Interview: Hans von der Hagen

Milchgipfel am Donnerstag, Preiserhöhungen der Handelsketten - ob sich die Lage der Bauern verbessert, sagt Milchmanager Tobias Mayer von der Molkerei Gropper im schwäbischen Bissingen.

Aldi hat in der vergangenen Woche den Milchpreis um sieben Cent erhöht - die Molkereien bekommen gar zehn Cent mehr. Andere Handelsketten haben mittlerweile nachgezogen.

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Die Preiserhöhung war Folge der massiven Proteste der Milchbauern - doch die Bauern haben kaum etwas von der Preiserhöhung, sagt Tobias Mayer, der bei der Molkerei Gropper für den Milcheinkauf zuständig ist.

sueddeutsche.de: Am Donnerstag wollen Bauernpräsident Sonnleitner und Landwirtschaftsminister Seehofer über die Lage der Milchbauern reden. Erhoffen Sie sich etwas von dem sogenannten Milchgipfel?

Tobias Mayer: Gut, dass miteinander gesprochen wird. Verbände und Politik können jedoch nur Rahmenbedingungen festlegen. Auf den Milchpreis wird sich das vorläufig aber kaum auswirken können.

sueddeutsche.de: Seit gut einer Woche zahlen die meisten Handelsketten den Molkereien zehn Cent mehr für einen Liter Milch. Die Preiserhöhung sollte den Bauern zugutekommen - tut sie das?

Mayer: Die jüngste Erhöhung wird lediglich den starken Preisdruck bremsen. Die Erzeugerpreise für Rohmilch liegen zwar immer noch gut zwanzig Prozent über denen des Vorjahres, aber in den letzten beiden Monaten ist das Niveau stark gefallen.

sueddeutsche.de: Was zahlen Sie für einen Liter Milch?

Mayer: Im Schnitt haben wir in den vergangenen fünf Monaten 39,5 Cent bezahlt, im Mai waren es nur noch 36 Cent und für Juni gibt es noch keine Zahlen. Die Preise schwanken aber regional: Tendenziell werden im Süden Deutschlands rund zwei Cent mehr für Milch gezahlt als im Norden. Und auch im Süden ist das Niveau unterschiedlich: Einige Molkereien zahlten im Mai nur noch 31 Cent je Liter.

sueddeutsche.de: Von den 40 bis 43 Cent, die die Bauern je Liter haben wollen, ist der Markt demnach weit entfernt?

Mayer: Vorerst ja. Auch, weil die Preiserhöhung nur für den Verkauf von Trinkmilch in Deutschland gilt. Deren Marktanteil liegt bei weniger als zwanzig Prozent. 60 Prozent der Milchmenge wird industriell zu Milchpulver und Käse verarbeitet und weitere 20 Prozent gehen in Produkte wie Joghurt und Milchmixgetränke. Zumindest für dieses Segment wollen wir ebenfalls höhere Preise durchsetzen.

sueddeutsche.de: Ihre Prognose - wie wird sich das Preisniveau in den kommenden Monaten entwickeln?

Mayer: Es wird langsam wieder steigen, aber die Preise werden stark schwanken. Die von den Bauern erhofften 40 Cent werden wir dieses Jahr - wenn überhaupt - erst sehr spät sehen.

sueddeutsche.de: Warum schwanken die Milchpreise mittlerweile so stark?

Mayer: Die Europäische Union hat sich mittlerweile fast vollständig aus der Marktsteuerung zurückgezogen. Früher waren die Läger voll und kurzfristige Nachfrageerhöhungen konnten mühelos kompensiert werden. Das ist jetzt nicht mehr der Fall.

sueddeutsche.de: Ist das gut oder schlecht für Sie?

Mayer: Schlecht, da der Markt nun extremen Preisschwankungen unterliegt. Kurz nachdem im vergangen Jahr im Handel die notwendigen Preisanhebungen umgesetzt werden konnten, brach der Markt wieder ein. Verbrauchern wie auch unseren Milcherzeugern sind solche Schwankungen nur schwer zu vermitteln.

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(sueddeutsche.de/jja)