Monsanto: Chefin im Gespräch "Die Ziele bleiben, die Zeiträume verschieben sich"

sueddeutsche.de: Wie stark hat das MON810-Verbot Monsanto bislang geschadet?

Lüttmer-Ouazane: Natürlich ist die Situation nicht schön. Jede nicht verkaufte Einheit bedeutet für uns keine Gewinne und für den Landwirt erst recht nicht. Den drei Unternehmen, die MON810 in Deutschland vermarkten, ist so ein Schaden von mindestens einer halben Million Euro entstanden. Aber deshalb werden wir unsere Strategie nicht ändern.

sueddeutsche.de: Wenn der Name Monsanto fällt, dann denkt man sofort an das umstrittene Pflanzenschutzmittel Roundup und an die Verwicklungen im Vietnamkrieg, als Monsanto dem US-Militär das giftige Entlaubungsmittel Agent Orange lieferte. Hat Ihr Konzern kein Akzeptanzproblem wegen Genpflanzen, sondern vielmehr ein Vertrauensproblem?

Lüttmer-Ouazane: Das ist kein spezielles Problem von Monsanto. Alles was groß ist, ist verdächtig. Und alles, was eine gewisse Marktstellung hat.

sueddeutsche.de: Wollen Sie Mitleid dafür?

Lüttmer-Ouazane: Das nicht. Aber ich will auch sagen dürfen, dass nicht nur Monsanto im Vietnamkrieg den erwähnten Wirkstoff geliefert hat. Da waren auch andere Konzerne beteiligt. Losgelöst davon besteht aber ganz besonders in Deutschland ein latentes Misstrauen gegenüber Großunternehmen.

sueddeutsche.de: Liegt das nicht vielmehr an Fakten? Ein Imker musste die gesamte Honigproduktion eines Jahres vernichten, weil sich darin Spuren von MON810 fanden.

Lüttmer-Ouazane: Es gibt kein Urteil, das ihn dazu gezwungen hätte. Ich glaube, er hat den Honig vernichtet, um Medienresonanz zu bekommen. Und das ist ihm ja offenbar gelungen.

sueddeutsche.de: Sie unterstellen dem Imker, er lügt?

Lüttmer-Ouazane: Es gibt in Deutschland weder ein Urteil noch eine behördliche Anordnung, die einen Imker dazu verpflichten würde, Honig, der Spuren von gentechnisch veränderten Pollen enthält, zu vernichten. Zudem beweist der Imker seine Aussagen nicht. Er vernichtet die Gläser.

sueddeutsche.de: Hinter diesem Fall steht doch eine grundsätzliche Frage: Wie kann verhindert werden, dass Gen-Pollen auf andere Pflanzen übergehen?

Lüttmer-Ouazane: Dafür hat der Gesetzgeber eine eindeutige Regelung geschaffen. Die Vermischung muss minimiert werden. Ausschließen kann man so etwas nie. Schließlich befinden wir uns in freier Natur und nicht in einem klinisch sauberen Raum.

sueddeutsche.de: Denjenigen, die keine Spuen von genveränderten Organismen in ihren Pflanzen haben wollen, nützt das wenig.

Lüttmer-Ouazane: Das ist doch eben durch entsprechende Abstandsregeln geklärt, dass es dazu nicht kommt. Sollte es Einzelfälle geben, muss man in diesen weitersehen und Lösungen finden.

sueddeutsche.de: In diesem Jahr sollte auf einem Prozent der deutschen Mais-Anbaufläche Ihr Genmais wachsen. Dieses Ziel haben Sie grandios verfehlt. Werden Sie jetzt vorsichtiger?

Lüttmer-Ouazane: Die Ziele bleiben, nur die Zeitpläne verschieben sich. Europa bleibt für uns wichtig. In Tschechien und Polen haben wir viel ambitioniertere Ziele. Wenn Sie aber von einem Prozent sprechen, dann ist das ein sehr ambitioniertes Ziel, welches wir nicht formuliert haben.