Deutschland braucht ein eigenständiges Ministerium für Verbraucherschutz - die Interessen der Konsumenten kommen in Berlin zu kurz.
Tricksereien sind bei Lebensmitteln an der Tagesordnung. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein neuer Etikettenschwindel aufgedeckt wird: Biolimonade, in der so wenige ökologisch erzeugte Inhaltsstoffe stecken, dass man fast von homöopathischen Dosierungen sprechen kann. Analogkäse, der Pflanzenfett statt Kuhmilch enthält. Krebsfleisch-Imitate, die aus Fischabfällen gepresst werden.
Das Aroma der Erdbeere lässt sich leicht imitieren - so ist es möglich, Erdbeer-Joghurt ohne eine einzige Erdbeere herzustellen. (© Foto: AP)
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Immer mehr Hersteller sparen bei Zutaten, vor allem in Zeiten einer Wirtschaftskrise, in der die Preise für Nahrungsmittel stetig fallen. Der eigentliche Skandal daran ist, das dies meist ganz legal geschieht - und ohne dass es der Käufer merkt. Schuld daran sind eine mangelhafte Kennzeichnungspflicht, ein lückenhafter Verbraucherschutz und eine Politik, die die Rechte der Lebensmittelindustrie über die der Konsumenten stellt.
Ein Erdbeer-Joghurt, der laut Zutatenliste "natürliche Aromastoffe" enthält, das klingt zunächst vertrauenserweckend. Was aber viele nicht wissen: Diese Bezeichnung bedeutet nicht zwangsläufig, dass auch nur eine einzige Erdbeere je in die Nähe des Bechers gelangt wäre. Für den kräftigen Fruchtgeschmack sorgen meist im Labor hergestellte Zusatzstoffe, die etwa mit Hilfe von Schimmelpilzen oder Enzymen hergestellt werden.
Was in den Zutatenlisten vieler Lebensmittelverpackungen steht, ist für Laien jedoch meist völlig unverständlich. Wer wissen will, was sich hinter E150d, Phosphorsäure oder einem Säureregulator verbirgt, muss dafür ein Handbuch für Lebensmitteltechnik konsultieren. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern schränkt beim Einkauf die Entscheidungsfreiheit ein - und genau darauf setzten viele Lebensmittelproduzenten.
Dabei ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, wenn der Erdbeergeschmack im Joghurt nicht aus der Frucht selbst stammt, sondern im Labor kopiert wird. Nur sollte dies dann auch klar und deutlich auf der Verpackung stehen, damit Käufer sich bewusst für oder gegen ein bestimmtes Produkt entscheiden können. Gelingen wird das aber nur, wenn die Vorschriften für die Kennzeichnung verschärft werden.
Doch die Ernährungsindustrie lehnt es seit Jahren vehement ab, für mehr Transparenz zu sorgen. Beispiel dafür ist auch der Streit um die Ampel-Kennzeichnung für Lebensmittel, gegen die sich die Hersteller mit aller Macht sträuben, obwohl sich zwei Drittel der Deutschen ein solches System wünschen. Die Argumente, mit denen die Industrie zu Felde zieht, sind höchst fadenscheinig. Das Drei-Farben-Modell, das etwa Kalorienbomben auf den ersten Blick erkennbar macht, sei irreführend, wird unter anderem argumentiert. Tatsächlich fürchten die Hersteller jedoch um ihre Umsätze.
Um den Verbraucherschutz beim Essen ist es hierzulande schlecht bestellt. Die Lobbyisten der Ernährungsbranche dürfen sogar an Gesetzen mitschreiben, die ihnen eigentlich Grenzen setzen sollen, wie etwa das Verbraucherinformationsgesetz. Vor einem Jahr vom damaligen Verbraucherminister Horst Seehofer als "Meilenstein in der Geschichte des Verbraucherschutzes" gefeiert, hat es sich inzwischen als Mahnmal für politisches Versagen entpuppt. So ist es für Verbraucher nach wie vor kaum möglich, die Namen von Herstellern zu erfahren, die verdorbene Waren verkaufen.
Beschämend ist, dass sich an diesem Zustand auch unter einer neuen Bundesregierung vermutlich wenig ändern wird - ganz egal, wie die Wahl in zwei Wochen ausgeht. Verbraucherschutz spielt in den Programmen der großen Parteien nur eine untergeordnete Rolle - auch weil die Konsumenten in Berlin nicht annähernd so gut vertreten sind wie die Nahrungsmittelindustrie.
Das spiegelt sich auch im Zuschnitt des Ministeriums wider, das offiziell für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zuständig ist. Kaum ein anderer Bundesminister muss so konträre Interessen unter einen Hut bringen. Eine Regierung, die glaubwürdigen Verbraucherschutz betreiben will, muss ein eigenständiges Ressort schaffen. Nur ein Verbraucherminister, der nicht zwischen den Stühlen sitzt, kann sich voll und ganz für die Rechte von Konsumenten einsetzen.
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(SZ vom 14.09.2009/hgn)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
was der artikel beschreibt stimmt, der verbraucher ist aber doch ein mündiges wesen, ich lese jede zutatenliste. wer das nicht macht ist selbst verantwortlich.
man schaut ja auch selbst ob ein auto kommt, wenn man über die straße will...
es ist auch verwunderlich wie viele leute man beim samstageinkauf beobachten kann, die maggifix und diesen schrott im einkaufswagen horten. wahrscheinlich sind das zum teil leute, die sagen sie kochten selber...
man ist was man isst, also informiert euch selber, das macht den einkauf nicht leichter, da man sehr sehr viele dinge gr nicht mehr kauft, aber das bewusstsein für essen und ernährung steigt beachtlich...
Nun ist es ja nicht so, dass ich die Lebensmittel ( Mafia) Industrie in Schutz nehmen möchte, aber die Verbraucher sind überwiegend auch selbst schuld. Wenn jemand beim Discounter eine Pizza für 99 cent kauft, kann doch ernstlich nicht erwarten, dass er dafür Qualität erhält. Man braucht doch nur mal logisch zu überlegen und bemerkt dann, dass das gar nicht geht. Andererseits ist es leider auch usus, dass der Verbraucher durchaus mehr Geld bezahlen will, wenn er dafür gute Qualität bekommt. Aber da haben die Unternehmen schnell eine neue Idee: Man muss den Verbrauchern nur durch eine zündende Marketing-Idee vorgaukeln, sie bekämen eine bessere Qualität. Und schon hat man einen höheren Profit. Und der geht bekanntlich über alles! Man tut sich damit leichter, weil viele Leute aus Zeitmangel oder anderen Gründen nicht kochen können. Und wer hat schon die Zeit, sich die Zutatenlisten und die Tricks durchzulesen, die auf den Verpackungen stehen. Dafür haben schon die Interessenvertreter der Lebensmittel-Industrie gesorgt. Insofern ist ein verstärkter Verbraucherschutz nötig. Wenn das aber nicht funktioniert, wovon man ausgehen muss, dann muss mehr kontrolliert und die Übeltäter müssen öffentlich benannt werden.
Da hatten wir zur gleichen Zeit eine ähnliche Idee.......
Liebe Lebensmittelindustrie,
Ihr müsst nur noch ein bisschen durchhalten. Wenn die Begriffe erst mal eingebürgert sind, wird sich kein Mensch, auch die Frau Liebrich nicht mehr drüber aufregen, dass in den von ihr bevorzugten Fertiggerichten nicht genau das drin ist, was drauf steht. So wird sich inzwischen niemand mehr aufregen, dass im Vogelfutter gar keine Vögel drin sind oder dass der Hundekuchen kaum Hund enthält. Und der Gipfe der Irreführung ist wahrscheinlich der Leberkäse, der weder Leber noch Käse enthält.
Frau Liebrich, versuchen Sie doch einfach mal wieder Fleisch und Gemüse zu kaufen und daraus selber ein vernünftiges Essen zu kochen und als Nachspeise etwas Obst. Da kann man super bestimmen, was reinkommt und wieviel davon.
Und wenn ein Joghurt mal nicht schmeckt, dann kauf ich ihn einfach nicht mehr.
Bitte etwas Augenmaß bewahren!
Fertigfutter liegenlassen. Frische Zutaten kaufen. Fruchtjoghurt aus Joghurt und Früchen selbermachen, zum Beispiel ... Das fängt doch schon beim "Soßenpulver" an. Ein ehrlicher selbst hergstellter Fond oder gar eine Glace da weiß man erstens, was drin ist und hat einen ganz unvergleichlichen Geschmack.
Aber es muß ja "schnell gehen" und kosten darf's auch nichts. Obwohl jeder weiß: "Was nix koscht', taugt nix".
Anstatt noch ein Bürokratiemonster zu schaffen, sollte man das Geld den Leuten qua echter Entlastung zukommen lassen, damit sie sich was Vernünftiges zum Essen und Trinken kaufen.
Ach ja, noch was: Wie oft wird diese Foodwatch-Fotoreihe eigentlich noch aufgeköchelt?
Paging