MS Deutschland Ein Traumschiff geht den Bach runter

Reisen mit der MS Deutschland sind immer noch sehr beliebt. Finanziell geht es dem TV-Traumschiff aber trotzdem nicht gut.

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Verschrotten ist Verschwendung, Herumliegen in Docks zu teuer: Die Zukunft des TV-Traumschiffs MS Deutschland ist ungewiss. Lediglich ein Interessent will strategisch investieren - bietet für das Schiff an sich aber nur einen Euro.

Von Michael Kuntz

Es geht abwärts - auch noch auf dem Weg in die Gläubigerversammlung. Die Käufer der Anleihe für das TV-Traumschiff MS Deutschland steigen am Mittwoch 36 schwarze Marmorstufen hinab in das Souterrain des Hotels Leonardo in München.

Im Royal Ballroom 2 hält die Beteiligungsgesellschaft in der Pleite 152 Sitzplätze bereit. Hundert hätten gereicht, aber es lässt sich schlecht abschätzen, wie viele von den mehreren hundert Anleihekäufern erscheinen. Die hielten sieben Prozent Zins in einer Nullzinsphase für ein realistisches Versprechen. Die meisten Anleger schicken Anwälte vorbei, Anzug- und Krawattenträger dominieren das Bild.

Nur einzelne Investoren verirren sich persönlich in den Ballroom. Ein älterer Gläubiger kommt in brauner Lederjacke, Bluejeans, Karohemd, Pullover und Turnschuhen. Er dürfte Anfang Sechzig sein und repräsentiert damit den Altersdurchschnitt sowohl bei den Kreuzfahrern als auch den Gläubigern der MS Deutschland. Was aber ist aus dem Geld der Gläubiger, die einst die Anleihe erworben haben, geworden? Von 50 Millionen Euro, erklärt der Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber, landeten 23 Millionen bei der Deutschen Bank, zwölf Millionen gingen an die MSM Downing aus dem Umfeld des früheren Schiffseigners Aurelius, knapp eine Million bekam die Quiring Bank als Verkäufer der Anleihe. Nicht mal die verbleibenden knapp fünf Millionen Euro flossen als frische Mittel ins Schiff, sie wurden für den Ausgleich des Verlustes 2013 verwendet. Ein Anlegervertreter spricht von einem "großen Raubzug", nach Ansprüchen aus der Prospekthaftung wird gefragt und strafrechtlich relevanten Handlungen.

Was bleibt? "Der wesentliche Vermögensgegenstand ist das Schiff", sagt der Insolvenzverwalter. Kaufinteressenten, die für das Traumschiff 30 Millionen Euro zahlen wollten, sind Geschichte. Ein Sachverständiger schätzte 2012 anlässlich der Anleihe den Wert sogar auf hundert Millionen Dollar, in einem von Aurelius bestellten Kurzgutachten für 450 Euro. Es gebe mehrere Interessenten, aber nur einen strategischen Investor, heißt es. Das sei der Münchner Reiseveranstalter FTI, der bereits mit der MS Berlin ebenfalls ein älteres Kreuzfahrtschiff betreibt. Der Haken dabei: FTI bietet nur einen Euro.

Die Präsenz lag auch bei der zweiten Gläubigerversammlung mit 46,5 Prozent unter den 50 Prozent, die nötig wären, um einen gemeinsamen Vertreter nicht nur zu wählen, sondern ihn mit umfassenden Vollmachten auszustatten. Dem Traumschiff droht nun die Versteigerung, vom Notverkauf innerhalb von zwei bis vier Wochen spricht der aktuelle Geschäftsführer. Mögliche Interessenten sitzen vielleicht ar mit im Saal, argwöhnt ein Anleger angesichts des lebhaften Handels mit der Anleihe in jüngster Zeit.

Eigentlich soll die MS Deutschland in die Werft nach Cádiz, doch die dafür notwendigen Mittel kann die Versammlung wegen zu geringer Präsenz nicht bewilligen. Eine Verschiebung der fälligen Hauptuntersuchung für das Schiff kann dem Insolvenzverwalter drei Monate Luft verschaffen. Selbst wenn die MS Deutschland nur ankert, würde allein das eine halbe Million Euro kosten, pro Monat. Es ist die Stunde von Juristen und Beratern. "Das Ding wird abgelutscht bis zum Schluss", meint ein Kleinanleger und schlägt die Verschrottung in Indien vor.

MS Deutschland auf schwierigem Kurs: An den Gläubigertreffen nehmen zu wenige Anleihekäufer teil.

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