Nach Abgas-Skandal Förderbank der EU untersucht Milliardenkredite für VW

Die Europäische Investitionsbank prüft Konsequenzen aus der Abgas-Affäre bei VW.

(Foto: Getty Images)
  • "Außerordentlich enttäuscht" von VW: Die Europäische Investitionsbank, ein Förderinstitut der EU, geht auf Distanz zu dem langjährigen Partner.
  • Kredite in Milliardenhöhe werden nachträglich daraufhin geprüft, ob sie von Volkswagen zweckentfremdet wurden.
  • Bankchef Hoyer sieht das Verhältnis zu dem Autokonzern "sehr schwer belastet".
Von Cerstin Gammelin

Ärger mit Kunden und Behörden in den USA, dann weltweit. Anschließend erste Schadenersatzklagen wegen der Manipulation von Abgas-Tests bei Diesel-Fahrzeugen. Und nun auch noch eine heftige Attacke von einem der bedeutendsten Geldgeber des Konzerns: Für Volkswagen kommt es immer dicker.

Die Europäische Investitionsbank (EIB), ein Förderinstitut der EU, prüft Konsequenzen aus der Abgas-Affäre. EIB-Chef Werner Hoyer bezeichnete die Manipulation im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung als "ungeheuerlich". Nicht nur Millionen von Autokäufern seien "getäuscht und geschädigt" worden, sagte Hoyer der SZ bei Tagungen internationaler Finanzorganisationen in der peruanischen Hauptstadt Lima. "Auch die EIB könnte geschädigt worden sein, weil wir mit unseren Krediten bestimmte Klimaziele verfolgen müssen."

Auf die Person an der Spitze kommt es an

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Die EIB hat Volkswagen seit 1990 etwa 4,6 Milliarden Euro an günstigen Krediten gewährt. Mit dem Geld sollten unter anderem die Entwicklung sauberer Motoren vorangetrieben sowie ausländische Produktionsstätten in Lateinamerika finanziert werden. Etwa 1,8 Milliarden Euro davon sind noch offen, also zurückzuzahlen.

Hoyer kündigte "sehr genaue Untersuchungen" an. Er habe "nicht die Absicht, den Mantel des Schweigens über die Angelegenheit zu decken". Die EIB wolle wissen, "wofür unsere Kredite verwendet wurden und welche Konsequenzen sich möglicherweise daraus ergeben".

Sorgen auch in Mexiko

Vorbehaltlich des Ergebnisses der Untersuchungen, "werden wir uns die Frage stellen müssen, ob wir Kredite zurückfordern müssen, sollten sie zweckentfremdet worden sein". Die EIB müsse "gerade als im Klimabereich engagierte Bank auf Reputation achten".

Die EIB gehört den EU-Mitgliedsstatten und vertritt deren Interessen. Sie arbeitet eng mit der EU zusammen, um deren Politik umzusetzen. Mit ihren Krediten unterstützt die Förderbank auch Umwelt- und Klimaschutzprojekte. Die EIB hat in Lima angekündigt, ihren Anteil an Maßnahmen in diesem Bereich auf 35 Prozent zu erhöhen. Die Bank vergibt jährlich etwa 100 Milliarden Euro an Krediten und Bürgschaften.

Hoyer sagte über Volkswagen, er sei "außerordentlich enttäuscht". Das Verhältnis zu einem wichtigen Partner sei "sehr schwer belastet".

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Die VW-Affäre löste am Rande des Treffens in Lima viele Nachfragen bei der deutschen Delegation aus. Die größten Sorgen galten möglichen Arbeitsplatzverlusten, falls der Konzern Produktionsstätten schließen muss. Die Vertreter Mexikos zeigten sich besonders besorgt. Volkswagen ist in Mexiko ein bedeutender Arbeitgeber.