Mineralienvorkommen in Sibirien Milliardenschatz löst Diamantenfieber aus

Der Markt für Edelsteine könnte mit diesem Fund umgewälzt werden: In Sibirien liegt das größte Diamantenvorkommen der Erde, melden russische Forscher. Doch der Schatz ist nicht leicht zu heben.

Von Julian Hans

Was russische Wissenschaftler am Wochenende auf dem internationalen Innovationsforum "Interra 2012" in Nowosibirsk verkündeten, klang wie eine Sensation: Im hohen Norden Sibiriens sei ein Diamantenvorkommen entdeckt worden, wie es auf der Erde kein zweites gebe.

"Viele Billionen Karat" lagerten an einem Ort namens Popigai, hieß es in einer Mitteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften. Zum Vergleich: 2011 wurden weltweit etwa 124 Millionen Karat gefördert. Der Fund könne den Diamantenbedarf über mehrere tausend Jahre decken, rechneten die Forscher vor. Er habe des Potenzial, den Markt für Diamanten umzuwälzen.

Bereitwillig ließen sich Beobachter vom Diamantenfieber anstecken: "Russland enthüllt ein funkelndes Staatsgeheimnis" titelte der Christian Science Monitor, "es ist von Diamanten überflutet". Der Schatz sei seit Sowjetzeiten als Staatsgeheimnis gehütet worden, berichtete die Zeitung, die Partei habe der aufwendig aufgebauten Industrie zur Erzeugung künstlicher Diamanten nicht schaden wollen. Eine schöne Geschichte, wenn sie wahr wäre.

Ein Geheimnis ist der diamantene Krater in Sibirien zumindest für Fachleute lange nicht mehr, sagt der Geologe Alexander Deutsch, der als Professor für Planetologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster lehrt. Er selbst hat nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf Einladung russischer Wissenschaftler eine Forschungsreise zu dem abgelegenen Ort an der Grenze der Regionen Krasnojarsk und Jakutien unternommen.

Vor 35 Millionen Jahren hat dort ein Meteorit die Erde getroffen, sagen die Geologen. Dabei ist ein Krater entstanden, der drei Mal so groß ist wie Luxemburg. Der Druck beim Einschlag des Meteoriten auf das Schiefergestein habe tatsächlich Diamant entstehen lassen, sagt Deutsch, allerdings in der "völlig unspektakulären Form" von winzigen Plättchen.

Die Geologen sprechen von Impakt-Diamant, der durch kurzfristige Einwirkung von hohem Druck auf kohlenstoffhaltiges Gestein entstehe. Allerdings hat er wenig gemeinsam mit den großen Diamanten, die sich über Jahrmillionen in der Erdkruste bilden. Es sei zwar gut möglich, dass in Popigai die größten Diamantenvorkommen der Erde lagerten, sagt Deutsch, dass das den Diamantenmarkt umwälzen könne, halte er aber "für ein Märchen".