Hilferuf des AK-47-Erfinders Putin will Kalaschnikow-Konzern gründen

Die Worte eines alten Mannes werden erhört: Michail Kalaschnikow, der Konstrukteur des berühmtesten Sturmgewehrs der Welt, hat den Verfall des AK-47-Herstellers beklagt. Jetzt eilt der russische Präsident Putin zu Hilfe. Ein moderner Betrieb solle entstehen, in dem Kriegswaffen keine große Rolle mehr spielen.

Die Kalaschnikow ist die meistverkaufte Handfeuerwaffe der Welt, ein Exportschlager der russischen Rüstungsindustrie. Nach Angaben des Herstellers Ischmasch gibt es die Gewehre in verschiedenen Versionen in mehr als 100 Ländern. Doch auch Menschen, die Zeit ihres Lebens nichts mit Militär oder Kriegswaffen zu tun hatten, ist das Sturmgewehr aus Fernsehen und Computerspielen bekannt. Auch US-amerikanische Rapper wie Snoop Dogg rappen gerne über die "Äi Käi" - die AK-47. Der Balkan-Musiker Goran Bregovic ist berühmt für das tanzbare Lied Kalasnijkov. Das Tötungsinstrument ist längst Teil der Popkultur.

Doch Ischmasch geht es schlecht. Das beklagten der 93-jährige Michail Kalaschnikow, der nach dem Zweiten Weltkrieg das erste Modell des Gewehrs entwickelt hatte, und 16 ehemalige Angestellte des Werkes Ende Oktober. Sie schrieben einen offenen Brief über den Niedergang an Wladimir Putin: "Im Namen der Veteranen, die den größten Teil ihres Arbeitslebens Ischmasch gegeben haben, wenden wir uns an Sie, Wladimir Wladimirowitsch, mit der Bitte, unsere Fabrik zu retten."

Die Bitte des alten Mannes hat bei den Mächtigen offensichtlich Gehör gefunden. Am Produktionsstandort Ischewsk soll nach dem Wunsch der Staatsführung ein neuer, nach dem Schnellfeuergewehr benannter Rüstungsbetrieb entstehen. Präsident Putin sprach sich dafür aus, zu diesem Zweck die beiden Rüstungsfabriken Ischmasch und Ischmech zusammenzulegen. Der neue Konzern soll unter dem Dach der russischen Staatsholding Rostechnologii entstehen.

Moderne Fabrik für Sport- und Jagdwaffen

"Eine Fusion ist natürlich möglich", sagte Putin im russischen Fernsehen. Das Ergebnis dieser Fusion müsse aber eine Verbesserung darstellen - "auf keinen Fall eine Verschlechterung". Wie immer in solchen Fällen gebe es "viele soziale Fragen"; diese müssten berücksichtigt werden. Kalaschnikow und die Mitunterzeichner hatten sich auch über niedrige Löhne beschwert.

Vize-Regierungschef Dmitrij Rogosin erklärte, Ischmasch und Ischmech hätten seit Jahren keinen Auftrag der Regierung mehr erhalten, da die Armee bereits ausreichend mit Schnellfeuergewehren ausgestattet sei. "Die Lager sind voll." Ziel sei jetzt eine moderne Fabrik, die Sportwaffen und Jagdgewehre herstelle, sagte Rogosin. Möglich also, dass der Name Kalaschnikow bald nicht mehr nur mit Kriegswaffen in Verbindung gebracht wird. Michail Kalaschnikow habe bereits zugestimmt, seinen Namen dafür herzugeben.