Nach Atom-Deal Iran-Einigung drückt Ölpreis

Iran war einst der zweitgrößte Öllieferant der Welt

Die Aussicht darauf, dass Iran bald mehr Rohstoffe liefern darf, hat zu einer kurzfristigen Entspannung am Ölmarkt geführt. Auf mittlere Sicht hoffen Experten, dass sich der Preistrend fortsetzt. Dafür müssten die Sanktionen aber komplett aufgehoben werden.

Von Simone Boehringer und Björn Finke

Die vorläufige Einigung im Atomstreit mit Iran hat am Montag zu einer kurzfristigen Entspannung am Ölmarkt geführt. Die Aussicht darauf, dass das einst zweitgrößte Öllieferant der Welt bald wieder mehr Rohstoffe liefern darf, ließ die Preise für den wichtigsten Schmierstoff um fast drei Prozent sinken - wobei die Reaktion bei der europäischen Sorte Brent stärker ausfiel als bei der US-Sorte WTI. Bis zum frühen Abend kostete ein Barrel (159 Liter) des Nordsee-Öls Brent wieder 109,50 Euro, WTI-Öl 93, 85 Euro.

Kurzfristig erwarten Fachleute allerdings keine große Veränderung des Ölangebots für Europa, das in vergangenen Jahren ohnehin den Großteil der Lieferungen aus Russland, Norwegen, Großbritannien, Nigeria und bis Sommer auch aus Libyen erhalten hat. Zum einen erlaube das Abkommen mit Iran weiterhin nicht, Öl in den Westen zu verkaufen, sagt Siddik Bakir, Nahost-Experte beim Londoner Analysehaus IHS Energy. Hauptabnehmer für iranisches Öl seien momentan China, Indien, Südkorea und Japan.

Zum anderen können die viel kritischer betrachteten, stark rückläufigen Öllieferungen von Libyen nach Europa von anderen Fördernationen wie Saudi Arabien qualitativ nur unzureichend kompensiert werden. Bis Sommer kamen aus Libyen noch rund 800.000 Barrel nach Deutschland, im September waren es noch 145.000 Barrel. "Saudisches Öl ist schwerer und schwefelhaltiger als libysches. Die Verarbeitung in den Raffinerien ist entsprechend komplizierter und manchmal auch teurer", erklärt Leon Leschus, leitender Rohstoffexperte beim Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI).

Große Ölreserven

Auf mittlere Sicht haben die Experten allerdings durchaus Hoffnung, dass der sinkende Preistrend, der durch die Streiks in Libyen und den zuletzt sinkenden Euro-Kurs unterbrochen wurde, seine Fortsetzung finden kann. Dafür müssten die Sanktionen gegen Iran komplett aufgehoben werden, sodass das Land wieder zu einem der wichtigsten Lieferanten auf dem Weltmarkt aufsteigen kann.

Vor den Embargos produzierte Iran etwa 3,5 Millionen Barrel pro Tag und exportierte 2,5 Millionen davon. Seitdem verlassen nur noch eine Million Barrel täglich das Land. Die Welt fragt täglich etwa 90 Millionen Barrel pro Tag nach. Die Ölreserven im Iran gehören zu den größten der Welt.

Allerdings: Iran wie Libyen sind Mitglieder im Förderkartell Opec. Den Verzicht auf iranisches Öl hatten zuletzt andere Mitglieder wie Saudi-Arabien oder Irak ausgeglichen. Würde in Zukunft wieder viel Öl aus Iran kommen, würden andere ihre Produktion drosseln, damit der Ölpreis nicht zu stark sinkt, so Experte Bakir.

"Es ist wahrscheinlich, dass die Opec reagiert", meint auch Leschus vom HWWI. Allerdings weiß er auch, dass Länder wie Saudi Arabien schon so manche Opec-Verabredung unterlaufen haben, um Mehreinnahmen zu erzielen. Einen Grund gäbe es auch jetzt: "Mit dem arabischen Frühling sind die Staatsausgaben gestiegen, um die Bürger bei Laune zu halten", so Leschus. Die nächste Opec-Konferenz ist am 4. Dezember in Wien.