SZ: Videos verkaufte Sie bei den so genannten dual discs erstmals zusammen mit Musik-CDs auf einer Scheibe.

Anzeige

Berger: Das war nicht von Erfolg gekrönt. Vielleicht, weil es keinen gemeinsamen Ansatz der Musikindustrie gab. Wir haben die Zahl der Veröffentlichungen reduziert. Aber grundsätzlich finde ich es sehr positiv, dass hier mal etwas Neues probiert wurde.

SZ: Zu den gemeinsamen Versuchen der Branche, die eigene Attraktivität zu erhöhen, gehört die jährliche Musikmesse Popkomm. Sony BMG nimmt nach zweimaliger Abwesenheit wieder daran teil. Wie wichtig ist ein solcher Event?

Berger: Wir wollen einen neuen Anlauf nehmen und signalisieren: Wir sind offen für Innovationen und Veränderungen.

SZ: Wann rechnen Sie mit einer Gesundung des Musikgeschäfts?

Berger: Da wurden schon so viele Jahreszahlen genant. 2006 geht der Markt wohl noch einmal zurück. Es gab aber erstmals, von März bis Mai, drei Monate mit Wachstumsraten. Im Juni dann hatten die Menschen rund um die WM so viel Free-Entertainment, da kauften sie weniger CDs - es sei denn, sie hatten mit Fußball zu tun.

SZ: Der ganz große Optimismus ist aus Ihren Worten nicht heraus zu hören.

Berger: Ich bin, wenn Sie so wollen, ein optimistischer Realist. Die Ticket-Preise für Konzerte haben sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt - das Plattengeschäft hat sich in den letzten 5 Jahren fast halbiert. Die Menschen geben also weiter Geld für Musik aus, nur in anderer Form. Also müssen auch wir uns ändern.

SZ: Der Erfolg eines Managers wird gerade in einem solchen Krisengeschäft daran gemessen, welche Rendite ihm gelingt. Was signalisieren Sie Ihren Gesellschaftern Sony und Bertelsmann?

Berger: Die Umsatzrendite ist im zweistelligen Prozentbereich, und wir planen, sie auch in diesem Jahr zu erhöhen. Meine Zahlen gehen jedoch nicht an die Gesellschafter, sondern an die Zentrale von Sony BMG.

SZ: Was bei einem bestenfalls stagnierenden Umsatz nur über Kosteneinsparungen geht.

Berger: Wir überlegen genau, für was wir Geld ausgeben, wo wir in Marketing investieren. Natürlich gibt es immer auch Stellenzusammenführungen und Anpassungen in der Personalstruktur. Es kann passieren, dass wir in schrumpfenden Bereichen Jobs verlieren und dafür woanders Jobs entstehen. Die Zahl der Mitarbeiter liegt bei etwas über 300 und ist geringfügig zurückgegangen.

SZ: Es gibt Spekulationen, wonach Sony schrittweise den Mitgesellschafter Bertelsmann herauskaufen will. Ist es da wichtig, die Braut schöner zu machen?

Berger: Die Diskussion dazu in den Zeitungen verfolge ich natürlich - auch die Dementis. Ich kann nur sagen, dass wir uns voll auf das Tagesgeschäft konzentrieren. Wir müssen so oder so Musik verkaufen.

Sie sind jetzt auf Seite 4 von 4

  1. "Lieber wenig, aber richtig"
  2. "Lieber wenig, aber richtig"
  3. "Lieber wenig, aber richtig"
  4. Sie lesen jetzt "Lieber wenig, aber richtig"
Leser empfehlen 

(SZ vom 11.07.06)