
Doch die wahre Tradition von "Woolies" wird in Dorchester gepflegt. "Vielleicht folgen andere ehemalige Mitarbeiter und machen das Gleiche", hofft Wellworths-Chefin Robertson.
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(SZ vom 14.3.2009/pak)
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