Von Nico Fried und Michael Bauchmüller

Der Chef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, sieht nach dem SPD-Parteitag nur noch wenig Chancen für die Privatisierung des Unternehmens: "Die Zeichen sind eher kritisch, ob das überhaupt noch geht."

"Die Beschlüsse sind schon ziemlich eng. Wir müssen jetzt alle gut überlegen, welche Lösung es da gibt", sagte Mehdorn, der Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ihrer Indien-Reise begleitet, am Montag in Delhi.

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Die SPD hatte am Wochenende eine Privatisierung der Bahn an die Bedingung geknüpft, dass Anleger nur stimmrechtslose Aktien erwerben können. Damit soll der Einstieg von Großinvestoren verhindert werden. Sollte die Koalition zu einer anderen Lösung kommen, muss ein Parteitag über den entsprechenden Kompromiss entscheiden.

Mehdorn mahnte allerdings auch zur Besonnenheit. "Wir müssen jetzt kühlen Kopf bewahren und abwarten, was die Bundesregierung sagt. Schnelle Urteile zu fällen, das wäre jetzt falsch." Insgesamt aber sei das Ringen um die Privatisierung ein Trauerspiel. Das gehe "jetzt schon fünf Jahre lang".

"Der letzter Sargnagel"

Die SPD sieht nach ihrem Parteitag nun vor allem den Koalitionspartner in der Pflicht: Generalsekretär Hubertus Heil forderte die Union auf, deutlich zu machen, ob sie eine Teil-Privatisierung der Bahn wolle und zu welchen Bedingungen.

"Da muss jetzt Butter bei die Fische", sagte der SPD-Generalsekretär der Süddeutschen Zeitung. "Die Kanzlerin muss sagen, ob sie eine Bahnreform will, an deren Ende eine Zerschlagung des Konzerns stünde", sagte Heil.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla machte deutlich, dass die Union dem SPD-Modell der stimmrechtslosen Aktien nicht folgen will: "Wenn die SPD von der Volksaktie nicht abweicht, dann war das das Ende der Teilprivatisierung der Bahn", sagte er.

Dann habe die SPD zu verantworten, dass Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) "diese Reform mit dem Parteitag der SPD vor die Wand gefahren hat".

Der Haushaltspolitiker der Union, Steffen Kampeter (CDU), forderte, Tiefensee die Zuständigkeit für die Reform der Bahn zu entziehen. "Ich erwarte, dass sich Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) jetzt um die Bahnreform kümmert, der ohnehin die Kompetenz für die Privatisierung in der Bundesregierung hat", sagte Kampeter.

Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte dem Handelsblatt, es sei nicht ausgeschlossen, dass sich der Beschluss des SPD-Parteitages "am Ende als letzter Sargnagel für den geplanten Börsengang entpuppt".

Der Verkehrsexperte Dirk Fischer (CDU) kritisierte, die stimmrechtslose Volksaktie "verteuert den Börsengang und macht ihn viel weniger sinnvoll". Der Vorsitzende der Grünen, Reinhard Bütikofer, sieht im Parteitagsbeschluss der SPD einen Totalbankrott des Ministers: "Tiefensee ist eigentlich fällig." FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich meinte: "Das Volksaktienmodell ist völlig ungeeignet zur Finanzierung der riskanten Auslandsexpansion, von der Mehdorn träumt."

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, Kanzlerin Merkel halte eine neue Prüfung des Reformprojekts für nötig. Es werde eine "schwierige Diskussion" geben, sagte Wilhelm. Die Entscheidung des SPD-Parteitages müsse von den Koalitionsfraktionen und den zuständigen Bundesministerien "gemeinsam geprüft" werden.

Nach Ansicht von Verkehrsministeriumssprecher Rainer Lingenthal bedeutet das Volksaktien-Modell der SPD jedoch "kein Jota Abstrich" vom Gesetzentwurf. Lingenthal wies ausdrücklich darauf hin, dass nun "die Ausgangslage klar" sei. Der Beschluss "unterstützt absolut" das Projekt der Regierung, sagte er.

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(SZ vom 30.10.2007)