Möglicher Verkauf Wie es bei der Postbank weitergeht

(Foto: Felix Heyder dpa/lnw)
  • Bei der Postbank wird gestreikt: In mehreren Bundesländern blieben an diesem Montag Filialen geschlossen. Bis Ende der Woche soll der Streik noch verschärft werden.
  • Die Beschäftigten wollen 5,5 Prozent mehr Lohn, noch wichtiger aber ist ihnen, dass der Kündigungsschutz bis 2020 ausgeweitet wird.
  • Die Unruhe rührt auch von den Plänen der Deutschen Bank: Diese will die Postbank offenbar nicht mehr haben und sie verkaufen oder an die Börse bringen.
Von Harald Freiberger, Stephan Radomsky und Meike Schreiber, Frankfurt

Geschlossene Filialen - ist das die Zukunft der Postbank? Zahlreiche Niederlassungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen blieben am Montag dicht, zunächst für drei Tage. Was in den vergangenen Wochen mit Warnstreiks begann, hat sich zu einem unbefristeten Streik ausgeweitet. Etwa 12 000 Beschäftigte der Filialen, der Firmenkunden AG und der Tochter BHW sind betroffen. In der Urabstimmung sprachen sich 95 Prozent dafür aus.

Die Gewerkschaft Verdi will die Streiks nun schrittweise verschärfen, gegen Ende der Woche sollen sie einen ersten Höhepunkt erreichen. "Weil nach wie vor auch Beamte in den Postbank-Filialen arbeiten, wird der Streik den Betrieb voraussichtlich nicht ganz lahmlegen - aber die Kunden müssen sich schon auf deutliche Verzögerungen einstellen", sagt Tina Scholze, die für die Gewerkschaft Verdi im Aufsichtsrat der Postbank Filialvertrieb AG sitzt. Auch flächendeckende Streiks in allen Filialen seien möglich, wenn sich Postbank und Deutsche Bank nicht bewegten.

Was die Beschäftigten fordern - und was sie verunsichert

Die Beschäftigten wollen 5,5 Prozent mehr Lohn, noch wichtiger aber ist ihnen etwas anderes: Der Kündigungsschutz soll bis 2020 ausgeweitet werden. Mit dieser Forderung bissen sie beim Arbeitgeber auf Granit. Es sei wegen des Drucks auf die Erträge und des Strukturwandels der Branche nicht umsetzbar, teilte der mit.

Und dann gibt es noch ein anderes Thema, das bei den Postbank-Beschäftigten Unsicherheit auslöst: Sie wissen nicht mehr, wo sie hingehören. Die Deutsche Bank, die das Bonner Institut nach 2008 übernahm, will es offenbar nicht mehr haben. Nach einem Strategieplan, den der Vorstand an diesem Freitag dem Aufsichtsrat vorlegt, soll die Postbank verkauft oder an die Börse gebracht werden.

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"Sicherlich haben die Pläne der Deutschen Bank etwas damit zu tun, dass es für die Mitarbeiter der Postbank keine Jobgarantien mehr geben soll", sagt Scholze. Schließlich könne so ein Kündigungsschutz beim Verkauf bedeuten, dass die Postbank für den Käufer unattraktiver werde - und damit der Preis sinke.

Ein Verkauf der Postbank mit ihren 14 Millionen Kunden dürfte alles andere als ein Selbstläufer werden - dafür ist das Geschäft mit deutschen Privatkunden viel zu wenig ertragreich. Hinzu kommt die nicht enden wollende Phase niedriger Zinsen, die es den Instituten allesamt erschwert, ausreichend Geld zu verdienen.

Warum die Postbank verkauft werden soll

Die Postbank war zuletzt zwar profitabel, aber mit einer Eigenkapitalrendite von gut fünf Prozent nicht gerade eine Ertragsperle. Außerdem ist es der Deutschen Bank nicht gelungen, die erhofften Vorteile aus der Übernahme einzufahren. Zum Beispiel untersagte ihr die Finanzaufsicht Bafin, die Postbank-Kundeneinlagen zu verwenden, um sich selbst zu refinanzieren. Außerdem kam die milliardenteure Integration der IT-Plattformen nicht so schnell voran, wie man es sich erhofft hatte. Auch kulturell blieb die Postbank ein Fremdkörper.

"Ohne großen Abschlag zum Buchwert wird es für die Deutsche Bank schwierig sein, die Postbank zu verkaufen", sagt ein Investmentbanker, der auf den Verkauf von Banken spezialisiert ist, aber nicht genannt werden will. "Alle internationalen Käufer werden sich immer fragen, was mache ich besser als die Deutsche Bank, und da wird ihnen vermutlich wenig einfallen."

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Nach 2008 kaufte die Deutsche Bank die Postbank in mehreren Schritten für 6,3 Milliarden Euro. Zu welchem Wert sie die Tochter derzeit in ihrer Bilanz stehen hat, ist nicht bekannt. Sehr wahrscheinlich aber dürfte sie bereit sein, einen Abschlag auf diesen Wert hinzunehmen, geht es ihr doch in erster Linie darum, durch den Verkauf Eigenkapital freizusetzen.

Bislang muss sie für das Kreditgeschäft der Postbank Eigenkapitalreserven für Ausfälle vorhalten. Selbst wenn sie bei einem Verkauf einen Buchverlust hinnehmen müsste, würde dies unter dem Strich also Kapital freispielen, das sie wiederum benötigt, um weiter Investmentbanking betreiben zu können. Auch wenn das Investmentbanking verschlankt wird, frisst es schon allein wegen der strengen Regulierung immer noch viel Kapital.

Wie es für die Postbank weitergehen könnte

Wie in solchen Fällen üblich, dürfte die Deutsche Bank zunächst - wohl noch vor der Sommerpause - versuchen, die Postbank zweigleisig zu verkaufen: Sie wird einen Börsengang vorbereiten und zugleich Wettbewerber bitten, Angebote abzugeben. Da Konkurrenten, die bereits auf dem deutschen Markt unterwegs sind, leichter Kosten sparen könnten, dürften diese bereit sein, einen höheren Preis zu bezahlen, als bei einem Börsengang drin wäre. Gehandelt wurden zuletzt immer wieder der spanische Bankkonzern Santander und die französische Großbank BNP Paribas.

Aber auch eine Übernahme durch die Commerzbank oder die Unicredit-Tochter Hypo-Vereinsbank gilt als denkbar. Die Commerzbank müsste zwar frisches Kapital aufnehmen, würde dafür aber wohl aus Berlin Unterstützung bekommen. Der Bund hält noch 17 Prozent an der Commerzbank und könnte so eine Übernahme durch eine ausländische Bank verhindern.

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"Anderswo in Europa können Banken bis zu 35 Prozent Eigenkapitalrendite im Privatkundengeschäft verdienen, der deutsche Markt ist dafür viel zu zersplittert", sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing dem Manager Magazin. Und ohne konkret auf die Postbank eingehen zu wollen: "Wir glauben daher, dass man neue Kunden gewinnen muss, um die Kapazitäten besser auszulasten. Deshalb wollen wir im Privatkundengeschäft wachsen." Dort betreut die Commerzbank derzeit etwa 15 Millionen Kunden.

Übrigens: Schon vor Monaten schuf die Deutsche Bank wichtige Voraussetzungen, um sich von der Postbank zu trennen. Nach SZ-Informationen hat der Konzern bereits im Oktober still und heimlich bei etwa 50 IT-Führungskräften von Postbank und Deutscher Bank die Zuständigkeiten wieder entflochten. Wie Bank-Insider berichten, ging es dabei um die fachlichen Berichtslinien, die zuvor bewusst verschränkt waren: Wer zum Beispiel für das Online-Banking der Postbank tätig war, hatte zwar einen disziplinarischen Vorgesetzten in der Postbank, zugleich aber seinen "fachlichen" Vorgesetzten in der Deutschen Bank, der mit den gleichen Themen befasst war - und umgekehrt. Das Ganze sollte Kosten sparen und Synergien bringen. Wegen der unterschiedlichen Kulturen war es aber zuweilen auch mühselig. Bald dürfte es zu einer noch viel tiefer greifenden Entflechtung kommen.