Modeindustrie Mode-Marke Naketano vor dem Aus

Dicke Kordel, großes Logo: Das sind die Pullover von Naketano.

(Foto: Jessy Asmus)
  • Sexistische Produktnamen machten Naketano bekannt. Der Modehandel meldete steigende Umsätze.
  • Dennoch will die Essener Firma Ende des Jahres ihren Betrieb einstellen.
  • Die unklaren Hintergründe der Ankündigung sorgen für Spekulationen.
Von Benedikt Müller, Düsseldorf

Es ist noch nicht lange her, dass ein Handelskonzern wie Galeria Kaufhof die Pullover von Naketano erwartungsvoll in sein Sortiment aufnahm. "Mit Naketano wird es gemütlich", warb die Kette noch im Herbst. Das Unternehmen aus Essen ist in nur wenigen Jahren zur gefragtesten deutschen Modemarke junger Menschen aufgestiegen. Zwar stößt Naketano mit prononciert sexistischen Produktnamen auf Kritik. Der Modehandel meldet aber dankbar steigende Umsätze mit der Jugendmarke.

Doch nun schocken Sascha Peljhan und Jozo Lonac, die Naketano im Jahr 2005 gründeten, die Modewelt: Geradezu beiläufig hat das Unternehmen dem Handel angekündigt, dass es seinen Betrieb zum Jahresende einstellen wolle. Erste Modehäuser bestätigen am Mittwoch, dass sie ein entsprechendes Schreiben erhalten haben. Demnach soll die Herbst-Winter-Kollektion 2018 die letzte unter der Marke werden. "Wir liefern nur noch bis zum 31.12.2018", zitiert die Fachzeitschrift Textilwirtschaft aus einer "wichtigen Mitteilung" der Geschäftsleitung an den Handel. Auch der Online-Shop des Herstellers solle zum Jahresende schließen.

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Zum Hintergrund ihrer Ankündigung wollen sich die ohnehin recht verschwiegenen Geschäftsführer nicht äußern. Ist die Trend-Marke in eine jähe Krise geraten? Will Naketano den Händlern womöglich nur drohen? Oder werden die Designer mit ihren Mitarbeitern unter anderem Namen weitermachen? Die Essener teilen lediglich mit, dass weder die Firma noch die Marke verkauft würden. "Es ist Zeit für eine Veränderung", schreiben sie.

Bislang war Naketano eine kleine Erfolgsgeschichte der ansonsten schwer angeschlagenen Textilindustrie in Deutschland. Das Unternehmen aus dem Ruhrgebiet beliefert Ketten und kleine Modegeschäfte mit sogenannter Streetwear, also bequemer Freizeitkleidung. Sie hat es in die Regale von Peek und Cloppenburg oder Sportscheck sowie in das Online-Sortiment von Amazon oder Zalando geschafft.

Naketano wollte, so steht es im jüngsten Lagebericht, gezielt Menschen zwischen 20 und 30 Jahren ansprechen: "Wir möchten, dass die Trägerinnen unserer Kleidungsstücke darin ihr Lieblingsteil finden." Bekannt ist die Marke für bunte Kapuzenpullover und Jacken, die sie in China und der Türkei fertigen lässt. Sie kommen für gewöhnlich mit dicken Kordeln und reichlich Kunstleder-Aufnähern daher.

Viele Textilhersteller leiden unter dem Wettbewerb im Modehandel

Mit ihrem Marketing polarisiert das Unternehmen, das einen Großteil seines Umsatzes in Deutschland erwirtschaftet. Naketano wirbt um vegane Kunden, stellt heraus, auf tierische Materialien zu verzichten. Gleichzeitig macht die Marke mit sexistischen Bezeichnungen auf sich aufmerksam: Nicht nur der Firmenname erinnert eher an Nacktheit denn an Bekleidung. Naketano erntet etwa auch in seiner Damen-Kollektion Kritik für Textilien namens "Monsterbumserin" oder "Gespreizt wie Gereizt". Im Herren-Sortiment finden sich Produktnamen wie "Italienischer Hengst" - für ein ansonsten recht einfältiges Sweatshirt übrigens.

Die provokanten Bezeichnungen prangen aber nicht als Aufschrift auf den Klamotten, und viele Händler hausieren nicht mit den Begriffen von Naketano. Lediglich im Etikett und im Online-Handel tauchen diese auf. Man wolle damit aber niemanden vor den Kopf stoßen, teilte die Marke stets mit. "Die Produktnamen sind Ausdruck unserer künstlerischen Freiheit."

Trotz der Kritik wirtschafteten die Essener bislang erfolgreich. 2015 ist der Umsatz um gut 50 Prozent gestiegen, auf mehr als 23 Millionen Euro. Aktuellere Zahlen hat Naketano bislang nicht im Bundesanzeiger veröffentlicht. Viele andere Textilhersteller hierzulande leiden unter dem harten Wettbewerb im Modehandel, den sowohl Internet-Konzerne wie Amazon oder Zalando befeuern als auch Billig-Ketten wie Primark. Beispielsweise hatten im vorigen Jahr die fränkische Basler Fashion und die Münchner Firma Roeckl Insolvenzanträge gestellt.

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