Nach den Paradise Papers Glücksspiel-Milliardär Gauselmann droht Online-Kasinos mit Lizenzverlust

Paul Gauselmann, 83 muss den Verdacht abwehren, über eine Tochtergesellschaft auf der Isle of Man Lizenzen für Online-Kasinos angeboten zu haben.

(Foto: dpa)

Mit den Paradise Papers wurde klar, dass sich viele Internet-Kasinos über die deutschen Glücksspielgesetze hinwegsetzen. Für viele von ihnen wäre ein Streit mit Gauselmann existenzbedrohend.

Von Jan Strozyk, Hamburg, und Jan Willmroth, Frankfurt

Wenn Deutschlands Glücksspiel-Pate Paul Gauselmann Geschäftspartnern etwas mitzuteilen hat, korrespondiert er gern ganz klassisch. Der 83-Jährige verschickt Briefe, gedruckt auf edles Papier, mit dem Briefkopf seiner Firmengruppe. Vor einigen Tagen ließ Gauselmann seine Juristen eine ganze Reihe von Briefen vorbereiten. Und die haben es in sich: Der nach Gauselmann benannte Glücksspiel-Konzern verlangt von allen Online-Kasinos, die zu seinen Kunden gehören, die Merkur-Automatenspiele der Gruppe nicht mehr ohne Lizenz im deutschen Markt anzubieten.

Für manche Kunden dürfte der radikale Schritt problematisch bis existenzbedrohend werden. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte das Vorgehen NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung. Man habe "beschlossen, im Hinblick auf die rechtlich zulässigen Online-Aktivitäten der Unternehmensgruppe bei Ihren Lizenznehmern erneut auf die geltende Rechtslage hinzuweisen sowie auf deren Einhaltung hinzuwirken", heißt es in einer Stellungnahme. Die Gauselmann-Gruppe begründet ihre Entscheidung mit einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von Ende Oktober (Az. BVerwG 8 C 14.16 und 8 C 18.16), das in der Branche für Unruhe sorgt.

Mit den Paradise Papers habe das nichts zu tun, betont die Gruppe

Das Gericht hatte das seit Jahren umstrittene Verbot für Internet-Glücksspiele in Deutschland bestätigt. Die schriftliche Urteilsbegründung liegt bislang allerdings nicht vor; was sie genau beinhaltet ist daher noch unklar. Gleichwohl will Gauselmann zeigen, dass er geltendes Recht respektiert. Mit den Veröffentlichungen der Paradise Papers habe die Entscheidung nichts zu tun, betonte ein Sprecher. NDR, WDR und SZ hatten Anfang November berichtet, wie die Gauselmann-Gruppe über eine Tochterfirma auf der Isle of Man ihre Software für virtuelle Spielautomaten, Blackjack- und Pokertische auch an Anbieter vertreibt, die aus deutscher Sicht illegal sind, aber gezielt deutsche Spieler adressieren.

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Damit soll jetzt Schluss sein: Wer künftig noch Merkur-Spiele im deutschen Markt vertreibt, dem will Gauselmann die Lizenz entziehen. Den betroffenen Anbietern habe man eine sehr kurze Frist bis zu diesem Montag gesetzt, heißt es aus Branchenkreisen. Lizenznehmer von Glücksspielen aus dem Hause Gauselmann seien erneut auf das Online-Verbot in weiten Teilen Deutschlands hingewiesen worden, erklärte der Konzern. Die lizenzierten Spiele dürften "Endkonsumenten in der Bundesrepublik Deutschland" nicht mehr angeboten werden. "Sofern Kunden ... dieser Aufforderung nicht nachkommen, erfolgt hinsichtlich des Lizenzgebietes der Bundesrepublik Deutschland die Kündigung des jeweiligen Lizenzvertrages und - sofern rechtlich und technisch möglich - auch die Abschaltung des Spielangebots", so das Unternehmen.

Gauselmann-Entscheidung gilt als richtungsweisend für die Kasino-Branche

An den Lizenzen verdiene Gauselmann bislang so gut wie nichts, hieß es in einer früheren Stellungnahme. Das geht den Online-Kasinoanbietern, die größtenteils von der Isle of Man, Gibraltar oder Malta aus operieren, anders: Die Merkur-Spiele, wie sie auch auf den weit verbreiteten Spielautomaten aus dem Hause Gauselmann laufen, sind wichtig, um massenweise deutsche Kunden anzulocken. Bei manchen Betreibern herrsche deshalb "blanke Angst", ist in Branchenkreisen zu hören. Einige Kasinofirmen adressieren ihre deutsche Zielgruppe sogar fast ausschließlich mit Merkur-Spielen. Ihnen macht Gauselmann jetzt das Geschäft kaputt.

Welche Spuren Gauselmanns Briefe binnen weniger Tage bereits hinterlassen haben, zeigt das Beispiel Stake 7, eines der rund 500 deutschsprachigen Online-Kasinos: Es bietet von der Isle of Man aus Gauselmanns Spiele in Deutschland an, obwohl die Seite über keine Lizenz verfügt und das Angebot keine Chance auf eine Erlaubnis hätte. Zuletzt hat das Kasino seinen Auftritt deutlich verändert. So wirbt Stake 7 nicht mehr mit "Made in Germany". Die Werbung für die etwa 135 Merkur-Spiele war am Montag indes noch zu sehen - viel mehr ist auch nicht im Angebot.

Die Gauselmann-Entscheidung wird, so ist ebenfalls aus Branchenkreisen zu hören, als richtungsweisend für den Umgang mit Online-Kasinos in Deutschland wahrgenommen. Selbst große Anbieter wie Bwin, Tipico oder Bet-at-Home, die in Deutschland neben Sportwetten ebenfalls Internet-Kasinos betreiben, fürchten dem Vernehmen nach nun juristische Folgen. Bwin, das kurz vor dem Zusammenschluss mit dem zweitgrößten britischen Buchmacher Ladbrokes steht, war erst Anfang des Jahres Kunde der Gauselmann-Gruppe geworden und hatte seither Merkur-Spiele auf seiner Webseite angeboten. Wie zu hören ist, versetzen Gauselmanns Briefe sogar der geplanten Fusion einen Dämpfer.

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