Der britische Finanzinvestor Apax will offenbar bei Escada einsteigen - und gemeinsam mit dem russischen Großaktionär Rustam Aksenenko die Mehrheit an dem Modekonzern übernehmen. Auch im Vorstand soll es Veränderungen geben.

Neuer Vorstandsvorsitzender soll der bisherige Hugo Boss-Chef Bruno Sälzer werden, wie das Handelsblatt unter Berufung auf einen "Kenner der Verhandlungen" berichtete. Dieser sagte dem Blatt, Apax wolle sich nicht nur finanziell an Escada beteiligen, sondern auch ein neues Management mit einbringen. Die neue Eigentümer-Konstellation soll dem Bericht zufolge bis zur Escada-Hauptversammlung am 17. April stehen.

Anzeige

Sälzer hatte erst Mitte Februar den Vorstandsvorsitz bei Deutschlands größtem Modekonzern Hugo Boss aufgegeben. Er wollte die vom neuen Eigentümer, dem Finanzinvestor Permira, geforderte Sonderausschüttung nicht mittragen. Sälzer, dessen Vertrag bei Hugo Boss noch bis Ende Juni läuft, könnte seinen neuen Job Anfang Juli antreten. Die von ihm noch nachträglich für 730.000 Euro unterschriebene Konkurrenzausschlussklausel gilt nur für bestimmte Marken. Der Damenluxusmodeschneider Escada gehöre offenbar nicht dazu, berichte die Zeitung unter Berufung auf Konzernkreise.

Dramatisch an Wert eingebüßt

Die Aktie des 1976 gegründeten und einst größten und international bekanntesten deutschen Modekonzerns Escada hat in den vergangenen Monaten dramatisch an Wert verloren. Im Sommer lag der Kurs noch bei über 35 Euro, inzwischen notiert der S-Dax-Konzern bei rund 13 Euro.

Ende Februar hatte Escada eine tiefrote Bilanz für das Geschäftsjahr 2006/2007 präsentiert. Bei einem leicht rückläufigen Umsatz von 686 Millionen Euro belief sich der Verlust auf 27,3 Millionen Euro.

Auch das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres enttäuschte Analysten und Anleger.

Zusätzlich zu den 27 Prozent des russischen Großaktionärs und künftigen Partners könnte sich Apax nun zu wesentlich günstigeren Kursen mit Anteilen an den Finanzmärkten eindecken, heißt es in dem Bericht weiter. An der Börse ist Escada nur noch 230 Millionen Euro wert.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Feuchtgebiete und Witwengifte

Wie viel ist uns die Umwelt wirklich wert? Eine Suche nach dem Preis der Natur. Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/dpa/AFP/mel)