Mode Die Ära des Otto-Katalogs endet

Der Otto-Versand warb auf seinen Katalogen mit bekannten Models wie hier Heidi Klum.

(Foto: dpa/dpaweb)
  • Heidi Klum, Claudia Schiffer und Gisele Bündchen zierten das Otto-Cover.
  • Nach 68 Jahren erscheint der Katalog zum letzten Mal - er hat den Wechsel ins digitale Zeitalter nicht überlebt.
  • Die Zeit der Mode-Kataloge ist vorbei. Nun bleibt uns nur noch Ikea.
Von Angelika Slavik

Es steht außer Frage, dass der Herbst-Winter-Katalog aus der Saison "1993/94" der Beste von allen war. Claudia Schiffer war auf dem Cover abgebildet, sie trug ein riesiges rotes Ungetüm, was keine Rolle spielte, schließlich war sie Claudia Schiffer. Es war die Zeit, in der man ein Model noch Modell nannte, mit zwei "l" und Betonung auf der letzten Silbe. Die Schiffer war das Starmodell überhaupt. Und jetzt war sie auf dem Cover des Otto-Katalogs. Eine Sensation.

Zur Sicherheit haben sie es trotzdem dazugeschrieben, gleich neben die blonde Wallemähne: "Unser Titel: Starmodell Claudia Schiffer". Damit es auch keine Missverständnisse gibt. Nicht dass jemand denkt, das sei nur irgendeine Frau, die so ähnlich aussieht. Vielleicht hätte sonst jemand gesagt, die Schiffer würde nie so ein rotes Ungetüm anziehen, und für Otto posieren würde die schon gar nicht.

Claudia Schiffer war noch weitere Male auf dem Titel, 1995 und 1998. Später zierten auch noch Cindy Crawford und Elle Macpherson das Otto-Cover, Jahre danach Heidi Klum, Karolina Kurkowa und Gisele Bündchen. Aber die historische Leistung, das Einkaufen beim Versandhändler irgendwie schick zu machen, hat Claudia Schiffer vollbracht, in diesem Herbst 1993.

Das teure Nachspiel der Neckermann-Pleite

Vor sechs Jahren meldete der Versandhandels-Konzern Insolvenz an: Geschah das womöglich viel zu spät? Die Insolvenzverwalter verlangen per Klage knapp 20 Millionen Euro von früheren Managern. Von Klaus Ott und Jan Willmroth, Frankfurt mehr ...

In ein paar Wochen wird wieder ein Katalog von Otto erscheinen: Frühjahr/Sommer 2019. Man weiß nicht, ob es ein stiller Abschied wird oder ob die Leute von Otto es noch einmal richtig krachen lassen. Sie könnten die Schiffer, die Klum und all die anderen noch einmal vorn drauf klatschen, alle in irgendwelchen riesigen roten Ungetümen, das wäre nur angemessen. Denn dann ist es vorbei.

Der Otto-Katalog wird eingestellt, damit ist das Zeitalter dieser buchdicken Versandbibeln endgültig zu Ende. Konkurrent Quelle ging schon 2009 pleite, Neckermann stellte seinen Katalog 2012 ein und stellte noch im gleichen Jahr Insolvenzantrag. Nur Otto hat sich gehalten, aber mittlerweile bräuchten die Kunden nun mal keinen Katalog mehr, heißt es bei dem Unternehmen: 95 Prozent der Kunden bestellten über das Internet. Zudem ändern sich Sortiment und Preise heute ohnedies schneller, als die Händler Kataloge drucken könnten.

Der erste Katalog hatte nur 14 Seiten

Und Otto vertreibt auf seinen Plattformen heute auch Angebote anderer Händler. Der Konzern sieht sich als deutsche Alternative zu Amazon, und je umfangreicher das Sortiment ist, desto größer sind die Chancen, die Kundschaft abzuwerben und dauerhaft an sich zu binden. Otto ist heute eben ein E-Commerce-Unternehmen. Anders als seine Konkurrenten aus der Katalog-Ära hat der Konzern deshalb den Wechsel ins digitale Zeitalter nicht nur überlebt, sondern genutzt, um seine Marktposition enorm auszubauen.

Trotzdem darf man den Katalog vermissen, schon aus nostalgischen Gründen: Der erste erschien vor 68 Jahren, ein Jahr nach der Gründung des Konzerns. Er war handgebunden, Auflage 300 Stück, und umfasste 14 Seiten, auf denen 28 Paar Schuhe zu sehen waren. Sonst nichts. Das Sortiment wuchs, irgendwann führte das Unternehmen den Kauf auf Rechnung ein. Bestellen ohne Risiko machte den Katalog beliebt bei Familien. Die Unterwäscheseiten machten den Katalog beliebt bei pubertierenden Jungs. Und jetzt? Bleibt uns nur noch Ikea.

Das seltsame Phänomen der Protz-Mode

Darf's ein bisschen sehr viel mehr sein? Moderator Kai Ebel trägt ein Monstrum am Arm, das sich erst auf den zweiten Blick als Uhr entpuppt. Auch Designer wie Philipp Plein haben Erfolg mit Mode für Menschen, die klotzen statt kleckern. mehr... SZ-Magazin