Möglicher Strategiewechsel Alles neu bei der Deutschen Bank

Die Strategie von Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain erinnert an Angela Merkels Vorgehen bei Reformen.

(Foto: dpa)
  • Die Deutsche Bank will sich umfassend reformieren. Nach SZ-Informationen gibt es mehrere Optionen, wie das Geschäft künftig aussehen könnte.
  • Die radikalste Variante: Die Bank könnte sich zur Gänze aus dem Privatkundengeschäft zurückziehen.
  • Die Politik hat sich allerdings wohl eher eine andere Maßnahme vorgestellt.
Von Andrea Rexer

Es war ein kleiner Kreis von nur zwölf Eingeweihten, die in den vergangenen Monaten über eine neue Strategie für die Deutsche Bank beraten haben. An diesem Wochenende hat das Team um Strategievorstand Stefan Krause nach Informationen der Süddeutschen Zeitung dem Aufsichtsrat drei Optionen vorgelegt, wie eine neue Deutsche Bank aussehen könnte.

Es ist der Startschuss für eine breit angelegte Diskussion: Denn nun werden nicht nur Vorstand und Aufsichtsrat diskutieren, sondern es werden etwa 200 Mitarbeiter aus den verschiedenen Geschäftsbereichen in den Prozess einbezogen, an dessen Ende eine völlig neue Bank stehen könnte: Eine der Optionen ist es, dass sich die Deutsche Bank zur Gänze aus dem Privatkundengeschäft zurückzieht. Auch die anderen beiden Optionen beinhalten harte Einschnitte. Eines ist nach diesem Wochenende klar: Die Deutsche Bank wird in drei Jahren ein völlig anderes Institut sein.

Offiziell wollte ein Sprecher der Bank die Informationen nicht kommentieren, bestätigte aber, dass es im zweiten Quartal Neuigkeiten zur Strategie geben werde.

Das Vorgehen der beiden Co-Vorstandschefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain in diesem Strategieprozess ist bemerkenswert. Normalerweise zieht sich bei solch wichtigen Entscheidungen der Vorstand zurück und legt nach einer internen Debatte ein Papier vor, wie es weitergehen soll.

Heiße Diskussionen bis zur Hauptversammlung

Fitschen und Jain kopieren mit ihrer Vorgangsweise das System Angela Merkel: Die deutsche Kanzlerin ist bekanntlich damit sehr erfolgreich, zuerst die anderen diskutieren zu lassen und sich dann die mehrheitsfähigste Option zu eigen zu machen. Das birgt zwar einerseits die Gefahr, dass den beiden Co-Chefs der Prozess entgleitet, doch solange sie selbst keine klare Stellung beziehen, kann ihnen niemand vorwerfen, dass sie mit ihrem Strategievorschlag gescheitert wären. Das macht sie gewissermaßen unangreifbar.

Auf dem Tisch liegen nun drei Optionen, über die bis zur Hauptversammlung am 21. Mai eine Entscheidung getroffen werden muss. Die erste Option könnte man mit "mehr vom selben" überschreiben. In dieser Variante bleibt die Grundstruktur der Bank erhalten, nach der Rasenmähermethode wird überall ein wenig gekürzt. "Kleine Pflaster kleben", nennen das manche - und damit drückt sich schon die Hauptkritik aus: Diese Strategie braucht drei bis fünf Jahre, bis die Bank ihre Ziele erreicht, nämlich eine kleinere Bilanzsumme und eine höhere Kapitalquote. Diese Variante würde viele Mitarbeiter den Job kosten.

Die radikaleren Optionen

Die zweite Option ist radikaler: Hier gibt es sofort harte Einschnitte bei der Investmentbank und im Privatkundengeschäft. Demnach soll in der Investmentbank das Geschäft mit Banken und Schattenbanken um 150 Milliarden Euro verkleinert werden, man will sich jedoch nicht aus bestimmten Produkten zurückziehen, eine Universalbank bleiben. Im Privatkundengeschäft würde die Postbank verkauft oder an die Börse gebracht werden, dabei würde sich die verbleibende Privatkundenbank aus dem Hypotheken- und Ratenkreditgeschäft verabschieden. Damit könnte die Bilanzsumme schnell um 400 Milliarden Euro reduziert werden.

Die dritte Variante scheint die Bank vor allem für eine Zielgruppe geschrieben zu haben: für die Politik. Denn sie folgt dem Trennbankenmodell. Darin würde die Deutsche Bank die "gelbe" Postbank in das "blaue" Deutsche-Bank-Privatkundengeschäft voll integrieren und die neue Einheit nach zwei Jahren an die Börse bringen. Welche Marke diese neue Bank dann haben würde, ist noch offen. Der Vorteil: Auch hier würde die Kernbank nur mehr eine Billion Euro Bilanzsumme haben, so wie in den anderen Versionen auch.

Die Politik allerdings hat sich wohl eher den Verkauf der Investmentbank vorgestellt und nicht eine Deutsche Bank ohne Privatkunden-Filialen - doch die Option liegt nicht auf dem Tisch. Ganz so viel Mitsprache darf's dann eben doch nicht sein.