Milchpreise Mehr Geld, weniger Milch

Die Protest-Kuh soll auf niedrige Milchpreise aufmerksam machen.

(Foto: Jens Büttner/dpa)

Frankreich will die Überproduktion abbauen, damit der Preis steigt. Bauern sollen nach einem neuen Modell dafür belohnt werden, dass sie weniger liefern.

Von Markus Balser und Silvia Liebrich, München/Berlin

Frankreich will den Milchbauern in Europa aus ihrer prekären Lage helfen. Ein Vorschlag, den das Land am Montag beim nächsten Treffen der EU-Agrarminister vorlegen will, sieht im Kern vor, Bauern dafür zu belohnen, dass sie weniger produzieren. Dabei nimmt der französische Agrarminister Stéphane Le Foll ein Modell zum Vorbild, das derzeit die niederländische Genossenschaft Friesland-Campina testet.

Die Großmolkerei hat ihren Mitgliedern angeboten, mehr für den Liter Milch zu bezahlen, wenn diese weniger oder konstante Mengen anliefern. Dies gilt nach Firmenangaben auch für die deutschen Lieferanten. Das Modell von Friesland Campina steht im Gegensatz zu in der Branche üblichen Preismodellen. In der Regel gilt: Je größer die gelieferte Milchmenge, desto mehr bekommt der Erzeuger für jeden einzelnen Liter. Milchbauern in Deutschland und Frankreich stecken in der Krise, weil in der EU insgesamt zu viel Milch produziert wird und die Preise deshalb stark eingebrochen sind.

Seit Monaten wird darüber gestritten, wie die Krise entschärft werden kann. Während Frankreich die Überproduktion abbauen will, setzt die EU auf Wachstum. Erklärtes Ziel der europäischen Agrarpolitik ist es, die eigene Produktion nicht zu beschränken und das Heil im Export zu suchen. Doch ausgerechnet der stockt. Vor allem der Streit zwischen Brüssel und Moskau trifft die Bauern. Russland reagiert auf die Ukraine-Krise und westliche Wirtschaftssanktionen mit einem Import-Stopp westlicher Lebensmittel, darunter auch Milchprodukte. Für die deutsche Agrarwirtschaft fallen damit Geschäfte im Milliardenwert weg. Hinzu kommt die stockende Konjunktur in China.

Auch die zwei größten Molkereikonzerne in Deutschland und Frankreich, das Deutsche Milchkontor und Sodiaal Union, warnen vor schweren Verwerfungen und fordern mehr staatliche Unterstützung. "In beiden Ländern besteht die Gefahr eines Einbruchs des landwirtschaftlichen Potenzials", heißt es in einem gemeinsamen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den französischen Präsidenten François Hollande.

Die Milchpreise fallen immer weiter. Seit Mitte 2014 geht es abwärts. 2015 bekam ein Bauer im Schnitt weniger als 30 Cent je Liter. Jenseits dieser Schwelle sehen Experten keine Möglichkeit einer gewinnbringenden Vermarktung. Dieses Jahr dürften die Preise noch weiter sinken. Inzwischen sind sie so niedrig, dass die Interventionsgrenze unterschritten ist. Dies bedeutet, dass mit Hilfe staatlicher Gelder in der EU immer mehr Milchpulver aufgekauft und eingelagert wird.

Auch in der deutschen Politik kommt die Angst vieler Bauern um ihre Existenz an. Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, fordert die Bundesregierung zum Handeln auf: "Eine Kannibalisierung auf dem Milchmarkt kann nur beendet werden, wenn von Seiten der Politik jetzt energisch lenkend eingegriffen wird. Agrarminister Schmidt muss jetzt endlich tun, was ein Minister tun sollte und das Steuer in die Hand nehmen." Die Grünen fordern eine staatliche Mengenreduzierung. Die lehnt das Bundeslandwirtschaftsministerium jedoch ab.