Nach der Frankreich-Wahl Hollandes Sieg drückt Stimmung an den Börsen

Paris, Frankfurt, Tokio: An wichtigen Börsen rutschen die Kurse deutlich ab. Experten treibt die Sorge um, dass der neue französische Präsident Hollande die vor allem von Deutschland propagierte Sparpolitik in Frage stellen könnte. Auch die Wahl der Griechen wirkt sich auf die Märkte negativ aus. Die Börse in Athen stürzt regelrecht ab.

Nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland sind die Aktienkurse an der Deutschen Börse in Frankfurt am Main deutlich im Minus gestartet: Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor in den ersten Handelsminuten rund 2,2 Prozent, erholte sich danach allerdings wieder etwas und stand am späten Vormittag bei knapp 6500 Zählern.

Die Börse in Paris startete mit Verlusten von knapp 1,6 Prozent in den Handel. In Tokio hatte der Nikkei-Index bereits mit einem Minus von 2,8 Prozent gegenüber Freitag geschlossen.

In Griechenland sind die Kurse am Montagmorgen regelrecht abgestürzt. Sie fielen kurz nach Öffnung der Börse in Athen bereits um mehr als sieben Prozent. Bankaktien notierten sogar um fast 20 Prozent im Minus.

Auch der Euro geriet unter Druck und notierte gegenüber der amerikanischen Währung kurzfristig unter der Marke von 1,30 Dollar. Bis zum Mittag stieg der Wert allerdings wieder leicht. Auch der Dow Jones lag kurz nach der Eröffnung der Walll Street im Minus.

Der französische Wahlsieger François Hollande hatte im Wahlkampf deutlich gemacht , dass er eine einseitig auf Sparmaßnahmen ausgelegte Politik ablehnt. Er will den EU-Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin um eine Wachstumskomponente ergänzen.

Der Sieg Hollandes ist von den Märkten zwar weitgehend erwartet worden. Aber die Anleger treibt die Frage um, ob sich der künftige Präsident und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einen gemeinsamen Kurs einigen können. Merkel hatte Hollande kurz nach dessen Wahlsieg zu einem baldigen Besuch nach Berlin eingeladen. "Da wird nichts bei herumkommen", sagte Jeff Sica, Chef der Anlageberatungsfirma Sica Wealth Management. "Das sind zwei polare Gegensätze. Die Chancen, dass sich die beiden auf irgendetwas einigen können, sind gering."

Die Botschaft der Wähler: "Wir sind zu diesen Reformen nicht bereit"

In Griechenland wandten sich große Teile der Wählerschaft von den beiden bislang regierenden Volksparteien ab, die gemeinsam harte Sparprogramme beschlossen hatten. Die als zweitstärkste Kraft aus der Wahl hervorgegangene Syriza-Partei schlug die Bildung einer linksgerichteten Regierung vor, die das mit den internationalen Gläubigern ausgehandelte Sparpaket aufkündigen und die Schulden einseitig löschen solle.

Analysten fürchten, dass ehrgeizige Sparprogramme künftig nicht mehr durchsetzbar sein könnten, weil Konservative und Sozialisten ihre eigene Mehrheit so gut wie sicher verloren haben. "Eine mögliche Regierung zwischen Nea Dimokratia und Pasok wird auf wackeligen Beinen stehen", schrieben die Analysten Thomas Gitzel und Oliver Schlumpf von der VP Bank.

"Es gibt große Sorgen, dass die neue Regierung in Griechenland die Sparmaßnahmen beendet. Das wird dann zu einer ungeordneten Pleite führen, und diese Befürchtung wiederum hat den Rückzug aus risikoreicheren Anlagen hervorgerufen", sagte Ben Le Brun, Analyst bei OptionsXpress. Investoren betrachteten den Ausgang in Griechenland als ersten Schritt in Richtung eines Austritts aus der Euro-Zone, sagte Chef-Investmentstratege Jack Ablin von Harris Private Bank.

"Die Kluft zwischen den Politikern und den Wählern vergrößert sich", sagte Steen Jakobsen, Chef-Ökonom der Saxo Bank. "Das sehen wir in Griechenland und Frankreich. Die Wähler senden eine klare Botschaft: 'Wir sind zu diesen Reformen nicht bereit'. Dies ist besorgniserregend."