Netzwerkausrüster Nokia bietet 15,6 Milliarden für Rivalen Alcatel

Ohne Netze kein Internet: Rechenzentrum von Alcatel-Lucent.

(Foto: Jasper Juinen/Bloomberg)
  • Der finnische Nokia-Konzern will den französischen Netzwerkausrüster Alcatel-Lucent für 15,6 Milliarden Euro übernehmen.
  • Damit soll der neue Konzern zum Marktführer im hart umkämpften Geschäft der Technik für Telefon- und Mobilfunknetze aufsteigen.
  • Der Deal soll bis zum zweiten Halbjahr 2016 umgesetzt sein.
Von Varinia Bernau

Technik, die Millionen nutzen - ohne es zu wissen

Der Technologiekonzern Nokia sucht den Schulterschluss mit Alcatel-Lucent, um zurück zu alter Größe zu finden. Die Fusionspläne der beiden Netzwerk-Ausrüster sind jetzt offiziell. Die finnische Offerte bewertet den Rivalen aus Frankreich demnach mit 15,6 Milliarden Euro, teilte Nokia am Mittwoch mit. Der Kaufpreis soll vollständig in Aktien bezahlt werden. Der Chef von Alcatel-Lucent, Michel Combes, sprach sich auf das Übernahmeangebot hin für eine Fusion aus.

Nach dem Verkauf seiner Handy-Sparte an Microsoft vor eineinhalb Jahren hat Nokia genug Geld auf der hohen Kante - und ist hauptsächlich Netzwerkausrüster, liefert also Netz-Technik an Telekom- und Mobilfunkkonzerne. Technik, die Millionen Menschen täglich nutzen, ohne es zu wissen. Heute vor allem, um zu telefonieren und zu twittern; in Zukunft womöglich auch, um bei der Kontrolle des Blutdruck oder auf dem Rücksitz eines selbstfahrenden Autos.

Erst am Dienstag hatte Nokia verkündet, in der hart umkämpften Branche zur Nummer eins aufsteigen zu wollen. Hier kommt es vor allem auf die Größe eines Unternehmens an: Denn die Großen bekommen bei den Zulieferern Mengenrabatt auf die eingekauften Bauteile. Und sie machen mit der Software zur Steuerung der Netze mehr Gewinn, wenn sie die einmal entwickelten Dienste in immer neue Regionen bringen.

Bislang liegt Ericsson vorne

In dem Geschäft, in dem im vergangenen Jahr nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Gartner knapp 170 Milliarden Dollar umgesetzt wurden, liegt bislang der schwedische Konzern Ericsson vorn, dicht gefolgt vom chinesischen Anbieter Huawei. Alcatel-Lucent und Nokia waren bislang Nummer drei oder Nummer vier - je nachdem, ob man auf die Ausrüstung von Mobilfunk- oder Kabelnetzen blickt. Gelingt der Zusammenschluss, so entsteht ein Konzern, der ähnlich viel Umsatz macht wie Ericsson.

Dass es zu viele Anbieter gibt, darin sind sich die Vertreter in dieser Branche einig. Siemens hatte seine Netzwerksparte vor acht Jahren mit Nokia zusammengelegt und zog sich vor knapp zwei Jahren aus dem Gemeinschaftsunternehmen zurück. Zu dem Zeitpunkt hatte Nokia-Siemens-Networks unterm Strich noch keinen Gewinn gemacht. Unter der alleinigen Führung der Finnen aber schlug sich der Ausrüster besser: Unternehmenschef Rajeev Suri machte ihn zu einem Spezialisten für LTE, also für jenes neue Mobilfunknetz, das schnelleres Surfen im Internet ermöglicht. Der indische Manager sortierte alles aus, was nicht dazu passte. Und er strich weltweit mehr als 20 000 Stellen. Gleichzeitig aber gewann er Aufträge - vor allem in Japan, Südkorea und Nordamerika. Dort also, wo die ersten Netze auf den neuen Mobilfunkstandard umgerüstet wurden.

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Wettrennen im Orbit: Google beteiligt sich an Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX - mit bis zu einer Milliarde Dollar. Das Ziel ist ein Satellitennetz, um das Internet in entlegenste Gegenden zu bringen. Doch daran arbeitet jetzt auch Rivale Richard Branson.

Alcatel wiederum, der französische Konzern, der sich 2006 mit dem amerikanischen Unternehmen Lucent Technologies zusammentat, kennt sich vor allem mit Kabelnetzen aus - und wäre deshalb der ideale Partner. "Die bringen das mit, was Nokia im Zuge der Sanierung abstoßen musste", sagt der Gartner-Analyst Sylvain Fabre.

Sich auf die Ausstattung von Mobilfunk- und Festnetzen zu verstehen, ist in den vergangenen Jahren wichtiger geworden. Deutsche Telekom, Vodafone oder ähnliche Anbieter locken Kunden mit Rundumpaketen. Und sie merken, dass sie die enormen Datenmengen nur dann schnell durch ihre Netze schleusen können, wenn sie alle Transportwege nutzen. Wer als Netzausrüster punkten will, muss also beides im Angebot haben. Mit seinen Kunden in Amerika könnte Alcatel-Lucent Nokia zudem in einer Region helfen, in der die Finnen bislang schwach sind.

Nokia will 900 Millionen sparen

Der Zusammenschluss soll nach den Plänen Nokias in der ersten Jahreshälfte 2016 abgeschlossen werden und bis 2019 etwa 900 Millionen Euro an Betriebskosten sparen. Es sei der richtige Schritt zur richtigen Zeit, sagte Nokia-Chef Rajeev Suri, der auch dem neuen Konzern vorstehen soll.

Michel Combes, Chef von Alcatel-Lucent, sagte, er selbst habe Nokia davon überzeugt, nicht nur das Mobilfunkgeschäft der Franzosen zu kaufen, sondern den gesamten Konzern. Die Finnen hätten es zunächst nur auf die Sparte für Mobilfunknetze abgesehen. Wie bereits vorab erklärt, wird Nokia nicht das Untersee-Kabelgeschäft von Alcatel-Lucent übernehmen. Dieses soll laut Combes privatisiert oder an die Börse gebracht werden.

Die Alcatel-Aktie gab nach Gewinnen am Vortag zum Handelsbeginn acht Prozent nach. Das Nokia-Papier erholte sich hingegen um etwa drei Prozent.