Hilfspaket für Griechenland 31 Milliarden für Athen - offenbar in jedem Fall

Wird Griechenland trotz unzureichender Reformen die nächste Milliardenzahlung bekommen? Zwei Medienberichte gehen davon aus, dass Brüssel und Berlin das Land in jedem Fall weiter stützen wollen. Das Bundesfinanzministerium wiederholt indes, man warte den Troika-Bericht ab.

Athen soll Berichten zufolge in jedem Fall weiter Hilfe erhalten

(Foto: dapd)

Griechenland soll Medienberichten zufolge in jedem Fall die nächste Tranche von 31 Milliarden Euro aus dem Hilfspaket erhalten - selbst bei Verstößen gegen Sparauflagen. Das berichtet die WirtschaftsWoche unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen in EU-Kreisen. Hintergrund sei die Angst vor den Folgen einer Staatspleite Griechenlands mit anschließendem Euro-Austritt. "Die Angst vor einem Dominoeffekt ist zu groß", wird ein EU-Diplomat in der WirtschaftsWoche zitiert.

Auch das Magazin Focus meldet, dass sowohl Brüssel als auch Berlin Griechenland unbedingt in der Euro-Zone halten wollen. "Der Troika-Bericht wird so ausfallen, dass die Politik das Geld freigeben kann", zitiert der Focus aus Kreisen des Europäischen Parlaments. Weder in Brüssel und noch in der Bundesregierung sei man bereit, einen Euro-Austritt Athens mit unabsehbaren Ansteckungseffekten zu riskieren.

In Brüssel wurden die Berichte nicht bestätigt. Es bleibe bei dem Verfahren, dass zunächst die Troika der internationalen Geldgeber im Oktober ihren Bericht über die Athener Fortschritte bei den Reformen vorlege und dann entschieden werde, hieß es. Zunächst kommen am 8. Oktober die Finanzminister der Eurogruppe wieder zu einem ihrer regelmäßigen Treffen zusammen.

Auch ein Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wies die Darstellung zurück. Es gebe keinen neuen Sachstand, die Bundesregierung werde den Bericht der Troika abwarten. "Alles andere ist nicht zutreffend", fügte er hinzu.

Tatsächlicher Finanzbedarf schwer kalkulierbar

Seit Monaten wird damit gerechnet, dass der Troika-Bericht Defizite sowohl bei der Umsetzung der Reformen als auch bei der Eindämmung des Haushaltsdefizits ans Licht bringt. Als ein Grund gilt allerdings auch der lange Wahlkampf angesichts der beiden Parlamentswahlen im Frühjahr.

Bereits damals brachten Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker und wenig später auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) einen zeitlichen Aufschub bei den Athener Reformen ins Spiel. Zwischenzeitlich hatten jedoch vor allem Politiker von CSU und FDP den Eindruck erweckt, als müsse Griechenland wegen mangelnden Sparwillens die Eurozone verlassen. In den vergangenen Wochen waren diese Stimmen aber weitgehend wieder verstummt.

Finanzanalysten halten den tatsächlichen Finanzbedarf Athens für schwer kalkulierbar, da sich die Entwicklung der griechischen Wirtschaft in den kommenden Jahren nicht präzise vorhersagen lässt. Hilfsmaßnahmen wie die Rettungspakete und der Athener Schuldenschnitt zulasten privater Gläubiger fußen jedoch auf sehr konkreten Erwartungen.