Milton Friedman Der Ökonom, der alles voraussah

  • Ökonom Milton Friedman schrieb Ende der 90er Jahre über die möglichen Folgen des Euro - er sah genau das voraus, was jetzt Realität ist.
  • Die monetäre Einheit ist ein Hindernis für die politische Einheit.
  • Doch auch wenn es den Euro nie gegeben hätte, hätte die wirtschaftliche Dominanz Deutschlands für bittere Konflikte gesorgt.
Von Nikolaus Piper

Amerikanische Ökonomen standen dem Euro von jeher meist skeptisch gegenüber, und zwar von links bis rechts. Viel zitiert wird in diesen Tagen der "linke" Paul Krugman. Es lohnt sich aber auch, einmal in die andere Richtung zu blicken, zu dem Monetaristen und Nobelpreisträger Milton Friedman (1912-2006). Im August 1997, als die Währungsunion gerade konkrete Formen annahm, schrieb Friedman einen Artikel über deren mögliche politische Folgen ("The Euro: Monetary Unity To Political Disunity?").

Der Text liest sich heute wie Prophetie: Ziel des Euro sei es gewesen, so Friedman, die Vereinigten Staaten von Europa vorzubereiten. "Ich glaube, dass die Einführung des Euro den gegenteiligen Effekt haben wird. Sie wird politische Spannungen verschärfen, in dem sie divergente Schocks, die durch Änderung der Wechselkurse leicht hätten gemildert werden können, zu umstrittenen politischen Themen macht (...). Monetäre Einheit, die unter ungünstigen Bedingungen eingeführt wird, wird sich als Hindernis für die politische Einheit erweisen."

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Die deutsche und die griechische Regierung - verfeindet

Auch wer den Euro immer für eine gute Sache gehalten hat, wie der Autor dieser Kolumne, der muss einräumen: Ja. so ist es gekommen. Plötzlich behandeln sich die deutsche und die griechische Regierung, die früher kaum mal ein Problem miteinander hatten, wie Feinde. Plötzlich steht die deutsch-französische Allianz in Frage, und ein leidenschaftlicher Europäer wie Wolfgang Schäuble wird mit Hitlerbärtchen karikiert. (Eine fast komische Randnotiz: Schäuble gilt heute als gnadenloser Eintreiber und calvinistischer Geizhals. Tatsächlich kommt Schäuble aus einem lutherisch geprägten Teil Badens. Innerhalb Baden-Württembergs gelten die Badener als Leichtfüße, die etwas von Wein verstehen, aber nicht von Geld, während die Württemberger die hartherzigen Sparer sind. So viel zur Konsistenz von Feindbildern).

Welche Schlüsse aber sind aus Friedmans Analyse zu ziehen? Für die Erkenntnis, dass Griechenland nie den Euro hätte einführen dürfen, muss man nicht auf einen Nobelpreisträger zurückgreifen. Aber der Schluss, dass der Euro von Anfang an ein Fehler war, sollte auch nicht leichtfertig gezogen werden. Auch ohne Euro hätte die wirtschaftliche Dominanz Deutschlands in Kombination mit einer mächtigen Bundesbank für bittere Konflikte gesorgt. Die Streitereien über die starke D-Mark nach der Wiedervereinigung gaben eine Vorahnung dessen, was hätte kommen können.

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Der IWF diente den Politikern als bequemer Sündenbock

Was sich aber ganz sicher sagen lässt, ist dies: Rettungsaktionen wie die letzten drei für Griechenland darf es nicht mehr geben. Deren Ablauf war modelliert nach den Programmen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Über diese Programme kann man lange streiten, in ihrer Bilanz waren sie gar nicht so schlecht. Vor allem hatten sie ein Merkmal: Sie kamen von einer distanzierten, technokratischen Organisation. Deshalb diente der Fonds Politikern als bequemer Sündenbock, auf den sie den Protest des Volkes schieben konnten.

In Griechenland wurden, wegen der Konstruktion der Troika, plötzlich europäische Politiker die Sündenböcke, vor allem eben Angela Merkel und Schäuble. Weil die zentralen europäischen Institutionen immer noch zu schwach sind, müssen Politiker in Berlin und Helsinki über Mehrwertsteuersätze auf griechischen Inseln diskutieren. Das ist absurd und muss zu Ressentiments führen. Europa braucht stärkere Institutionen und unpolitischere Verfahren. Notwendig ist nicht weniger, sondern mehr Europa, so unpopulär dies heute auch sein mag.