Der Protest der Bauern scheint zu wirken: Lidl und Edeka planen einen Preisaufschlag. Fünf Cent pro Liter Milch sollen direkt an die heimischen Landwirte gehen.
Schon bald zieht die Fairness vielleicht auch in die Kühlregale der Supermärkte ein. Angesichts der heftigen Proteste der Milchbauern gegen niedrige Preise planen die Supermarktketten Lidl und Edeka offenbar, ihren Kunden in Kürze Milch mit einem Preisaufschlag für die heimischen Landwirte anzubieten.
Liefer-Boykott: Aus Wut über einen zu geringen Milchpreis verfüttern Landwirte die Milch - auch an Kälber und Rinder. (© Foto: dpa)
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Faire Milch bei Alnatura
Fünf Cent pro Liter sollten künftig direkt an die Milchbauern wandern, berichtete das Branchenblatt Lebensmittelzeitung. Die Supermarktketten wollten die Pläne offiziell noch nicht bestätigen. Dabei zeigen die Umsatzerfolge mit fairer Milch bei Naturkosthandelsunternehmen wie Alnatura, dass Lidl und Edeka mit ihrem Vorhaben nicht hinter dem Berg halten müssten.
"Unsere Kunden verstehen, warum sie bei uns mehr für die Milch bezahlen", sagt Alnatura-Sprecherin Stefanie Neumann. Der Naturkosthändler hat seit Herbst 2006 faire Milch im Sortiment, die Verbraucher bundesweit in vielen Supermärkten kaufen können. Mit den Produkten erhält der Kunde für einen nicht unerheblichen Preisaufschlag das gute Gewissen, den Milchbauern angemessen zu bezahlen. Gleichzeitig kauft er aber auch auch Bio-Qualität ein.
Für den Liter Frischmilch bekommen Bauern von Alnatura rund 51 Cent. Im konventionellen Handel zahlen Molkereien den Landwirten zwischen 28 und 34 Cent. 43 Cent müssten es nach Berechnungen des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) aber schon sein, damit die Landwirte wirtschaftlich arbeiten können. "Bio-Qualität und faire Preise für die Landwirte gehören für uns untrennbar zusammen", sagt Neumann. Jahr für Jahr verzeichne das Unternehmen mit der fairen Milch ein deutliches Umsatzplus und biete mittlerweile auch andere Produkte wie Butter oder Schmand mit einem Preisbonus für die Landwirte an.
Deutsche zahlen mehr für faire Bio-Produkte
Immer mehr Deutsche sind auch tatsächlich bereit, für Fairness und Qualität tiefer in den Geldbeutel zu greifen. So verzeichnete der Handelsverein Transfair in Köln für das vergangene Jahr gegenüber 2006 ein Absatzplus mit fair gehandelten Waren wie Kaffee oder Obst von rund einem Drittel. Für die Produkte erhalten Bauern in den Erzeugerländern einen Abnahmepreis, der über dem üblichen Marktniveau liegt, und können sich damit ein menschenwürdiges Leben finanzieren. Aber auch für Bio-Qualität geben die Deutschen zunehmend mehr Geld aus. Der Umsatz des Einzelhandels mit Ökoprodukten stieg 2007 gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent, berichtet das Marktforschungsinstitut A.C. Nielsen in Frankfurt am Main.
Billigpreise der Discounter sind das Problem
Für das Umsatz- und Absatzplus bei Fairtrade und Bio sorgen nicht zuletzt Discounter wie Lidl und Aldi. Die Billig-Supermärkte setzten mit diesen Produkten im vergangenen Jahr 73 Prozent mehr um als noch 2006. Der übrige Lebensmitteleinzelhandel verzeichnete hier lediglich ein Plus von 27 Prozent.
Gerade aber die Billigpreise der Discounter für Milch machen den deutschen Bauern momentan zu schaffen. Rund 60 Prozent der Gesamtproduktion wandert alleine bei ihnen über den Ladentische. Würde eine große Supermarktkette wie Lidl künftig tatsächlich faire Milch verkaufen, würde sich die finanzielle Situation der Landwirte vielleicht ändern - wenn die Verbraucher mitmachen.
Die Kühlregale sind weiterhin voll
Während die Milchbauern leere Kühlregale erwarten, kann nach Angaben des Einzelhandelsverbandes HDE von einem Lieferengpass in den Supermärkten nicht die Rede sein. "Die Milch kommt ganz normal jeden Morgen in den bestellten Mengen an", sagte Sprecher Hubertus Pellengahr. Zu Beginn des Streiks am Wochenanfang hätten die Verbraucher zwar mehr H-Milch gekauft: "Aber auch das hat der Handel im Griff." Auch bei ihren Wochenendeinkäufen und in der kommenden Woche müssten die Verbraucher nicht mit Einschränkungen rechnen.
Nach Angaben der Supermarktketten Lidl und Edeka gab es in ihren Filialen noch keine leeren Milch- und Milchproduktregale. "Für uns sind die Lieferstopps weiterhin kein flächendeckendes Problem, auch wenn es regionale Unterschiede gibt", sagte Edeka-Sprecher Gernot Kasel. Auch bei Lidl habe es bisher keine Probleme gegeben. "Wir haben im Moment keine Lieferengpässe", sagte Lidl-Sprecherin Petra Trabert.
(sueddeutsche.de/AFP/jkr/mel)
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Der Handel und die Bauern werden diesen Kampf wohl auf dem Rücken des Verbrauchers austragen... Ist dosch schön wenn zwei sich darauf einigen können daß ein Dritter die Zeche bezahlen darf!
Die schlechten Milchpreise im konventionellen Sektor könnte man ja auch als Anreiz verstehen z.B. auf Bio umzustellen. Biomilch ist knapp und entsprechend teuer...
Aber das ist ja schon wieder zuviel verlangt! Der blöde Verbraucher hat gefälligst für das Zeug, wenn er ohnehin nicht in ausrecheinder Menge in sich hineinstopfen will, mehr bezahlen!
Nicht jeder Bauer verfügt über eine vollautomatische "Zapfanlage", an die die Tiere 24 Stunden angeschlossen sind und per Timer selbstständig gemolken werden.
Diese Kuh-Unternehmer können mit den niedrigen Preisen leben.
Nur, diese Milch will ich nicht.
Für mich ist selbstverständlich, Fairness gegenüber den Bauern, Fairness gegenüber den Tieren. Aus diesem Grund kommt für mich schon lange vor dieser Diskussion nur Biomilch in Frage.
Man kann vieles billig kaufen, Waschmittel, Haushaltswaren, Kosmetik uvm, und vieles ist nicht mal schlechter.
Aber Billig Lebensmittel? Nein Danke.
Beim Lesen des Artikels Kam mir spontan in den sinn, dass Lidl und Fairness ein Widerspruch in sich ist. Aber vielleicht begreift man ganz langsam, dass man im Geschäftsleben fair miteinander umgehen sollte. Es kann nicht funktionieren, wenn einer den anderen so weit ausnimmt, dass diesem keine Luft mehr zum atmen hat. Dass sollten eigentlich diverse "Kaufleute" gelernt haben. Aber leider ist das - neben anderem - ein Spiegelbild der Gesellschaft. Natürlich tragen tragen wir Endverbraucher ein gerüttet Mass an Mitschuld. Daher wäre es sinnvoll, die Konsumenten - Aufklärung zu verbessern. Das gilt auch für andere Branchen. Das Bewusstsein, dass eben nichts zu jedem unmöglichen Preis zu haben ist. Die Zeche zahlen dann in der Regel andere.
Wie lange dauert's denn noch bis der Letzte mal gemerkt hat, daß der Weltmarkt Öl braucht.
Dann braucht's auch keine Subventionen mehr. Ist denn das so schwer zu begreifen?
Herr Seehofer, wie kann ein christlicher Politiker das Verschütten von Nahrungsmitteln für gut befinden, während ihre Kollegin vom Entwicklungsministerium Milliarden von Steuergeldern gegen Hunger ausgibt? Bei dieser christlichen Doppelmoral müssen sie sich nicht wundern, wenn die Konvertiten immer mehr werden.
@Verbraucher: Ich würde sagen wir streiken auch mal und boykottieren Milchprodukte, soll ja eh nicht so gesund sein. Und Tankstellen auch gleich dazu, damit die mal merken wer hier das Sagen hat!!
Adios Amigos
hier könn(t)en mal die politiker beweisen, was sie in ihren sonntagsreden bzgl. des bürokratieabbaus niemals unerwähnt lassen :
wenn zig milliarden subventionen von der eu an die bauern fließen (denn schließlich haben bauer meistens ein einkommen unter 75% des durchschnittl. einkommens in europa) und der markt nur einen sehr niedrigen preis für den liter milch hergeben kann (als folge des überangbots von milch), dann ist der oben beschriebene weg genau der falsche. hier erkennt man das fatale an (langjährigen) subventionen.
j.