Von M. Hesse und U. Ritzer

Die Finanzkrise spielt gegen Schaeffler: Der Wert der Continental-Aktien sinkt mehr als deutlich, aber die Kreditgarantien sind unverrückbar.

In Zusammenhang mit der geplanten Übernahme der Continental AG hat sich durch den Kurssturz am Freitag die Situation für Schaeffler und die sechs finanzierenden Banken weiter verschärft. Die Conti-Aktie verlor mehr als 13 Prozent auf unter 34 Euro. Damit ist das Unternehmen an der Börse nicht einmal mehr halb so viel wert wie die von Schaeffler gebotenen 75 Euro je Aktie. "Es wird immer mehr bezweifelt, dass Schaeffler angesichts der Finanzierungsbedingungen am Markt noch die Conti-Übernahme stemmen kann", sagte ein Händler in Frankfurt.

Mitte August war der Mittelständler Schaeffler bei Continental eingestiegen - und bekommt nun finanzielle Probleme, weil der Kurs der Conti-Aktie immer weiter fällt. (© Foto: dpa)

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Geringere Sicherheiten - Tag für Tag

Zumal die Lage für die sechs Banken immer kritischer wird. Denn der Kursverfall der Conti-Aktie führt zum einen dazu, dass der Wert der Sicherheiten für die Übernahmekredite von Tag zu Tag sinkt. Zum anderen gehen Beobachter davon aus, dass Schaeffler nach vollzogener Übernahme den Wert von Conti in der eigenen Bilanz massiv abschreiben muss. Das könnte das Eigenkapital des Familienunternehmens weitgehend aufzehren.

Damit stecken die Konsortialbanken um die Royal Bank of Scotland (RBS) zunehmend in der Klemme. Insgesamt haben sie Schaeffler ein Finanzierungsvolumen von 16,1 Milliarden Euro zugesagt. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung kommen die Kreditgeber aus dieser Verpflichtung nicht heraus. "Die Garantien in den Verträgen sind diesbezüglich unmissverständlich", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Es sei daher verständlich, dass Schaeffler seit Wochen ungeachtet aller Turbulenzen auf eine gesicherte Finanzierung verweise. Zwar gilt es als üblich, dass Finanzierungsverträge nachverhandelt werden, wenn sich die Voraussetzungen einer Übernahme so drastisch ändern wie bei Schaeffler und Conti. Doch ohne guten Willen bei Schaeffler geht in diesem Fall wohl wenig.

Schaeffler mit am Tisch

Der scheint allerdings in gewisser Weise vorhanden zu sein, wenn auch nicht ohne Eigennutz. Bekanntlich haben 82,4 Prozent der Continental-Aktionäre die 75-Euro-Offerte akzeptiert. Schaeffler muss ihnen diese Summe unabhängig vom aktuellen Börsenkurs bezahlen. Dabei dürfen die Franken ihrerseits aber nur 49,99 Prozent der Conti-Anteile behalten. Die überschüssigen Aktien werden daher Banken zum Weiterverkauf überlassen. Die suchen bereits jetzt nach Investoren, die diese Aktien übernehmen und damit bei Conti einsteigen.

Bei solchen Gesprächen sitze bisweilen auch Schaeffler am Tisch, heißt es. Kein Wunder, denn das Unternehmen hat ein Interesse daran, dass Investoren zu möglichst hohen Preisen zugreifen und bei Conti einsteigen. Denn dementsprechend reduziert sich bei Schaeffler der eigene Kreditbedarf. Das wiederum hilft indirekt den sechs finanzierenden Banken um die RBS, weil sie Schaeffler weniger Geld leihen müssen.

Die Nervosität bei den sechs Banken ist dennoch enorm. Zum Teil sind sie durch die Kreditkrise selbst in massive Schwierigkeiten geraten. RBS benötigte bereits eine hohe Kapitalspritze der britischen Regierung. Auch UBS, Dresdner Kleinwort, Commerzbank, Hypo-Vereinsbank und die Landesbank Baden-Württemberg leiden unter der Krise und dürften zusätzliche Risiken um jeden Preis zu verhindern suchen.

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(SZ vom 25./26.10.2008/mel)