Die Börse deckelt und Porsche wirft VW-Anteile auf den Markt: Beide Aktionen lassen die Papiere von Europas größtem Autokonzern brutal abstürzen.
Nach dem wilden Höhenflug zu Wochenbeginn hat die VW-Aktie am Mittwoch überaus deutlich nachgegeben, nachdem Porsche am Morgen den Verkauf von Anteilen angekündigt hatte. Bis zum Mittag verlor das VW-Papier 43 Prozent auf 516 Euro.
VW - nach dem Höhenrausch folgt der Absturz. (© Foto: AP)
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Porsche hatte am Morgen angekündigt, Kurssicherungsgeschäfte in Höhe von bis zu fünf Prozent der VW-Stammaktien aufzulösen. Es war zunächst unklar, ob Porsche am Mittwoch bereits Aktien verkaufte. Der Dax sank als Folge des Kurseinbruchs der VW-Aktie zum Mittag um 1,9 Prozent auf 4732 Punkte.
Mehr als 1000 Euro hatte die Volkswagen-Aktie am Dienstag zeitweise gekostet und damit Europas größten Autohersteller kurzzeitig zum wertvollsten Konzern der Welt gemacht.
Doch jetzt griff die Deutsche Börse entgegen ihrer eigenen Aussage doch ein - und drosselt den VW-Anteil im Dax.
Die Aktie solle auf zehn Prozent zurückgesetzt werden, "sofern sie diese Schwelle mit Abschluss des Handels am Freitag überschreitet", teilte der Parkettbetreiber am späten Dienstagabend mit. Zum Vergleich: Zum Handelsschluss am Dienstag besaß VW einen Dax-Anteil von 27 Prozent.
Schlusskurse am Freitag entscheiden
Mit der außerordentlichen Anpassung ändert sich auch die Gewichtung der übrigen Dax-Werte. Für alle gilt: Grundlage sind die Schlusskurse am kommenden Freitag.
Auch Porsche will weitere Turbulenzen des VW-Kurses verhindern. Der Sportwagenhersteller kündigte am Mittwochmorgen an, Volkswagen-Aktien auf den Markt zu bringen. Je nach Marktlage sollen Kurssicherungsgeschäfte in Höhe von bis zu fünf Prozent der VW-Stammaktien aufgelöst werden. Noch am Sonntag hatte der profitabelste Autokonzern angekündigt, er wolle VW beherrschen.
Normalerweise wird das Gewicht eines Unternehmens nur vier Mal im Jahr gedeckelt. Der nächste reguläre Termin ist eigentlich der 22. Dezember. Weil die Volkswagen-Aktie seit Wochenbeginn jedoch Kapriolen schlägt, war am Markt großer Unmut entstanden - etliche Händler forderten Konsequenzen.
Schon am Dienstag mehrten sich die Stimmen, die Deutsche Börse solle handeln und VW deckeln - doch in Frankfurt am Main sah man zunächst keinen Handlungsbedarf. "Solange fünf Prozent der Aktien im Streubesitz sind, gibt es dazu keine Veranlassung", sagte ein Sprecher der Börse.
Es laufe alles nach den Regeln ab, man müsse den Markt gewähren lassen. Insgesamt reichten die exorbitanten Kurszuwächse aus, um den Leitindex Dax um mehr als elf Prozent ins Plus zu treiben. Spekulanten - vor allem Hedge-Fonds - machten Milliarden-Verluste, weil sie zuvor auf fallende Kurse gewettet hatten.
Bafin hat VW-Aktie im Blick
Die Finanzmarktaufsicht Bafin teilte mit, sie analysiere die Entwicklung der VW-Aktie. Mit Ergebnissen wie einer möglichen formellen Prüfung der Vorgänge sei diese Woche eher noch nicht zu rechnen.
Ausgelöst worden war die steile Bergfahrt durch eine Mitteilung von VW-Großaktionär Porsche, dass er sich bereits 74 Prozent an Volkswagen über Aktien und Optionen gesichert habe.
Der Stuttgarter Sportwagenbauer wollte damit die Spekulationsblase platzen lassen, die sich um die Aktie gebildet hatte. Doch das zerstörte die Strategie von Hedge-Fonds, die auf fallende Kurse gesetzt hatten. Sie müssen die Papiere nun teuer zurückkaufen. Am Markt sind nur noch 5,8 Prozent an VW frei verfügbar.
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(sueddeutsche.de/Reuters/dpa/mel/tob/hgn)
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Igendwie hat es etwas Surreales, wenn ein VW-Aktienkurs von über 500 Euro als "brutaler Absturz" bezeichnet wird. Klar, im Verhältnis zu den 1.000 von gestern ist es das, aber beide Kurse sind völlig irrsinning. Ob VW nun 500, 5.000 oder 50.000 Euro kostet, ist im Grund völlig egal, bis für diejenigen Glücklichen, die dieser Tage VW-Aktien verkaufen können und diejenigen Unglücklichen, die die dieser Tage VW-Aktien kaufen müssen.
Es glaubt doch wohl niemand, dass ein seriöser Kleinanleger guten Gewissens noch in diesen Zocker-Titel VW gehen kann, wenn er sich nicht an seiner Frau und seinen Kindern versündigen will. Wenigstens in nächster Zeit.
sind ja nun dank der Zockergeschicke der Porsche-Führungsmannschaft fürs erste gesichert. Sagte ich vorhin doch schon mit anderen Worten.
.... mir kommen Zweifel, ob es sich bei den Schreibern um Wirtschafts-Journalisten handelt. Vielleicht herrschte dort ob der vielen Baustellen ein solcher Mangel, daß schnell noch einige Kollegen aus der Boulevard-Ecke hinzugezogen wurden. Anders kann man sich die reißerischen Überschriften nicht erklären.
Vielleicht liegt es ja auch an den Kommentaren. Das ganze scheint ein Wettbewerb in verbreiten von Halbwahrheiten, falschen Behauptungen und inhaltslosem Gejammer.
Das ganze war eine Übernahme mit Ansage. Jeder hats gewußt. Viele glaubten noch auf Trittbrett springen zu müssen um schnell noch ein wenig mitzuverdienen. Den Mechanismus kennt man ja. Es ist auch jedem klar, daß solche Zustände nicht lange dauern, bis sie auf die eine oder andere Weise bereinigt werden, je steiler die Entwicklung, um so kürzer die Lebensdauer. Wer also meinte, sich die Finger verbrennen zu müssen, darf sich nun nicht beschweren. Die Börse wird schon aus diesem Vorgang ihre Lehren ziehen und ihr Regelwerk ergänzen.
Hedgefonds kann man nicht bedauern, entweder sie beherrschen ihr Geschäft oder sie erhalten ein paar kostenpflichtige Lehrstunden, was solls ? Indexfondsmanager, die in Verzweiflung gerieten und eventuell sogar andere DAX Werte verkauft haben, sollten sich ebenfalls überlegen, ob sie für diese Arbeit geeignet sind. Jeder der bei Verstand war, hat gestern alles im DAX kaufen können, was nicht VW hieß. Die Frage war nur, kann er es heute schon oder erst im Dezember mit Gewinn versilbern, wenn VW aus dem DAX raus ist. Was für einen Grund also gibt es, sich zu jammern ? Doch nur den einen: wenn man so dumm war und das gestern nicht schon erkannt hat.
Sie haben recht, aber gerade deshalb wird die Mehrheit der Bürger wohl den Kopf schütteln.
Fehlendes Risikobewusstsein und skrupelloses Handeln als Tugend? Aussaugen, filettieren, ausspucken, Täter, Opfer -- die Sprache der Wirtschaft?
Ich bin kein Heiliger, aber ...
Alles Gute
Kai Hamann
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