Superleichte Miniflugzeuge dienen immer mehr Managern als Lufttaxi. Die Flughäfen sind weniger begeistert von den Minifliegern - denn sie verstopfen den Luftraum.
Der Pionier der Lüfte bietet Platz für bis zu fünf Passagiere, ist etwa zwölf Meter lang, höchstens fünf Tonnen schwer und mit einem Stückpreis ab eine Million Euro (Lederausstattung inklusive) ein richtiges Schnäppchen - zumindest im Vergleich zu den Business-Jets der Vorgängergeneration. Die kosteten mindestens doppelt so viel.
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Very Light Jets (VLJ) heißt die neue Gattung der fliegenden Vorstandsbüros, die den privaten Business-Jet jetzt auch für die zweite und dritte Managerriege erschwinglich macht. In den USA haben die zweistrahligen Düsenflugzeuge den Luftraum längst erobert. Und auch in Europa werden sie immer beliebter. Die Orderbücher von Herstellern wie Embraer, Eclipse Aviation, Honda Jet oder Cessna Aircraft sind prall gefüllt - etwa 500 Bestellungen kommen aus Europa.
Auf der langen Warteliste stehen wohlhabende Privatleute, denen bisher das nötige Kleingeld für den eigenen Privatjet fehlte; aber vor allem Firmen wie Bikkair, Jet-Bird, London Executive Aviation oder Wondair, die aus den Miniflugzeugen Taxis der Lüfte machen wollen.
Per Minijet durch Europa
Auch Peter Leiman ist seit kurzem Taxi-Unternehmer. Der britische Jungunternehmer mit Harvard-Abschluss hat gerade die erste sechssitzige Cessna Mustang geliefert bekommen. 29 weitere sind bestellt. Denn der 29-Jährige ist sich sicher: "Minijets sind die lang ersehnte Revolution am Flugzeughimmel." Mit einem Studienkollegen und einem Startkapital von 30 Millionen Dollar hat er das Lufttaxi-Unternehmen Blink gegründet.
Seit Anfang Juni fliegt Blink seine Kunden zu Business-Class-Preisen per Minijet durch ganz Europa. Wer zwei Wochen vorher bucht, jettet für 500 Pfund, umgerechnet 630 Euro, von London nach Paris und zurück. Ganz Eilige können auch wenige Stunden vor Abflug noch buchen. Wie bei jedem Flug gilt auch bei Blink das Prinzip: Je kurzfristiger, desto teurer. "Wir haben uns am Modell der Billig-Airlines orientiert", sagt Leimann. Leerflüge werden auf ein Minimum reduziert. Auf Luxus wird verzichtet. An Bord muss sich die Kundschaft mit Wasser begnügen. Auch für große Shopping-Touren ist der VLJ eher ungeeignet. Gepäckraum und -gewicht sind auf ein Minimum begrenzt.
Geringere Reisezeit
Dafür entfallen lange Schlangen beim Check-in, lästige Kontrollen, verpasste Anschlussflüge und verlorenes Gepäck. Leimann: "Im Prinzip sind wir eine Art Easyjet für Reiche."
Was zählt ist vor allem die gewonnene Zeit. Und die ist bei Minijets nicht nur wegen der geringeren Wartezeiten gewaltig. Neu entwickelte Triebwerke, die kleiner aber leistungsstärker sind, verkürzen gegenüber herkömmlichen Business-Jets die Reisezeit und sparen bis zu 50 Prozent Sprit. Auch der CO2-Ausstoß ist deutlich geringer. Luftfahrtexperten prophezeien der neuen Jet-Generation deshalb ein enormes Potenzial: Weltweit, so schätzen die US-Luftfahrtbehörden, dürften in den kommenden zehn Jahren über 5000 Jets mit besonders leichter Bauart und Strahlantrieb gebaut werden. "Wir schätzen, dass allein in Europa bis 2015 etwa 100 Maschinen pro Jahr hinzukommen", sagt Alex Hendriks von der europäischen Flugsicherungsbehörde Eurocontrol.
Doch nicht alle sind von dieser Prognose begeistert. Vor allem die Fluglotsen nicht. Denn bereits 2010 werden die Minijets in Europa schätzungsweise 400 zusätzliche Flüge pro Tag verursachen. Die kleinen Flugzeuge könnten die ohnehin stark belasteten Luftstraßen der großen Jets verstopfen. Denn trotz ihrer geringen Größe fliegen sie auf gleicher Höhe - allerdings mit einer Höchstgeschwindigkeit von etwa 600 Stundenkilometern, also 30 Prozent langsamer als die großen Maschinen. Eine Arbeitsgruppe bei Eurocontrol prüft derzeit, wie sich dieses Problem im komplexen europäischen Luftverkehr lösen lässt.
Fliegen als "stressfreie Routine"
Auch die europäischen Regionalflughäfen werden die Revolution am Himmel deutlich zu spüren bekommen. Sie sind das Hauptziel der kleinen Flieger. Da sie nur eine Pistenlänge von etwa einem Kilometer benötigen, können sie nach einer Erhebung der Deutschen Flugsicherung allein im Bundesgebiet auf 145 Flugplätzen starten und landen. In ganz Europa sind es über 600. "Das ist ein entscheidender Vorteil für uns", sagt Hans Jörg Hunziker, Vorstand der Züricher Taxi-Firma Jet-Bird, die im kommenden Jahr ihren Betrieb aufnehmen will. "Viele Geschäftsleute müssen eben nicht nach München, sondern nach Augsburg oder Nürnberg." Immer mehr Vielflieger würden deshalb in den nächsten Jahren den Business-Class-Sitz mit dem eines Jet-Taxis tauschen.
Hinzu kommt, dass die Zahl der Business-Jet-Flüge seit 2001 stetig steigt: 2007 machten sie bereits 7,8 Prozent aller europäischen Flüge aus. "Wir wollen das Fliegen wieder zur stressfreien Routine machen - oder sogar zum reinen Vergnügen", sagt Hunziker.
Eclipse hat unterdessen schon einen noch kleineren Jet entwickelt. Er hat nur vier Sitze, kommt mit einer noch kürzeren Startbahn aus und kostet nur 850.000 Euro. Doch bislang gibt es die Eclipse 400 erst als Prototyp.
(SZ vom 02.07.2008/tob)
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