Das Kloster Plankstetten ist einer der größten Biobauernhöfe Bayerns - die Mönche zeigen, wie sich Geschäftssinn mit ökologischer Verantwortung verbinden lässt.
Den geistlichen Herrn sieht man Richard Schmidt beileibe nicht an. Wie er über den Hof stapft, in Arbeitsstiefeln, Jeans, grauem Sweatshirt und einer dicken, rotkarierten Holzfällerjacke - das wirkt nicht spirituell, sondern zupackend und hemdsärmelig. Was hatte sein Prior gesagt? "Wer nur arbeitet, wird Workaholic, wer nur betet, verliert die Bodenhaftung."
Mit göttlichem Segen? Bio-Bier aus dem Kloster Plankstetten. (© Foto: dpa)
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Um diesen Mann hier muss er sich vermutlich nicht sorgen: ein resoluter Bauer von 40 Jahren, mit Stoppelfrisur, Brille und dem Dialekt dieses Oberpfälzer Landstrichs. Mal drückt er hier im Vorbeigehen einen Schalter, mal schaut er dort in einer Stallecke nach dem Rechten, und gleichzeitig referiert er über die richtige Ernährung des Simmentaler Fleckviehs. Und dann entsetzt sich Frater Richard darüber, wie sie ihm einst in der Landwirtschaftsschule beibringen wollten, Boden, Arbeit und Kapital seien gleichrangige Produktionsfaktoren.
Das könne doch nicht sein, habe er damals heftig widersprochen. "Man kann die Schöpfung doch nicht gleichsetzen mit Kapital." Dieser Gedanke war der Anfang für eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte.
Ende der achtziger Jahre standen Frater Richard und seine 20 Mitbrüder im Benediktinerkonvent der Abtei Plankstetten im Altmühltal kurz davor, die Landwirtschaft aufzugeben und ihre Felder zu verpachten. Dann aber besannen sie sich der bäuerlichen Tradition ihres 1121 gegründeten Klosters, bauten ihre Landwirtschaft sogar kräftig aus und stellten 1994 komplett auf ökologische Produktion um. Die Dimension dürfte für eine Abtei in Deutschland einmalig sein: Mit knapp 200 Hektar bewirtschafteten Äckern und Wiesen, 55 Mutterkühen samt Kälbern und Mast, sowie etwa 150 Schweinen gehört das Kloster zu den größten Biobauern in Bayern.
"Natürlich gab es dabei am Anfang viel Gesprächs- und Diskussionsbedarf", sagt Pater Beda Sonnenberg. Er ist Prior-Administrator, eine Art Abt auf Zeit, den seine Mitbrüder kürzlich für drei Jahre gewählt haben, nachdem ihr bisheriger Abt Gregor Maria Hanke zum Bischof von Eichstätt berufen wurde. Pater Beda ist 40 Jahre alt; ein sehr belesener Mann mit Nickelbrille, der nachdenklich formuliert.
Der Benediktinerorden schickt seine Mönche nicht durch die Welt. Sie beten und arbeiten in Klöstern. "Wenn man fest an einem Ort lebt", sagt Prior Pater Beda, "dann möchte man, dass er gesund ist, und das setzt eine intakte Umwelt voraus." Ganz abgesehen davon: "Wir denken generell nicht kurzfristig, sondern in Jahrhunderten." Nun haben Mönche es immer schon verstanden, spirituelle Ansprüche geschickt mit weltlichem Pragmatismus und Geschäftssinn zu verbinden. Aber Ende der achtziger Jahre plagten die Plankstettener Benediktiner gleich zwei irdische Probleme.
Mangels Schülern stand ihr Knabeninternat samt Realschule vor dem Aus, bis dato die Haupteinnahmequelle des Klosters. Ihr Staudenhof war ein wenig rentabler Ackerbaubetrieb, für den der Nachfolger fehlte, nachdem der letzte gelernte Bauer unter den Mönchen gestorben war. Frater Richard erzählt, eines Tages hätten er und andere junge Mönche sich unterhalten, wie schade es wäre, die Landwirtschaft aufzugeben. Da bot er, ein gelernter Bäcker, seinen Mitbrüdern und Oberen an, Landwirt zu werden.
Seither tauscht er oft den schwarzen Habit mit der Arbeitskluft. In solcher sitzt er an einem unbehandelten Holztisch in der Küche des Staudenhofes, gleich unter dem Herrgottswinkel, zwei Herz-Jesu-Bildern und einer Marienstatue. In den ersten Jahren habe er noch konventionell gewirtschaftet, sagt Frater Richard. Je öfter er aber in Seminaren und Diskussionsforen saß, je mehr er über kaputte Böden, Tiere in engen Ställen und giftige Pestizide hörte, desto größer wurden seine Zweifel, "ob man so dem Schöpfungsauftrag wirklich gerecht wird". Der Wendepunkt, sagt Frater Richard, sei ein Vortrag über satellitengesteuertes Düngen gewesen. "Mir hat Angst gemacht, wenn man den Boden so vergewaltigt," sagt er.
Öko-Landwirtschaft wurde damals von vielen als grüne Spinnerei abgetan, wohl auch in den Gängen der Plankstettener Abtei. Heute betreiben die Benediktiner nicht nur Öko-Landwirtschaft, sondern fahren auch Autos mit Rapsölantrieb. Sie heizen ihr Kloster mit Holz-Hackschnitzeln aus den Wäldern der Umgebung, backen Ökobrot und stellen Bio-Wurst und -Fleisch her. Sie betreiben einen Naturkostmarkt, und in der Klosterschenke werden nur aus Bio-Produkten gekochte Mahlzeiten serviert.
Ebenso im Gästehaus, dem zweiten wirtschaftlichen Standbein neben dem Öko-Geschäft. Systematisch haben die Benediktiner ihr Kloster saniert und modernisiert, konsequent nach baubiologischen Grundsätzen, versteht sich. Prior Pater Beda sagt, das ganzheitliche Prinzip des ökologischen Wirtschaftens und Lebens habe als eine Form praktizierten Christentums die gesamte Abtei erfasst.
So ist das Kloster auch mehr denn je ein Unternehmen geworden, mit über 80 Angestellten - und wohl auch lukrativen Geschäften. Über genaue Erträge hüllen sich alle in mönchisches Schweigen. 2006 seien die Umsätze der Klosterbetriebe GmbH um 20 Prozent gewachsen, verrät immerhin deren Verkaufsleiter Ulrich Visschers. Er gehört zu den Profis von außerhalb, welche die Männer Gottes engagiert haben. PR-Leute halfen ihnen, für ihre mittlerweile 450 Öko-Produkte einen Werbeslogan zu kreieren: "Leben aus dem Ursprung." Gut die Hälfte der selbst erzeugten Bio-Ware wird über Natur- und Feinkostläden, Reformhäuser und kirchliche Einrichtungen innerhalb des Städtedreiecks Nürnberg-Ingolstadt-Regensburg vertrieben. Den Rest braucht man für sich und die jährlich etwa 20 000 Klosterbesucher.
Am Riedenburger Brauhaus, das mit Bio-Braugerste aus Plankstetten Bier im Namen des Klosters braut, ist man mit zehn Prozent beteiligt. "Unser Vorteil ist, dass die Kunden mit einem Kloster Werte wie Fairness, Ehrlichkeit, Redlichkeit und Zuverlässigkeit verbinden", sagt Visschers. Trotzdem müssen Qualität und Preise stimmen.
Frater Bonifaz musste hart arbeiten, um das Backen mit Bio-Zutaten zu lernen. Er steht in einer hochmodernen Backstube, an deren Wand ein Kruzifix hängt. "Meine ersten Öko-Brötchen waren eine Katastrophe", erzählt der Bäckermeister freimütig. "Weil Biomehl ganz anders reagiert als herkömmliches, wurden sie viel zu hart und winzig", sagt er. Heute hat Frater Bonifaz das Bio-Backhandwerk im Griff. Nur mit den in seinem Orden verbindlichen, täglichen Gebetszeiten tut er sich schwer, seit er jede Nacht ab halb ein Uhr in der Backstube steht. Aber da seien die Mitbrüder großzügig. Schließlich sei für ihn "Arbeiten in unserer Öko-Bäckerei auch ein Stück Gottesdienst".
(SZ vom 24.3.2007)
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