Ein Kommentar von Claus Hulverscheidt

Die vermeintlichen Wahlkampfhits des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck erwiesen sich als Flops. Beispiel: der Mindestlohn. Er verschlechtert die Chancen der Arbeitssuchenden.

Wenn sich CDU und CSU einen politischen Gegner backen könnten, er sähe aus wie die SPD des Jahres 2008.

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Mit ihrem Wortbruch in Hessen haben die Sozialdemokraten der Union ein Thema geliefert, das sie zu Recht bis zur Bundestagswahl 2009 verfolgen wird. Gleichzeitig erweisen sich die eigenen vermeintlichen Wahlkampfhits des Kurt Beck als Flops. Beispiel: der Mindestlohn.

Noch bis Ende März können Tarifpartner den Antrag stellen, dass die Bundesregierung die für ihren Wirtschaftszweig vereinbarte Lohnuntergrenze für allgemeinverbindlich erklärt.

Branchen stehen geradezu Schlange

Nach bisheriger Darstellung der SPD stehen die Branchen geradezu Schlange - von den Fleischern bis zu den Friseuren, von den Entsorgern bis zu den Bewachern. Weil über jeden Antrag einzeln hätte entschieden werden müssen, hätte SPD-Chef Kurt Beck Kanzlerin Angela Merkel das ganze Jahr über mit dem populären Thema vor sich her treiben können.

Tatsache jedoch ist, dass sich nicht zehn oder zwölf, sondern wohl nur ein oder zwei Branchen in Berlin melden werden. Die Rakete ist verglüht, bevor sie richtig abgehoben hat.

Die SPD ist daran selbst schuld, denn Branchenmindestlöhne sind ein Irrweg. Im günstigsten Fall verbessern sie die Situation derer, die Arbeit haben. Sie verschlechtern aber garantiert die Lage jener, die einen Job suchen: Sie nämlich werden gar nicht oder zu niedrigeren Tarifen - dem Mindestlohn eben - eingestellt.

Fallstricke

Auch politisch birgt das Thema Fallstricke: Wie eigentlich will die SPD erklären, dass ungelernte Postboten mindestens 9,80 Euro, ausgebildete Friseurinnen aber vielleicht nur 6,50 Euro erhalten sollen? Ist das "gerecht"? Insofern müsste Beck fast froh sein, wenn zumindest diese Debatte im Sande verläuft.

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(SZ vom 06.03.2008)