Mischkonzern Siemens streicht 3300 Stellen in Deutschland

  • Der Siemens-Vorstand baut sein Unternehmen radikal um. In der Folge werden weltweit 7800 Stellen wegfallen, 3300 davon in Deutschland.
  • Bis zum Jahr 2016 will Siemens eine Milliarde durch Entschlackung des Konzerns einsparen.
Von Christoph Giesen

Tausende Stellen fallen weg

Neun Monate ist es her, dass Siemens-Chef Joe Kaeser in Berlin vor die Presse trat und einen der größten Konzernumbauten der vergangenen Jahre vorstellte. Neun Monate wurde seitdem spekuliert, wie viele Stellen dem Projekt wohl zum Opfer fallen werden. Mal war von 5000 Arbeitsplätzen zu lesen, andere berichteten von 10 000 Stellen.

Das war für viele Mitarbeiter des Unternehmens ein zermürbender Prozess . Nun ist endlich die Entscheidung gefallen: Weltweit sollen etwa 7800 Arbeitsplätze wegfallen. In Deutschland stehen 3300 Stellen vor dem Aus.

Relikte aus den Löscher-Jahren

Als Kaeser im Sommer 2013 das Amt des Siemens-Chefs übernahm, war der Konzern in vier Sektoren gegliedert, die allesamt umsatzstark genug waren, um jeder für sich im Dax notiert zu sein. Eingeführt hatte diese Struktur Kaesers Vorgänger Peter Löscher. Und diese vier Sektoren waren über die Jahre immer bürokratischer geworden. Jeder Sektor hatte eine eigene Personalabteilung, eine eigene Kommunikationsabteilung und eigene Marketingtruppen.

Keiner stoppt Kaeser

Selten hat ein Manager in Deutschland in so kurzer Zeit so viel Macht angehäuft wie Joe Kaeser, seit eineinhalb Jahren Siemens-Chef. Das ist nicht gut. Macht der Boss Fehler, schadet das dem ganzen Konzern. Kommentar von Christoph Giesen mehr ... Kommentar

Ein weiteres Relikt aus den Löscher-Jahren waren die sogenannten Cluster. Statt an die Zentrale zu berichten, wurde in den Landesgesellschaften im Ausland viel in den selbstverwaltenden Clustern beratschlagt. Die Westeuropäer unter sich, genauso wie die Ostasiaten oder die Nordamerikaner. Die Konsequenz: Vor allem im Ausland hatten manche Manager drei Chefs. Den direkten Vorgesetzen im eigenen Land, einen fachverantwortlichen in Erlangen oder München und dann noch den Cluster-Chef.

Eingeführt worden war diese Struktur unmittelbar nach dem Korruptionsskandal. Die Idee dahinter war simpel: Je mehr Augen auf ein Geschäft gerichtet sind, desto geringer die Chance, erneut Schmiergeld zu zahlen. Der Nachteil: Der Konzern beschäftigte sich oft zu sehr mit sich selbst und seinen Prozessen, anstatt mit den Kunden und seinen Problemen. Schon wenige Wochen nach seiner Ernennung ließ Kaeser diese Struktur aufbrechen.

Sorge vor Kaesers weiteren Plänen

Siemens solle künftig wieder als ein Unternehmen geführt werden, forderte er dann im vergangenen Mai - weniger Bürokratie und eine gestärkte Zentrale, das waren seine zentralen Botschaften. "Wer Bürokratieabbau fordert, der muss wissen, dass Bürokratie auch Gesichter hat", sagte er damals und gab seinen Managern auch noch eine Zahl mit auf den Weg. Bis 2016 solle Siemens eine Milliarde Euro durch die Entschlackung einsparen. Im Unternehmen sprechen sie seither nur noch von "1 by 16". Und seitdem hatte das große Rechnen begonnen.

Natürlich hätte Kaeser schon im vergangenen Mai Fakten schaffen können, wenn er einfach festgelegt hätte, welche Sparte wie viele Stellen einsparen muss. Doch er wählte einen anderen, einen eher basisdemokratischen Weg und gab lediglich Budgetvorgaben vor. Die einzelnen Einheiten mussten danach selbst erarbeiten, wie sie die Ziele erfüllt werden sollen. Das dauerte.