SPD-Fraktionschef Struck will "Hungerlöhne" vermeiden und fordert einen flächendeckenden Mindestlohn. Die Union ist weiterhin dagegen. Die Post-Konkurrenten befürchten den Verlust von 10.000 Arbeitsplätzen.

Auch nach der Einigung über einen Mindestlohn für Briefträger streitet die Koalition weiter über Untergrenzen bei den Löhnen.

Erhalten bald einen Mindestlohn: Briefzusteller der PIN-AG. Foto: dpa

Erhalten bald einen Mindestlohn: Briefzusteller der Pin AG. (© Foto: dpa)

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Die SPD wolle verbindliche Mindestlöhne für alle in Deutschland, sagte der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Peter Struck, am Freitag in der ARD. "Wir wollen, dass Hungerlöhne vermieden werden, das heißt, es geht immer weiter."

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla widersprach: "Einen flächendeckenden Mindestlohn, so wie die SPD ihn will, wird es mit uns nicht geben", sagte er ebenfalls in der ARD. Auch in anderen Branchen wurden Forderungen nach einem Mindestlohn erhoben.

Struck kündigte an, es bleibe dabei, dass die SPD bei den kommenden Wahlkämpfen mit einer Unterschriftenaktion für Mindestlöhne werben wolle. Damit solle Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Union zum Umdenken gebracht werden.

Struck: Streit um jede Branche

Struck sagte, jede Branche könne die Aufnahme in das Entsendegesetz beantragen, damit dann gegebenenfalls über einen Mindestlohn entschieden werden könne.

Anwärter für einen Mindestlohn sind seiner Ansicht nach unter anderem die Leiharbeitsbranche und das Überwachungsgewerbe. "Wir werden in den nächsten Monaten über jede einzelne Branche sicherlich streiten", sagte er voraus.

Am Donnerstag hatten sich die Gewerkschaft Verdi und der von der Deutschen Post dominierte Arbeitgeberverband Postdienste (AGV) auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt und damit eine entscheidende Hürde auf dem Weg für einen Mindestlohn in der Branche überwunden.

Post-Konkurrenz: 10.000 Jobs in Gefahr

Der geplante Mindestlohn für Postboten gefährdet nach Darstellung der Post-Konkurrenten mindestens 10.000 Arbeitsplätze. "Es werden ganz sicher Arbeitsplätze vernichtet", sagte der Chef des Arbeitgeberverbands Neue Brief- und Zustelldienste, Florian Gerster, in Berlin.

Er zeigte sich bestürzt über den Kompromiss der Großen Koalition. Insgesamt haben die Konkurrenz-Unternehmen nach Gersters Worten 50.000 bis 60.000 Beschäftigte; eine "fünfstellige Zahl" von Jobs sei gefährdet.

Die nun vereinbarten 9,80 Euro Mindestlohn seien für die Konkurrenten des Monopolisten Post, die derzeit noch Anfangsverluste schrieben, schlicht nicht zu erwirtschaften, sagte Gerster.

In der Berliner Zeitung verlangte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi einen Mindestlohn auch für den Einzelhandel und Leiharbeitsfirmen.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten will Lohnuntergrenzen für die fleischverarbeitende Branche, das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie das Bäckerhandwerk.

Unions-Ministerpräsidenten loben Mindestlohn für Briefzusteller

Die Einigung auf einen Mindestlohn für Briefzusteller ist in den Reihen der CDU/CSU-Ministerpräsidenten auf Zustimmung gestoßen. "Das Thema kann nach meiner Einschätzung im Bundestag beschlossen werden", sagte der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) am Freitag in Berlin.

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