Vermeintlicher Millionenbetrüger Italien lässt Börsenspekulant Homm frei

Hofft in Deutschland auf Schutz vor einer Auslieferung an die USA: Der in Italien überraschend freigelassene Börsenspekulant Florian Homm.

(Foto: dpa)

Mit fragwürdigen Geschäften war Florian Homm erst reich geworden, dann im Gefängnis in Italien gelandet. Nach SZ-Informationen ist er nun auf freiem Fuß und hält sich in Deutschland auf. Das dürfte ihn vor einer Auslieferung an die USA schützen.

Von Klaus Ott

Der frühere Börsenspekulant Florian Homm, der seit mehr als einem Jahr in Italien im Gefängnis saß, ist überraschend freigelassen worden und befindet sich bereits wieder in Deutschland. Das bestätigte sein italienischer Anwalt Mario Zanchetti aus Mailand am Mittwochabend der Süddeutschen Zeitung.

Zanchetti sagte, ein Gericht in Rom habe entschieden, dass Homm nicht länger in Auslieferungshaft gehalten werden dürfe. Die US-Justiz, die gegen den Ex-Börsianer ermittelt, hatte ihn in Italien festsetzen lassen und seine Überstellung in die USA betrieben. Homm soll dort Anleger bei Wertpapiergeschäften um 200 Millionen Euro betrogen haben, was er zurückweist. In den USA hätten ihm formal 225 Jahre Gefängnis, also faktisch lebenslange Haft gedroht.

Florian Homm drohen 225 Jahre Haft

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Homm hatte an der Börse gezockt, war mit fragwürdigen Geschäften vermögend geworden. Er besaß eine Villa auf Mallorca, posierte gerne mit einer dicken Zigarre, und er ließ sich zwischenzeitlich sogar als Retter des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund feiern. Ohne ihn, behauptete der neureiche Kapitalist, wäre der einstige Arbeiterklub "in der Oberliga gelandet". Nach einer jahrelangen Flucht war der 2,03 Meter große, frühere Junioren-Nationalspieler im Basketball dann selbst ganz unten gelandet - im Gefängnis in Pisa. Die Haftbedingungen dort sollen für den ehemaligen Börsenstar, der an Multipler Sklerose leidet, ziemlich schlecht gewesen sein.

Seine Mutter Maria Barbara Homm hatte sich Anfang des Jahres in einem aufwühlenden Brief an die italienische Justiz und an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg heftig über die Behandlung ihres Sohnes beklagt. Man habe ihm die notwendige Behandlung verweigert und er sei wegen falscher Ernährung so stark abgemagert, dass er nicht mehr laufen könne. Die schwer kranke Mutter bat um Milde für ihren Sohn, der in Kalifornien vor Gericht gestellt werden sollte. Eine Auslieferung in die USA wäre "sein Todesurteil", schrieb die besorgte Mutter, nachdem sie ihn in der Haftanstalt besucht hatte.

Gerichtshof für Menschenrechte verhindert Auslieferung

Zuletzt hatte es so ausgesehen, als sei die Überstellung in die USA nur noch eine Frage der Zeit. Das italienische Justizministerium hatte zu Beginn des Frühjahrs entschieden, dass Homm ausgeliefert werden dürfe. Sein Anwalt Zanchetti versuchte, das mit einem Einspruch beim Straßburger Gerichtshof für Menschenrechte noch zu verhindern, die Chancen galten nach Ansicht von Juristen allerdings als nicht sehr groß. Doch dann verfügte der Gerichtshof für Menschenrechte nach Angaben von Zanchetti, dass Italien den Ex-Spekulanten solange nicht ausliefern dürfe, bis man in Straßburg endgültig über den Fall entschieden habe.

Jetzt ist Homm laut Zanchetti sogar frei, da in der Zwischenzeit die maximal zulässige Dauer einer Auslieferungshaft in Italien überschritten worden sei. Das habe jedenfalls das Gericht in Rom so gesehen. Der Anwalt erklärte weiter, Homm sei am Dienstagabend aus dem Gefängnis in Pisa entlassen worden und sei anschließend gleich nach Deutschland gereist. In der Bundesrepublik dürfte der frühere Börsenspekulant erst einmal weitgehend sicher sein. Die deutschen Behörden liefern eigene Landsleute selten an andere Staaten aus. Ob die US-Justiz nun einen Auslieferungsantrag in der Bundesrepublik stellen wird, bleibt abzuwarten.

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